ifo: Dauerstau zurückdrängen

Anti-Stau-Gebühr in München: Bis zu 10 Euro am Tag für Mittleren Ring

Stau am Mittleren Ring in München
+
Autos stauen sich in München (Bayern) auf dem Mittleren Ring. Nirgendwo in Deutschland stehen Autofahrer laut einer Studie aus dem Jahr 2015 so oft im Stau wie auf dem Mittleren Ring in München. 

München - In vielen Metropolen weltweit soll eine Einfahrgebühr in die Innenstädte den Dauerstau zurückdrängen. Diese Option haben Forscher nun auch für München geprüft - mit einem deutlichen Ergebnis, das auch für andere deutsche Städte übertragbar sein könnte.

Eine Anti-Stau-Gebühr von wenigen Euro könnte einer Studie zufolge große Teile der Münchner Verkehrsprobleme lösen. Sie könnte „die Stauprobleme in der Innenstadt in den Griff bekommen“, schreiben die Autoren von Ifo-Institut und der Beratungsgesellschaft Intraplan in einer am Montag vorgestellten Studie. Negative Auswirkungen auf Einzelhandel und Tourismus erwarten die Forscher nicht. Sie gehen, im Gegenteil, sogar von einer Steigerung der Attraktivität der Innenstadt aus, wenn mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel, das Fahrrad oder E-Roller umsteigen.

München: Keine Ausnahmen für Taxifahrer oder Anwohner

So könnten Lieferanten, Taxis oder Logistikunternehmen wieder schneller durch den Verkehr und die Innenstadt kommen. Dies würde neben der Zeitersparnis auch Stress reduzieren. Die Gebühr wäre für Autos, Nutzfahrzeuge und Motorräder gleichermaßen fällig. Ausnahmen soll es dabei nicht geben. Denn nur wenn auch Anwohner und Taxifahrer diese Anti-Stau-Gebühr zahlen, könnte ein positiver Effekt erzielt werden, so die Meinung der Forscher.

Verkehr durch Anti-Stau-Gebühr um 23 Prozent senken

Sechs Euro am Tag pro Fahrzeug könnten der Studie zufolge den Verkehr innerhalb des rund 28 Kilometer langen Mittleren Rings um durchschnittlich 23 Prozent senken - in Spitzenzeiten um 33 Prozent. Bei 10 Euro wären es sogar rund 30 beziehungsweise 41 Prozent. Bei einer Gebühr von sechs Euro pro Tag rechnen die Wissenschaftler mit Einnahmen von etwa 600 Millionen Euro. Die Forscher gehen davon aus, dass viele Personen wegen der Gebühr auf andere Verkehrsmittel umsteigen würden - insbesondere auf öffentliche.

Soziale Härten durch die Gebühr könnten den Autoren zufolge mit Hilfe der Einnahmen aus ihr abgefedert werden - beispielsweise durch Sozialtickets für öffentliche Verkehrsmittel. Zudem könne das Geld in den Ausbau des Netzes gesteckt werden. Dennoch sprechen die Autoren der Studie gezielt von keiner City-Maut, sondern von einer Anti-Stau-Gebühr. Denn die Einnahmen seien zwar ein schöner Nebeneffekt, es gehe aber vordergründig um die Verkehrslenkung und nicht um die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur.

Studie und Gebühr auf andere Städte übertragbar

„Auch für andere Städte in Deutschland wäre eine solche Gebühr vorstellbar“, sagte Oliver Falck, Autor und Leiter des Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien am Ifo-Institut. „Wir vermuten, dass die Ergebnisse auch auf andere staureiche Städte übertragbar sind.“ Als besonders staureiche Städte neben München nannte er Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Nürnberg, Köln, Hannover, Bremen und Frankfurt. Eine Gebühr müsste aber immer an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden, sagte Falck.

mz/dpa

Kommentare