Interview zum Filmstart von Eberhoferkrimi "Leberkäsjunkie"

Schauspieler Daniel Christensen über seine Jugend in Burghausen und die Rolle des Flötzingers

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Daniel Christensen (re) in seiner Rolle als Ignaz Flötzinger
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München - Fans der Eberhofer-Krimi-Reihe können sich freuen. Mit "Leberkäsjunkie" ist der sechste Teil der Buchverfilmungen nun in den Kinos. Beim Interview mit unserer Redaktion verrät Daniel Christensen, was seine Figur, Sanitärmeister Flötzinger ausmacht und wie seine Jugend in Burghausen mit in die Rolle einfließt. 

Wenn man an die Figur des Ignaz Flötzinger denkt, denkt man zuerst an die überdimensionierte Brille, die Selbsteinschätzung als Frauenheld und eine expressive Mimik. Darsteller Daniel Christensen wirkt auf den ersten Blick weniger extravagant. Ganz entspannt sitzt der 40-Jährige auf dem Sofa in einem Hotelzimmer im Bayerischen Hof, in lässiger Jeans und mit Dreitagebart. Im Interview mit rosenheim24.de erzählt er von seiner Jugend in Burghausen, von seinem ungewöhnlichen Werdegang und wie der Flötzinger eigentlich zum Flötzinger wurde. 

Sie sind ja in Wasserburg geboren und in Burghausen groß geworden und zur Schule gegangen. Gibt es denn irgendwelche Geheimtipps, wo man unbedingt mal hin muss? 

Daniel Christensen: Logisch. Seit ca.1974 gibt es die Burgkellerbar, geführt vom Peter Piffer. Sie heißt auch im Volksmund nur "Der Piffer". Das ist eine uralte Institution. Wenn ich in Burghausen bin, dann geh ich dort mindestens einmal hin. Ich hab da mit 13 schon mein erstes Bier getrunken. Durch den Laden sind alle Burghauser Generationen gegangen.

Sie wohnen ja in Berlin. Sind sie denn öfter in der Heimat zu Besuch? 

Daniel Christensen: Ab und zu. Meine Familie wohnt ja nicht mehr hier, aber es gibt noch ein paar Freunde, die ich hin und wieder besuche.

Fühlen Sie sich denn dann in Bayern noch beheimatet? 

Daniel Christensen: In Burghausen sowieso. Vor allem da wo ich aufgewachsen bin, Richtung Raitenhaslach raus. Dort bin ich auch zur Schule gegangen und habe eine im Großen und Ganzen glückliche Kindheit verbracht, in einem alten Mühlhaus am Fluss. Dieser Platz ist für mich noch immer ein Ruheort. Auch die Salzach hat für mich eine spezielle Bedeutung, da wir direkt neben ihr gelebt haben. Der Klang und der Geruch des Flusses haben sich mir in meiner Kindheit eingeprägt. Auch als Exilbayer bleibt man Bayer, man hat also das "Mia san Mia"-Gen. Man ist aber gleichzeitig auch mit der bayerisch-konservativen Gesellschaft ein Stück weit auf Kriegsfuß. Nur in Bayern lebend, würde ich mich auch ein bisschen eingesperrt fühlen, was das Freiheitsgefühl betrifft. Dieses ambivalente Verhältnis haben viele Menschen hier unten, die nicht strikt konservativ sind, glaube ich.

In den Eberhoferkrimis spielen Sie ja den Flötzinger, einen waschechten Niederbayern. Darf man das als Oberbayer? 

Daniel Christensen: Väterlicherseits bin ich quasi Halbniederbayer. Meine älteren Geschwister haben ein richtiges Niederbayerisch drauf und Burghausen ist nah dran, auch wenn wir uns entschieden als Oberbayern fühlen. Wenn man mit dem Auto rüberfährt heisst es immer: "Knepferl runter, jetzt samma in Niederbayern". Aber diese liebenswerten Niederbayern sind mir alles andere als fremd.

Fehlen Ihnen denn manche Sachen aus der Heimat auch, jetzt wo Sie in Berlin wohnen? 

Daniel Christensen: Ja Kleinigkeiten. Brezen können sie nicht in Berlin. Einen gescheiten Himmel kriegen sie auch nicht zusammen. Und es ist auf märkischem Sandboden errichtet, dadurch sind die Farben eher fahl. Das satte Grün in Bayern ist schon was anderes. Der weißblaue Himmel, der ist in Bayern besonders. Und die Seen. Mit den Seen in Berlin kannst du mich schwer beeindrucken, weil ich in der bayerischen Seenlandschaft groß geworden bin.

Fließen Ihre eigenen Jugenderfahrungen in die Rolle des Flötzingers ein? 

