Geständnis

Geiselnehmer kann mit milder Strafe rechnen

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Angeklagte Paun O.

München - Acht Opfer waren stundenlang unter Foltern der Todesangst ausgesetzt. Der Haupttäter der Geiselnahme gestand zum Prozessauftakt und bekam dafür einen kräftigen Strafnachlass zugesagt.

Eine der brutalsten Geiselnahmen der Münchner Kriminalgeschichte wird vom Landgericht München I seit Montag zum zweiten Mal aufgerollt. Wegen erpresserischen Menschenraubs in acht Fällen sowie schweren Raubs ist ein 44-jähriger Serbe angeklagt - und er gestand zum Prozessauftakt am Montag alles. Dafür sagte ihm das Gericht eine Strafe von höchstens neuneinhalb Jahren zu.

Am 24. Juni 1994 hatte Paun O. mit vier Komplizen einen Bankkassierer und dessen Familie 18 Stunden lang in ihrer Wohnung festgehalten. Der Kassierer sollte ihnen Zugang zum Banktresor verschaffen. Die Geiselnehmer umwickelten dem Familienvater den ganzen Kopf bis auf einen schmalen Spalt mit Klebeband, schoben seinem 19-jährigen Sohn die Pistole in den Mund, drohten mit Vergewaltigung seiner 17-jährigen Schwester und quälten die 74 Jahre alte Großmutter mit dem Elektroschocker am ganzen Körper.

Unter diesem Druck gab der Kassierer schließlich preis, dass nur eine Kollegin den Tresorcode kenne. Sie wurde tags darauf in ihrer Wohnung überwältigt. Ihren Mann sperrten die Räuber gefesselt und geknebelt in einen Schrank - er überlebte schwer traumatisiert und erhängte sich zwei Jahre später. Nach der Öffnung des Banktresors flohen die Täter mit 1,5 Millionen Mark.

Bei der Aufteilung der Beute schnappte die Polizei kurz darauf die vier Komplizen, zwei Ehepaare - sie haben ihre Gefängnisstrafen zwischen fünfeinhalb und siebeneinhalb Jahren inzwischen verbüßt. Der fünfte Mann aber entkam mit einer halben Million. Während deutsche Fahnder vergeblich nach ihm fahndeten, saß er wegen Mordes elf Jahre in einem serbischen Gefängnis. Als er im Herbst 2012 mit falschem Pass Frau und Kinder in Tirol wiedersehen wollte, ging er der österreichischen Polizei ins Netz. Sein Beuteanteil wurde zum überwiegenden Teil bei Mutter und Schwester in Serbien sichergestellt.

Zum Prozessauftakt erklärte die Verteidigung: „Der Angeklagte räumt die Vorwürfe vollumfänglich ein.“ Er selbst ergänzte nur, er sei damals „ziemlich jung, naiv und doof gewesen“. Für das Verbrechens habe er sich „Mut angetrunken“, er sei „mehr als angeheitert, aber nicht betrunken“ gewesen. Das reichte für die Zusicherung einer Strafe von höchstens neuneinhalb Jahren.

Ob das Urteil schon am Dienstag verkündet wird, blieb zunächst offen. Das Gericht begann am Montag mit der Vernehmung von Zeugen.

dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser