Einrad Weltmeisterschaft in Südkorea

Ana Schrödinger holt vier WM- Titel und einen Weltrekord

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München/ Ansan - Auf der Einradweltmeisterschaft, die gerade in Ansan, Südkorea ausgetragen wird, gelang es der Münchner Einradsportlerin Ana Schrödinger (23) nicht nur ihre drei WM-Titel zu verteidigen, sondern sich auch einen weiteren, vierten Titel auf ihrer nun vierten WM zu sichern.

Insgesamt gingen in Ansan bei Seoul 1076 Einradsportler an den Start um sich in den verschiedenen Disziplinen des Einradsports zu messen. Gleich am ersten Tag der Weltmeisterschaft wurde der Stillstandausgetragen, die Königsdisziplin des Gleichgewichts. Neben einem extrem guten Gleichgewichtssinn erfordert der Stillstand auch allerhöchste Konzentration, da diese Disziplin darin besteht, so lange wie möglich auf dem Einrad auf einem 10 x 25 x 3 cm kleinem Brett zu stehen und damit so lange wie möglich in der Balance zu bleiben.

Mit der Zeit von 35:12,00 Minuten konnte sich Ana um fast 30 Minuten von der Vizeweltmeisterin Fanny Riom aus Frankreich distanzieren, die auf eine Zeit von 5:26,86 Minuten kam. Selbst zum Weltmeister der Herren, Yunsung Park aus Südkorea, der eine Zeit von 11:11,01 Minuten erreichte, gelang es Ana eine Distanz von über 24 Minuten zu halten.

Weitere Disziplinen am selben Tag

Den Weltrekord in der Disziplin Stillstand, zuletzt getoppt auf der Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden hält Ana Schrödinger bei einer Zeit von 1:49:08,37 Stunden. In Südkorea waren die Bedingungen aber nicht gerade ideal, da es bei einer tropischen Temperatur von nahezu 40 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit einerseits und der extremen Wettkampfdichte andererseits galt, die Resourcen und Kräfte punktgenau und gezielt einzusetzen. Die sieben Stunden Zeitverschiebung nach vorne erschwerten die Bedingungen für die europäischen Starter zusätzlich. Dies erfordert neben langjähriger Wettkampferfahrung auch sehr gute Selbstkenntnis in vielerlei Hinsicht.

Noch am gleichen stand Tag das Finale der Disziplinen Slow Forward und Slow Backward an. Über eine halbe Stunde auf dem Einrad zu stehen kommt bezüglich des Kraftaufwands einem Rennen über 10 km gleich, eine ganze Stunde Stillstand wäre mit einem Marathon vergleichbar. Deshalb stieg Ana nach 35 Minuten bewusst und gezielt vom Einrad ab und beendte ihren Stillstand nicht wie die KonkurrentInnen mit einem Sturz wegen Kraft- oder Gleichgewichtsproblemen.

Im Stillstand ist Ana Schrödinger bis jetzt die erste und einzige Weltmeisterin. Seit diese Diszpiln zum ersten mal auf der Weltmeisterschaft 2012 in Brixen/Italien ausgetragen wurde, konnte sich Ana Schrödinger auf jeder WM den Stillstand- Titel sichern und zwar 2014 in Montreal/Kanada, 2016 in San Sebastian/Spanien und 2018 in Ansan/Südkorea. Damit verteidigte Ana den WM- Titel im Stillstand bereits zum dritten mal und sicherte sich zum vierten mal in Folge den Weltmeistertitel.

Top-Favoritin in den Finalläufen

Auch in den Finalläufen Slow Forwardund Slow Backwardam selben Tag ging Ana Schrödinger wie bereits seit mehreren Jahren als Top- Favoritin an den Start, dennoch blieb die Spannung bis zur letzten Sekunde bestehen, da auch bei diesen Disziplinen die Bedingungen alles andere als ideal waren. Diese Disziplinen bestehen darin, so langsam wie möglich über ein 10 Meter langes Brett zu fahren, ohne dabei zu pendeln, das Rad seitwärts zu drehen oder den Fahrfluss durch das geringste Stehenbleiben zu unterbrechen. Das Brett ist für Slow Forward 15 cm und für Slow Backward 30 cm breit.