Daniel Christensen: Auf jeden Fall. Ich selber war auf der Hauptschule und hab danach eine Schreinerlehre begonnen, die ich für die Schauspielschule abgebrochen habe. Hier gab es schon so richtige Originale. Die 19 Jahre, die ich da unten gewohnt hab, sind diese mir tagtäglich im Zusammenleben begegnet. Sicher ist der Flötzinger auch hieraus ein Stück weit hervorgegangen.

Der Flötzinger im Krimi unterscheidet sich ja sehr von Ihrer Version. Woran liegt das? 

Daniel Christensen: Das ist der großartige Ed Herzog, der unkonventionell besetzen will. Die Romanfigur war ja zu Beginn der Reihe locker zehn Jahre älter als ich und beschrieben als ein Brackl von Kerl, mit riesigen Quadratlatschen. Ed Herzog hatte eine andere Vision, die sich von der Vorlage deutlich unterschieden hat. Mittlerweile sagt Rita Falk allerdings, dass sie uns Filmfiguren beim Schreiben vor Augen hat. Das finde ich sehr witzig.

Die Dynamik der Figuren im Film wirkt oft sehr authentisch kumpelhaft. Ich denke gerade an die Szenen im Wirtshaus. Wie viel davon ist Drehbuch, wie viel ist spontan? 

Daniel Christensen: Da ist vieles improvisiert eigentlich. Das funktioniert weil Stephan Zinner zum Beispiel aus Trostberg ist, Sebastian Bezzel aus Garmisch und ich aus Burghausen. Wir kennen alle das Bayerische Landleben. Uns kannst du an so einen Wirtshaustisch setzen und dann läuft das. Jeder bringt eigene Qualitäten und Geschichten aus der persönlichen Provinzerfahrung mit rein. Da ist keiner gschamig. Der Regisseur hält einfach die Kamera drauf und sagt "Macht mal Jungs“.

Kommt man da mal unter Druck, dass einem grad in dem Moment nichts einfällt? 

Daniel Christensen: Nein, man hat ja ziemlich schlagfertige Partner. Und es sind auch alle in den Figuren so drin, dass man blitzschnell reagieren kann. Wir haben auch die Beziehungen unter einander geklärt. Wir haben geklärt, ob die Figuren zusammen zur Schule gegangen sind und wie zum Beispiel der Flötzinger seine Mary kennen gelernt hat. Das haben wir uns alles ersponnen. Diese Geschichten kennt kein Mensch, die kennen nur wir.

Wie hat er denn Mary kennen gelernt? 

Daniel Christensen: Im Portugalurlaub. Da waren lauter besoffene Engländer in den Ferien und so hat der Flötzinger seine Mary hoam zarrt, so haben wir uns das vorgestellt.

Macht es eigentlich einen Unterschied ob man einen Film mit so viel Lokalkolorit dreht oder nicht? 

Daniel Christensen: Der große Unterschied besteht für mich darin, dass das Bayerische eine Direktschaltung zum Herz ist. Das wird auch in der Außenwahrnehmung immer so beschrieben. Das ist so auf den Punkt. Das Dialektale ist eine Abkürzung und da kann man gewisse Dinge sagen, die man auf Deutsch nicht sagen kann. Ich habe ja eigentlich mit tragischen bayerischen Figuren angefangen:der verstoßene Bauer, der Antiheld. Mit dem Film „Blei" habe ich gerade zwei Auszeichnungen bekommen. Das ist ein Kriegsfilm, der 1866 spielt. Da geht es um eine ganz düstere Figur, die um ihr Überleben kämpft in den bayerischen Alpen. Auch da ist das bayerische eine Abkürzung zur archaischen Seele.

Gibt es eigentlich eine Verwandtschaft zwischen dem Flötitzinger und der namensverwandten Brauerei? 

Daniel Christensen: Da müsste man jetzt Rita Falk fragen, aber ich denke eher nicht.

Aber in den Filmen wird ja gerne viel und oft Bier getrunken. Bekommen Sie das in Berlin auch? 

Daniel Christensen: Ja und nein. Bekommen tut man es schon. Aber die Berliner stellen zum Großteil ihre Schankanlagen scheiße ein. Biertrinken ist eine kulturelle Fragen und es ist genauso schwierig wie Weintrinken. Es muss richtig gekühlt sein, es müssen die richtigen Gläser sein, die Anlage muss sauber sein, der Druck muss richtig eingestellt sein. Das kriegen sie einfach nicht hin. Brezen können sie nicht, und ihre Schankanlagen kriegen sie aus bayerischer Sicht auch nicht in den Griff.

Ist das Essen für sie denn auch so ein kultureller Marker für lokale Identitäten? 

Daniel Christensen: Ja klar, es ist schon rein optisch was anderes, einen Schweinsbraten in einem bayerischen Biergarten zu essen, oder in einer Berliner Kneipe. Das ist nicht dasselbe.

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