Polizei München ruft zur Vorsicht auf

Tödliches Gift in Getränkeflaschen: Stoff wurde analysiert - Gibt es weitere Opfer?

München - Die Polizei warnt die Bevölkerung vor vergifteten Erfrischungsgetränken in Supermärkten. Die Ermittlungen wegen versuchten Mordes laufen bereits. 

Update, 16.45 Uhr: 28 weitere Personen meldeten sich - Giftstoff ist analysiert

Wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums München auf Anfrage informiert, liegt der toxikologische Befund des Gifts nun vor. Um welches Gift es sich handle, werde vorläufig aber noch nicht bekanntgegeben - dies habe zum einen ermittlungstaktische Gründe, da es sich um Täterwissen handle. Zum anderen will die Polizei verhindern, dass Nachahmungstäter auf den Plan gerufen werden. 

Insgesamt hätten sich inzwischen 28 weitere Personen gemeldet, welche möglicherweise vergiftete Getränke konsumiert hätten. Die gemeldeten Fälle stammten aus München und der Münchner Umgebung. Die Soko Tox ermittle diesbezüglich bereits. Da manche der Personen auch noch Bestände der eingekauften Getränke lagernd hätten, erhoffe man sich weitere Rückschlüsse für die laufenden Ermittlungen. 

Eine heiße Spur oder Hinweise zur Täterschaft gebe es bislang jedenfalls noch nicht. Zudem habe sich noch niemand zu der Tat bekannt, die Hintergründe sind also weiter unklar. 

Update, Mittwoch (3. Juni): Vergiftete Getränkeflaschen in München: Polizei analysiert Giftstoff

Nach den Funden mehrerer Getränkeflaschen mit tödlichem Gift in Münchner Supermärkten versuchen die Ermittler weiter, die genaue Substanz zu analysieren. Die Sonderkommission Tox führe in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalität Tests durch, um Details zu dem Giftstoff zu erhalten, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch gegenüber der dpa.

Im März und April waren in zwei Münchner Supermärkten insgesamt vier Fälle bekannt geworden. Dreimal hatten Kunden in kleinen Mengen aus den vergifteten Flaschen getrunken und anschließend über Übelkeit, Schwindel und Kreislaufbeschwerden geklagt. Zwei Frauen im Alter von 34 und 42 Jahren mussten sofort medizinisch behandelt werden.

Auch in einer vierten - noch nicht verkauften - Flasche fanden die Ermittler Gift. Den Erkenntnissen nach sind die Flaschen geöffnet und mit einem Lösungsmittel aufgefüllt worden.

Weitere Opfer hätten sich noch nicht gemeldet, sagte der Polizeisprecher weiter. Auch eine konkrete Spur verfolgen die Beamten laut dpa noch nicht. "Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen."

Erstmeldung Dienstag (2. Juni): Polizei München warnt vor Gift in Getränkeflaschen

Im Zeitraum der Monate März und April 2020 kam es insgesamt zu bislang vier bekannt gewordenen Vorfällen in zwei Lebensmittelmärkten unterschiedlicher Handelsketten im Münchener Westen.

Durch einen bisher unbekannten Täter wurde hierbei in Flaschen mit Erfrischungsgetränken eine tödlich wirkende Dosis von toxischen Stoffen (aus der Gruppe der Lösungsmittel) beigebracht.

Diese manipulierten Getränkeflaschen wurden anschließend in den Verkaufsregalen der Geschäfte platziert. In drei Fällen wurden diese Flaschen durch Kunden erworben und in jeweils geringer Menge konsumiert.

Alle drei hierbei betroffenen Personen (eine 34-jährige. eine 42-jährige Frau und ein 48-jähriger Mann, alle aus München) klagten nach dem Konsum über Schwindel, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden. Eine sofortige medizinische Behandlung war bei den zwei Frauen notwendig.

Im Rahmen der anschließend durchgeführten Ermittlungen ergaben sich erst die Tatzusammenhänge. Die vorhandene Gefährlichkeit wurde erst aufgrund der umfangreichen Untersuchungen und Analysen bekannt. Die Nachforschungen ergaben weiterhin, dass eine vierte Flasche noch vor dem Verkauf als entsprechend manipuliert festgestellt werden konnte.

Die Ermittlungen wurden aufgrund der aktuellen Erkenntnisse vom Kommissariat 11 der Münchner Polizei übernommen. Der Tatvorwurf lautet auf versuchten Mord. Es wurde in diesem Zusammenhang die SOKO Tox gegründet.

Die Motivlage des Täters ist bislang ungeklärt. Zu irgendwelchen Forderungen kam es bisher nicht. Es wird um Verständnis gebeten, dass aufgrund der umfangreichen hier noch zu tätigen Ermittlungen momentan keine weiteren Erkenntnisse an die Öffentlichkeit gegeben werden können.

Warnmeldung:

Es wird dringend empfohlen beim Kauf von Getränkeflaschen mit Schraubverschluss auf die Unversehrtheit des Sicherungsrings zu achten. Teilweise waren an den bisher festgestellten vier Flaschen sichtbare Verunreinigungen feststellbar.

Bereits beim Öffnen einer Flasche kann hier unter Umständen ein auffälliger Geruch wahrgenommen werden. Der Geschmack wurde von den bisher betroffenen Personen als bitter und künstlich- chemisch beschrieben. Bei einer entsprechend verdächtigen Flasche sollte die Substanz nicht entsorgt werden, sondern umgehend der Notruf der Polizei, die 110, verständigt werden.

Zeugenaufruf:

Gab es ähnliche Vorfälle seit März 2020, bei denen manipulierte Flaschen erworben wurden oder bei denen es im Zusammenhang mit dem Konsum zu den beschriebenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kam? Personen, die hierzu sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich umgehend mit dem zuständigen Kommissariat 11, SOKO Tox, Telefon 089/2910-0 oder auch mit jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

mh/Pressemitteilung Polizeipräsidium München

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