Versuchter Mord in drei Fällen in München

Pfleger bringt Menschen in Lebensgefahr, um sich als „Lebensretter“ zu zeigen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Pfleger eines Münchener Krankenhauses wegen versuchten Mords
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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Pfleger eines Münchener Krankenhauses wegen versuchten Mords

München - Wegen mehrfachen versuchten Tötungsdelikten ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen einen Pfleger aus einem Münchner Krankenhaus. Die Polizei äußert sich dazu in einer Pressekonferenz.

Update, 12.45 Uhr - Pressemitteilung der Polizei München

Der 24-jährige Tatverdächtige ist seit dem 1. Juli 2020 als Krankenpfleger in einem Münchner Krankenhaus tätig. Er war für die Überwachung von nicht mehr intensivpflichtigen Patienten in einem sogenannten Wachraum zuständig. Hierbei handelt es sich um Patienten, die unter ständiger Aufsicht eines Pflegers und mit Hilfe technischer Überwachungsgeräte beobachtet werden. Diese müssen medizinisch eng betreut werden, bevor sie auf Normalstationen verlegt oder weiterführende Rehabilitationsmaßnahmen bei diesen eingeleitet werden.

Am Vormittag des 7. November verschlechterte sich unerwartet in diesem Wachraum der Gesundheitszustand eines 91-jährigen und einer 54-jährigen Patientin. Beide konnten nur durch die sofortige Einleitung von intensivmedizinischen Maßnahmen gerettet werden.

Ein aufmerksamer Oberarzt veranlasste daraufhin weiterführende Blutuntersuchungen und stellte fest, dass den Patienten eine hohe Dosis nicht verordneter Medikamente verabreicht worden waren. Diese waren in den konkreten Fällen lebensgefährlich. Ebenso erinnerte er sich an einen ähnlich gelagerten Vorfall vom 25. Oktober, bei dem sich der Gesundheitszustand eines 90-jährigen Patienten plötzlich verschlechtert hatte. Auch hier erbrachte eine Blutuntersuchung einen identischen Befund.

Bei allen drei Patienten war der 24-jährige Tatverdächtige im relevanten Zeitraum als ständig anwesender Pfleger eingesetzt gewesen. Dieser Verdacht wurde am Sonntag, 8. November, bei der Polizei zur Anzeige gebracht und der Tatverdächtige wurde von Seiten der Klinik nicht mehr zum Dienst eingeteilt.

Pressemitteilung Polizeipräsidium München

Update, 12.12 Uhr - Patienten auf der Wachstation wurden Opfer des Pflegers

Der 24-jährige Pfleger, der in drei Fällen wegen versuchten Mordes angeklagt ist, hat nach aktuellem Ermittlungsstand seine Opfer auf der Wachstation des Klinikums gefunden. Auf der Wachstation werden Patienten behandelt, welche nicht mehr intensivmedizinisch betreut werden müssen, aber dennoch von spezieller Zuwendung abhängig sind. Seit dem 1. Juli 2020 ist der Beschuldigte in dem Krankenhaus tätig.

Am Samstag den 7. November verschlechterte sich der Gesundheitszustand bei einem 91-Jährigen und einer 54-Jährigen drastisch. Der Pfleger war während dieser Zeit permanent in dem Raum zuständig. Die Patienten mussten in Folge einer intensivmedizinischen Versorgung zugeführt werden. Ein aufmerksamer Oberarzt wurde skeptisch und erinnerte sich an einen ähnlichen Fall vom 25. Oktober, bei dem der beschuldigte Pfleger ebenfalls im Dienst war, als sich der Gesundheitszustand eines 90-Jährigen unter gleichen Umständen plötzlich und unerwartet drastisch verschlechterte.

Der Oberarzt ordnete bei allen Fällen eine Blutuntersuchung an. Bei den Untersuchungen wurde jeweils festgestellt, dass Medikamente verabreicht wurden, welche nicht verordnet waren und in Überdosis vorlagen. Dies wurde umgehend der Klinikleitung mitgeteilt und daraufhin die Polizei verständigt und teilten den Pfleger nicht mehr zum Dienst ein.

Update, 11.54 Uhr - Pfleger soll versucht haben, sich als „Retter“ zu inszenieren

Anne Leiding spricht in der Pressekonferenz von den Motiven, welche die Einordnung als versuchten Mord in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung erklären. Aus den Chatverläufen des Pflegers soll hervorgegangen sein, dass sich dieser als „Lebensretter“ inszenieren wollte. Daraus gehen die niederen Beweggründe hervor, welche ein Merkmal von Mord sind.

Diese Inszenierung soll nach aktuellem Ermittlungsstand dazu gedient haben, dass sich der Angeklagte als derjenige darstellen konnte, der direkt und schnell eingreifen konnte. Er brachte die Patienten mutmaßlich absichtlich in kritische Gesundheitszustände, um mit sofortigen Reanimationsversuchen vor seinen Mitmenschen zu glänzen.

Josef Wimmer, Leiter der Münchener Mordkommission, betont die vorbildliche Reaktion der Klinik. Dass die Klinikleitung sofort verständigt wurde und in Folge auch die Polizei informiert wurde sei bemerkenswert und förderte die schnelle Reaktion der Polizei. So konnte der Pfleger gleich am Montag festgenommen werden.

Update, 11.42 Uhr - Anzeige am Sonntag, den 8. November, gemacht - Festnahme des Pflegers noch am nächsten Tag

Am Sonntag den 8. November, so der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, wurde zur Anzeige gebracht, dass der Verdacht im Raum steht, dass der Pfleger nicht verordnete Medikamente verabreicht hätte. Dies habe zu einer Verschlechterung der betroffenen Patienten geführt.

Bereits am darauf folgenden Montag hat die Staatsanwaltschaft I die Ermittlungen übernommen und ebenfalls am selben Tag zur Verhaftung des verdächtigten Pflegers geführt. In einer ersten Vernehmung stritt dieser jedoch alle Vorwürfe ab.

Update, 11.30 - Pressekonferenz der Polizei startet in Kürze

Nachdem gegen einen Pfleger eines Münchener Krankenhauses wegen mehrfacher Tötungsdelikte ermittelt wird, teilt die Polizei München heute Details mit. Wir berichten live im Ticker. Parallel kann die Pressekonferenz im Livestream mitverfolgt werden.

Erstmeldung:

Mehrfacher versuchter Mord ist es wohl, was dem Pfleger eines Münchener Krankenhauses vorgeworfen wird. Die Oberstaatsanwältin Anne Leiding und der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, wollen dazu am Vormittag eine Pressekonferenz geben. Weitere Details werden derzeit noch nicht genannt.

mda

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