Mutter und Tochter seit Juli 2019 vermisst

Angeklagter bestreitet Vorwürfe: Glaube, dass sie noch leben

Im Juli 2019 verschwinden in München eine Mutter und ihre Tochter spurlos. Die Polizei sucht wochenlang ohne Erfolg. Bald kommt der Verdacht auf, der Ehemann habe Frau und Stieftochter umgebracht.
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Im Juli 2019 verschwinden in München eine Mutter und ihre Tochter spurlos. Die Polizei sucht wochenlang ohne Erfolg. Bald kommt der Verdacht auf, der Ehemann habe Frau und Stieftochter umgebracht.

München - In einem Aufsehen erregenden Vermisstenfall steht ein Mann in München vor Gericht, weil er seine Frau und seine Stieftochter getötet haben soll. Zum Prozessauftakt am Montag präsentiert der Angeklagte allerdings seine eigene Version.

Update, 12.32 Uhr - Angeklagter: „Das, was mir vorgeworfen wird, dazu habe ich überhaupt keinen Bezug“

Er soll seine Frau umgebracht, seine Stieftochter ermordet und die Leichen der Beiden versteckt haben. Zum Auftakt im Mordprozess um einen Aufsehen erregenden Münchner Vermisstenfall hat der Angeklagte am Montag alle Vorwürfe gegen ihn bestritten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Frau im Juli vergangenen Jahres im Streit getötet und danach auch seine Stieftochter umgebracht zu haben, um die Tat zu verschleiern. Von den Frauen fehlt seit dem 13. Juli 2019 jede Spur. Der Mann ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt.

Der 45-Jährige bestreitet vor Gericht, mit dem Verschwinden der „Mädchen“, wie er Frau und Stieftochter nennt, etwas zu tun zu haben. „Das, was mir vorgeworfen wird, dazu habe ich überhaupt keinen Bezug“, sagt er - mit Hilfe eines Dolmetschers. „Außerdem gehe ich davon aus, dass die Mädchen immer noch leben – zumindest meine Frau.“ Die Gründe für diese Annahme will er allerdings nicht nennen - nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil „sonst eine Bedrohung für die beiden Frauen“ entstehen könne. Das Gericht lehnt das ab. Für den Ausschluss der Öffentlichkeit sieht Richter Norbert Riedmann keine Grundlage.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Deutsch-Russe die beiden Frauen nacheinander „am ehesten durch massive, stumpfe Gewalt gegen den Kopf“ getötet hat. Danach fuhr er laut Anklage in einen Baumarkt, kaufte Farbe und strich zwei Wände im Flur und im Wohnzimmer. Außerdem entfernte er - so sieht es die Anklagebehörde - einen Wohnzimmerteppich und eine Fußmatte aus dem Flur. Diese fand die Polizei später - mit dem Blut der beiden mutmaßlichen Opfer verschmiert - in einem Waldstück. Es sind die Haupt-Indizien in dem Mordprozess ohne Leiche.

Für die Blutspuren präsentiert der Angeklagte seine eigene Version: Mutter und Tochter hätten am Tag ihres Verschwindens so heftig gestritten, dass sie sich gegenseitig blutige Wunden zugefügt hätten. Seine Frau habe „auf dem Hinterkopf eine blutende Beule“ gehabt, die Tochter eine blutige Nase. Die Tochter habe die Mutter gewürgt. Beide seien kaum ansprechbar gewesen, darum wisse er nicht, was los gewesen sei. „Sie befand sich in einem depressiven Zustand, sie hatte Blutspuren an sich und ich war gezwungen, sie kalt abzuduschen, damit sie wieder zu sich kam“, sagt er über seine Frau.

Danach seien Mutter und Tochter dann zusammen weggegangen - zum Ex-Partner und leiblichen Vater vielleicht, wie er angenommen habe. Er habe dann das Blut weggewischt, Wäsche gewaschen („weil ich weiß, dass frisches Blut sich leichter wegwaschen lässt als getrocknetes“) und die Wände gestrichen. Auch Teppich und Fußmatte habe er entsorgt, weil es nicht möglich gewesen sei, sie zu reinigen. Als Grund dafür, dass er sie nicht in die Mülltonne, sondern ins Unterholz warf, gab er Mülltrennung an. Er habe „jetzt erst begriffen, dass er die Teppiche in den Restmüll hätte werfen können“.

Bei der Polizei, wo er die Beiden im vergangenen Jahr als vermisst gemeldet hatte, hatte der Mann angegeben, die Stimmung zwischen den Beiden sei gut, Mutter und Tochter auf dem Weg zum gemeinsamen Shoppen gewesen, bevor ihre Spur sich verlor. Als Grund für die frisch gestrichenen Wände hatte er damals angegeben, sie seien dreckig gewesen. Ermittler fanden dann allerdings Blutspuren unter der weißen Farbe.

Seine Situation habe sich seitdem geändert, erklärt der Angeklagte die offensichtlichen Widersprüche. Damals bei der Polizei sei er noch davon ausgegangen, „dass die Frauen nach ein paar Tagen oder nach einer Woche zurückkehren und dann alles selbst erklären können“, sagt er. „Jetzt ist es offensichtlich, dass die Situation nicht mehr so aussieht.“ Richter Riedmann sagt dazu: „Etwas provokant müsste man fragen, ob die andere Situation darauf beruht, was in den Akten als Ermittlungsergebnis steht.“

Vorbericht

Am Landgericht München I beginnt am Montag (9 Uhr) ein Mordprozess um das spurlose Verschwinden einer Frau und ihrer Tochter vor mehr als einem Jahr. Die Staatsanwaltschaft macht den Ehemann der Frau und den Stiefvater des damals 16 Jahre alten Mädchens für das Verschwinden der beiden verantwortlich. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Deutsch-Russe zuerst im Streit seine Frau tötete und danach die Tochter ermordete, um die Tat zu verschleiern. Er ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt.

Ehefrau und Stieftochter nach Streit umgebracht?

Von der damals 41 Jahre alten Frau und ihrer Tochter fehlt seit dem 13. Juli 2019 jede Spur. Der Ehemann und Stiefvater hatte die beiden Frauen zunächst als vermisst gemeldet. Seinen Angaben zufolge sollen sie gemeinsam ihre Wohnung im Münchner Stadtteil Ramersdorf-Perlach verlassen haben, um in einem nahe gelegenen Einkaufszentrum shoppen zu gehen. Seit diesem Tag wurden sie nicht mehr gesehen, sie meldeten sich auch nicht bei Freunden und Angehörigen. Ihre Handys waren ausgeschaltet.

Leichen bis heute nicht gefunden

Kurze Zeit später geriet der heute 45-Jährige unter Verdacht, seine Frau und seine Stieftochter umgebracht zu haben. Die Polizei durchsuchte den Truderinger Forst nach Leichen. Auch Polizeitaucher waren im Einsatz und suchten in einem Baggersee. Ein mit einer Wärmebildkamera ausgerüsteter Polizeihubschrauber beteiligte sich ebenfalls an der Aktion - ohne Erfolg. Die Leichen der beiden wurden bis heute nicht gefunden. Bei den Suchaktionen entdeckten Polizisten aber eine Fußmatte und einen Teppich mit Blutspuren.

Das Landgericht München I hat 27 Verhandlungstage angesetzt, das Urteil könnte dann Anfang März 2021 fallen.

mh/dpa

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