Ein Angriff auf bayerisches Kulturgut?

Illegales Glücksspiel: Veranstalter von Watt-Turnier angezeigt!

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München/Regenstauf - "Watten" ist wohl nach dem "Schafkopfen" das berühmteste Kartenspiel in Bayern. Vielerorts werden Turniere ausgetragen - auch mit Geldpreisen für die Sieger. Doch ein Veranstalter in der Oberpfalz fiel nun aus allen Wolken, als er von einer anonymen Anzeige gegen ihn erfuhr! Auswirkungen hat dies auf ganz Bayern.

Wie unser Partnerportal tz.de berichtet, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft nun tatsächlich gegen Christian Teufel, Vorstand des FC Laub, einem kleinen Verein bei Regenstauf in der Oberpfalz. Der Mann organisiert seit Jahrzehnten die Watt-Turniere für den Verein. Der Vorwurf in der anonymen Anzeige lautet "Werbung für illegales Glücksspiel".

Der Knackpunkt der Geschichte: Für die Gewinner des Turniers waren Geldpreise ausgeschrieben worden, die aus dem Startgeld aller Teilnehmer finanziert werden sollten. Doch um Geld zu spielen, ist beim Watten nicht gestattet. Außerdem kann das Traditionsspiel als "illegales Glücksspiel" gewertet werden, da im Gegensatz zum Strategiespiel "Schafkopfen" nicht alle Karten ausgegeben werden und der "Glücksfaktor" somit eine Rolle spielen kann. Außerdem gibt es das sogenannte "Ausschaffen", das ähnlich wie beim Pokern zum "Bluffen" eingesetzt werden könne, hieß es weiter.

Teufel selbst konnte es nicht fassen, als er durch einen Anruf der Polizei von der Anzeige gegen ihn erfahren hat. "Watten ist urbayerisches Kulturgut." Die anonyme Anzeige kann er sich nur durch Neid oder eine „zwischenmenschliche Angelegenheit" erklären. Wer dahinter steckt, ist bis dato unklar.

Polizei und Staatsanwaltschaft kleinlaut

Bei Polizei und Staatsanwaltschaft gab man sich auf Anfrage der tz eher kleinlaut. Es wirkte fast so, als sei den Behörden die Angelegenheit fast ein wenig peinlich. "Wir haben die Verpflichtung, dem nachzugehen. Die Vorschriften sind nun einmal so", sagte ein Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft ergänzte gegenüber der tz: "Wir wollen gelebtes Brauchtum nicht kriminalisieren." Aber ob die Ermittlungen eingestellt werden können, ist derzeit noch nicht geklärt. Die Regenstaufer Polizei riet den Lauber Wattern darum, Sach- statt Geldpreise auszuloben und das Startgeld in einen Unkostenbeitrag umzutaufen.

Auswirkungen hat der Fall aus Laub auf ganz Bayern: Veranstalter von Watt-Turnieren haben ihre Einladungen aus sozialen Medien gelöscht, Plakate eingestampft und Preise umgeplant. "Das Spiel stirbt ja eh schon fast aus", klagte ein Veranstalter der Zeitung. Doch wenn die Staatsanwaltschaft mitspielt, wird den meisten Ausrichtern die Sache zu heiß...

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa (Symbolbild)

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