Domenico wurde vor den Augen seiner Verlobten getötet

Brutaler Isar-Mord von München: Nach über sechs Jahren - so sieht der Täter wohl aus

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Ein rotes-weißes Absperrband der Feuerwehr hängt am 29. Mai 2013 in München an einem Baum vor dem Europäischen Patentamt (im Hintergrund). Am späten Abend des 28. Mai wurde an der Stelle ein 31 Jahre alter Radfahrer von einem unbekannten Mann so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus starb. 

München - Im Mai jährt sich der brutale Isar-Mord von München zum siebten Mal: Am 28. Mai 2013 wurde Domenico L. von einem Unbekannten brutal niedergestochen und so getötet. Die Ermittler setzten nun auf ein neues DNA-Verfahren. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse bekannt gegeben.

Update, 12.21 Uhr: Neue Details zum Isar-Mörder bekannt

Wie bereits mehrfach berichtet, wurde am Dienstag, 28. Mai 2013, gegen 22 Uhr, in der Erhardtstraße ein 31-jähriger Radfahrer von einem bislang unbekannten Täter durch Messerstiche getötet. Die Ermittlungen, die zunächst von einer Sonderkommission und danach bis April 2018 von einer Ermittlungsgruppe geführt wurden, haben nach wie vor nicht zur Ermittlung des Täters geführt. 


Obwohl die Tat nun mehrere Jahre zurückliegt, gehen immer wieder Hinweise bei der Münchner Polizei ein, die vom Kommissariat 11 akribisch überprüft werden. Es ist nach wie vor nicht auszuschließen, dass der Täter anlasslos ähnliche Taten verüben könnte. 

Um diese Gefahr zu vermeiden, wurde mit einer am Tatort gesicherten DNA des unbekannten Täters eine erweiterte DNA-Untersuchung nach dem Bayerischen Polizeiaufgabengesetz in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Untersuchung, die Mitte des Jahres 2019 am Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck begonnen wurde, liegen nun vor. 


Nach dem Gutachten des Instituts stammt die DNA von einer männlichen Person, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit braune Augen hatte und deren natürliche Haarfarbe hellbraun bis braun ist. Zudem weist der unbekannte Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit einen mittleren Hauttyp auf. 

Bei der biogeografischen Herkunftsbestimmung konnte festgestellt werden, dass der unbekannte Täter sowie dessen Mutter aus dem europäischen Raum stammen und beim Vater ein genetisches Dichtheitszentrum im osteuropäischen Raum (Nordukraine, Weißrussland, Russland) liegen soll. 

Aufgrund einer zu geringen Menge an sichergestellten DNA-Material war eine Altersbestimmung nicht möglich

Zeugenaufruf: Wer sachdienliche Angaben zur Tat machen kann, wem nach dem 28.05.2013 eine Person mit Verletzungen aufgefallen ist, oder wer eine Person kennt, die sich nach diesem Tag besonders auffällig verhalten hat, wird gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 11, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen. Jedem Hinweis wird gewissenhaft nachgegangen.

Pressemeldung Polizeipräsidium München

Vorbericht: 

Über 16.000 Menschen hat die Polizei überprüft, über 5700 Speichelproben genommen und mehr als 780 Hinweise abgearbeitet. Die Mordkommission "Cornelius" lässt seit sechseinhalb Jahren nichts unversucht, um den Mann, der Domenico L. das Leben nahm, zu fassen.

Seit einigen Monaten analysieren Experten im Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität in Innsbruck die DNA-Spur des mutmaßlichen Isar-Mörders erneut. 

Ziel der neuartigen Analyse ist es nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, auch Erkenntnisse zur Herkunft und zu wahrscheinlichen äußeren Merkmalen des Täters treffen zu können. Das heißt, die Spezialisten wollen aus dem Erbgut herauslesen, aus welcher Region der Täter beziehungsweise seine Vorfahren kommen und welche Haut-, Haar- und Augenfarbe er haben könnte.

Am Donnerstag, 5. März, wollen die Ermittler erste Ergebnisse zu diesem neuen Verfahren bekannt geben, heißt es in einer Vorausmeldung des Polizeipräsidiums München.

Hintergrund:

Im Mai 2013 waren Domenico L. und seine Verlobte mit dem Fahrrad an der Erhardtstraße entlang der Isar unterwegs. Ein Fußgänger spuckte die Verlobte des 31-jährigen an. Domenico L. stellte anschließend den Unbekannten zur Rede. Daraufhin stach der Unbekannte mehrmals auf Domenico L. ein und flüchtete in Richtung Corneliusbrücke. Der junge Mann starb, der Täter ist bis heute auf freiem Fuß. Der Mordfall um den Ingenieur Domenico L. aus der süditalienischen Stadt Potenza ist als Isar-Mord bundesweit bekannt geworden. 

Der Mordfall wurde 2013 auch in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY...ungelöst dargestellt. Für Hinweise von Zeugen wurde unter anderem eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt. Als sich die sinnlose Tragödie 2018 zum fünften Mal jährte, sprach Domenicos Freundin mit dem SZ-Magazin. Sie sagte: „Domenico wird nicht zurückkehren. Wenn sie den Täter finden sollten, käme auch der Schmerz zurück in mein Herz.“

Nachdem auch im Juni 2017 ein 32-jähriger Münchner einem 48-Jährigem grundlos und überraschend ein Messer in den Rücken gerammt hatte, gab es Vermutungen, der Messerstecher könnte auch der Isar-Mörder von 2013 sein. 

Dies bestätigte sich damals aber nicht. 

mz

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