Interview zum neuen Eberhofer-Krimi "Leberkäsjunkie"

Lisa Maria Potthoff zu ihrer Rolle als Susi und warum sie den Chiemgau so liebt

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München - Beim Interviewtermin mit Schauspielerin und Wahlberlinerin Lisa Maria Potthoff sprachen wir über den neuen Eberhofer-Krimi "Leberkäsjunkie" und ihre Wurzeln in Bayern.

Ganz Bayern ist derzeit im "Leberkäsjunkie"-Fieber. Der sechste Teil der Eberhofer-Krimi-Reihe läuft seit dem 1. August im Kino. Auch wieder mit dabei ist Susi, Franz Eberhofers On-Off-Exfreundin und Mutter seines Sohnes Paul. Im Interview mit rosenheim24.de verrät Darstellerin Lisa Maria Potthoff von ihrer Jugend in Bayern, wie sich Susi entwickelt hat und warum der Chiemgau ihr Lieblingsort in Bayern ist.

Die Susi hast du ja jetzt schon zum wiederholten Male gespielt. Wächst einem die Figur ans Herz, wenn man sie so oft portraitiert?

Lisa Maria Potthoff: Ja sehr. Die Zuschauer unserer Reihe mögen die Figur auch und diese Bindung rührt mich. „Susi“ bedeutet den Menschen etwas und das wiederum macht mir bewusst, welche Verantwortung das auch für mich ist.

Susi ist ja auch eine ganz spezielle Frau, die im Kontrast steht zu vielen von deinen anderen Rollen. Was macht denn diese Frau zu etwas so Besonderem?

Lisa Maria Potthoff: Sie ist eine Provinzdiva. Zwar bin ich in einem Vorort von München groß geworden, das heißt, ich hatte immer noch die Anbindung an eine Großstadt, aber dieses Dorfleben mit seinen Strukturen und Ritualen kann ich mir ganz gut vorstellen. Die Susi ist in jedem Fall eine Figur, mit der ich viel anfangen kann.

Inzwischen lebst du ja schon länger wieder in Berlin. Fehlt dir denn die Heimat manchmal?

Lisa Maria Potthoff: Ja total. Ich lebe sehr gerne in Berlin und habe auch nicht vor aus Berlin wegzuziehen, weil meine Kinder da verwurzelt sind und wir da ein wirklich wunderschönes Haus haben. Aber mir fehlt Bayern oft – die Art, wie man in Bayern lebt und die Berge. Ich bin ein totaler Bergfan, im Sommer wie im Winter. Mir fehlt dieser bayerische Sinn für die schöne Lebensart - das ist in Berlin teilweise noch nicht in dieser Weise angekommen. Wenn ich in Berlin einen Ausflug mache, fahre ich nach Brandenburg. Das ist wunderschön, aber ich muss kucken, wo wir was essen gehen können. In Bayern kann ich in jeder kleinen Dorfgemeinde in den „Alten Wirt“ gehen, der Schweinsbraten wird im besten Falle super sein, im schlimmsten Falle ok. Das ist Bayern bzw. Oberbayern - was meine Heimat ist. Da geht mir das Herz auf.

Du hast grade schon die Berge angesprochen. Gibt es da eine Lieblingsecke in Bayern, die du besonders liebst?Lisa Maria Potthoff: Konkret mag ich besonders den Chiemgau und das bayerische Oberland, das Voralpenland. Wir haben gerade Sommerferien und ich habe mit den Kindern eine Woche im Chiemgau auf dem Bauernhof verbracht. Wir waren im Chiemsee schwimmen, meine Tochter ist geritten, es war wunderschön.

Wie ist das denn mit Dialekten? Susi spricht Bayerisch, du selbst im Alltag eher nicht.

Lisa Maria Potthoff: Mein leichtes Münchnerisch wurde mir in der Sprecherziehung auf der Schauspielschule abtrainiert.

Du bist ja Oberbayerin, die Eberhoferkrimis spielen in Niederbayern. Macht das einen Unterschied für dich?

Lisa Maria Potthoff: Es ist und bleibt Bayern. Aber klar: ich komme aus dem pittoresken Oberbayern, das merke ich schon. Das ist ein anderes Gemüt, aber das finde ich an den Filmen auch schön. Der Norddeutsche verbindet mit Bayern gemeinhin Oberbayern, die wunderschönen Bauernhöfe und Geranien. Aber wir erzählen ein Bayern, das ein bisschen roher ist, schlichter, wo auch die dort lebenden Charaktere noch ein bisschen knarziger sind.

Fließen denn deine eigenen Erfahrungen mit dem Landleben in Bayern mit ein in die Figur der Susi?

Lisa Maria Potthoff: Klar, charakterlich sollte man immer versuchen sich das zu eigen zu machen, sonst wird es unglaubhaft. Als wir zum ersten Film ihre Figur angelegt haben, haben wir überlegt, wie wir sie kostümtechnisch anlegen. Susi ist nicht stillos, aber ich kenne mich selber noch, wie ich damals war. Susi hat Mut zur Farbe, sie steht dazu, Hintern zu zeigen, da blitzt mal der Bauch durch, da schaut Mal der String raus. Sie ist nicht die kühle Französin, sondern eine, die auch im Wirtshaus feiern geht. Das war mir wichtig. So mag ich sie.

Macht es denn einen Unterschied ob man einen Film dreht, der so viel Lokalkolorit hat, im Vergleich zu anderen Projekten?

Lisa Maria Potthoff: Es ist ähnlich, in dem Sinne, dass ich die Arbeit ernst nehme. Dialektisch zu arbeiten, besonders beim Bayerischen, ist etwas Besonderes. Wenn man einer Figur einen Dialekt schenkt, ist sie gleich viel eher eine Figur. Susi wäre nie Susi, wenn sie Hochdeutsch sprechen würde.

Du hast ja selbst auch zwei Kinder, Susi inzwischen auch eins. Verbindet euch das?

Lisa Maria Potthoff: Susi ist reifer geworden. Sie ist kein schnatterndes, ewig beleidigtes Dorfmädel mehr, sondern sie ist eine Frau, die sehen muss, wie sie jetzt z.B. mit dem Patchwork-System zurechtkommt.

Wie sehr fühlst du dich denn alles in allem noch als Bayerin? Ist das noch Heimat?

Lisa Maria Potthoff: Ja total. Ich bin Bayer mit Migrationshintergrund, sozusagen. München Land ist meine Heimat geblieben. Berlin ist ein schönes Zuhause. Aber wenn ich im Landeanflug auf München bin, dann ist das etwas anderes, das hat eine andere emotionale Wucht. Auch wenn ich vom Flugzeug aus auf die Alpen sehe, ist das so. Das wird die Ostsee nie schaffen. Das macht etwas mit mir.

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