Starnberger in München vor Gericht

Angeklagter in Prozess um hundertfachen Missbrauch: "Hasse Gewalt"

München/Starnberg - Hundertfacher Missbrauch, jahrelang. Die Opfer: Kinder, die zu Beginn der Taten erst fünf Jahre alt waren. In einem erschreckenden Prozess gegen einen Großvater zeigt sich auf erschütternde Weise, wie Geschichte sich möglicherweise wiederholen kann.

In einem Prozess um hundertfachen schweren sexuellen Missbrauch an kleinen Kindern hat der Angeklagte vor dem Landgericht München II betont, er habe die Kinder nie zu etwas gezwungen. "Ich hasse Gewalt", sagte er. "Ich habe auch die Kinder niemals geschlagen und niemals zu irgendwas gezwungen. Das ist eine freie Erfindung."


Laut Staatsanwaltschaft soll der 56 Jahre alte Mann aus dem oberbayerische Seefeld (Landkreis Starnberg) über einen Zeitraum von 15 Jahren seine kleinen Stiefenkel und deren Freunde massiv sexuell missbraucht haben. Ihm wird auch Vergewaltigung vorgeworfen. Als die Taten begonnen haben sollen, waren die jüngsten Kinder erst fünf Jahre alt.

Die Staatsanwaltschaft listet mehr als 700 Fälle auf. Laut Anklage erlitten die Kinder heftige Schmerzen. Einen Jungen soll er nicht nur zu Hause und im Wald, sondern auch in einer Kirche missbraucht haben. Wenn sein Stiefenkel nicht mitmachen wollte, habe er ihm gedroht, das Lieblingskuscheltier wegzunehmen, ihn zwei Tage in sein Zimmer einzusperren oder seiner Mutter wehzutun.


Der Angeklagte berief sich auf Erinnerungslücken. Er wolle aussagen - "so gut ich mich erinnern kann". Aus Sicht seiner Anwältin bestehen Zweifel daran, ob er verhandlungsfähig ist. Außerdem sei er ein Hochrisikopatient. Wegen des grassierenden Coronavirus erschien der 56-Jährige mit Atemschutzmaske vor Gericht.

dpa

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