Zuerst gingen die Finalistinnen in Slow Forward an den Start. Es galt entgegen dem noch grellen Licht der untergehenden Sonne zu fahren, was bei einigen Finalistinnnen zur Disqualifikation wegen Abstieg oder Abkommen vom Brett führte, da man so gut wie gar nichts mehr sehen konnte. Trotz dieser erschwerten Bedingungen erreichte Ana Schrödinger eine Zeit von 1:41,25 Minuten und konnte damit ihren WM- Titel in Slow Forward verteidigen und sich über 20 Sekunden von der Vizeweltmeisterin Mirjam Lips aus der Schweiz distanzieren.

Zum dritten mal in Folge

Wie im Finale der Slow Forward Läufe ging Ana auch im Finale von Slow Backward als letzte der Finalistinnen an den Start, da sie sich als beste Starterin für das Finale qualifiziert hatte. Mit äußerster Konzentration und Nervenstärke verteidigte Ana Schrödinger ihren WM- Titel in Slow Backward mit einer Zeit von 1:55,56 Minuten. Die Vizeweltmeisterin Julia Sandner ebenfalls aus Deutschland kam auf 1:29,45 Minuten, der Weltmeister der Herren auf 1:35,40 Minuten. Mit diesem Erfolg sicherte sich Ana Schrödinger zum dritten mal in Folge die Weltmeistertitel in Slow Forward und Slow Backward und damit insgesamt drei WM Titel an einem einzigen Wettkampftag.

Auf der letzten Einradweltmeisterschaft in San Sebastian, Spanien 2016 war der damals nächste Gastgeber für 2018, nämlich der Einradverband Südkoreas bei allen Wettkämpfen in beobachtender Weise präsent gewesen, um seine Teams optimal für seine Heim WM am Pazifik optimal vorbereiten zu können. Besonders die WeltrekordhalterInnen wurden vom koreanischen Team extrem genau beobachtet. Dies bedeutete für Ana, dass all ihre Wettkämpfe vom koreanischen Trainer gefilmt wurden. Die hatte zur Folge, dass Ana beireits bei der Ankunft im Ansan-Wa-Stadion vom koreanischen Nachwuchskader umzingelt und um Autogramme und Fotos gebeten wurde.

Schon lange beobachtet

Wie sich später herausstellen sollte, hatte der koreanische Trainer seine Mannschaft auf der Grundlage von seinen in San Sebastian aufgenommenen Videos von Anas Wettkämpfen zwei Jahre lang intensiv trainiert und einen speziellen Stillstand – Kader aufgebaut. Aus diesem Kader ging der Weltmeister der Herren, Yunsung Park hervor, bei den Damen erreichte Ju Hyun Park den vierten Platz über alle Altersklassen. Ana diente den Südkoreanern auch als Vorbild für Slow Forward und Slow Backward, mit dem Ergebnis, dass sich mehrere Koreanerinnen für die Slow Finals qualifiziert hatten und beide WM -Titel der Herren nach Korea gingen.

Den vierten Titel sicherte sich Ana Schrödinger in der Disziplin Rail Race. Rail Race gehört zu den Urban- Disziplinen, bei denen es darum geht, aufgebaute Hindernisse aus Paletten, Kabeltrommeln oder Geländern u.s.w auf dem Einrad zu überwinden. Bei Rail Race ist das Hindernis ein Bahngleis. Auf einer Schiene, die schmäler ist, als der Reifen des Einrades muss hier 50 Meter so schnell wie möglich gefahren werden. Da die Schiene des stillgelegten Gleises aus dem vorletzten Jahrhundert extrem schmal, deren Oberfläche gewölbt und der Schienenverlauf nicht geradlinig ist, versteht sich von selbst, dass dieses „Rennen“ nicht mitanderen Rennen auf der Tartanbahn vergleichbar ist.

Als einzige Starterin im Ziel

Bei Startern, die nicht die gesamte Länge von 50 Metern überwinden können, wird die Anzahl der gefahrenen Meter gewertet. Mit einer Zeit von 42,89 Sekunden konnte Ana Schrödinger als einzige Starterin der Damen die Ziellinie passieren. Nur vier Herren erreichten eine schnellere Zeit. Die Vizeweltmeisterin Fanny Riom konnte 11,2 Meter zurücklegen. Mit diesem Ergebnis sicherte sich Ana Schrödinger nicht nur den Weltmeistertitel, sondern stellte gleichzeitig einen Weltrekord in der Disziplin Rail Race auf.

Pressemitteilung SV Soli München e.V.

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