Skandal-Video: Kontrolle in München eskaliert

DB-Mitarbeiter schleifen Schwarzfahrer aus S-Bahn: Das sagt die Polizei

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München - Die Journalistin Natalija Miletic war schockiert darüber, was sich am Dienstagmittag direkt vor ihren Augen in einer S-Bahn am Haltepunkt Leuchtenbergring abspielte.

UPDATE, 14.20 Uhr: Das sagt die Polizei dazu

Die Bundespolizei München ermittelt inzwischen in dem Fall, wie unser Partnerportal tz.de berichtet. "Was genau passiert ist, ist noch nicht abschließend geklärt", äußerte eine Sprecherin der Polizei gegenüber tz.de.

Bisher sei bekannt, dass Sicherheitsleute den Mann am Dienstag gegen 11.05 Uhr in der S8 Richtung Hauptbahnhof kontrolliert haben. Der Nigerianer (48) konnte wohl keinen Fahrschein vorweisen, woraufhin die die DB-Beamten den Mann "unter Einsatz körperlicher Gewalt" am Bahnhof Leuchtenbergring aus der Bahn gebracht haben. 

Um weitere Details zu erfahren, sucht die Bundespolizei nun Zeugen. Wer Hinweise zu dem Vorfall geben kann, wird gebeten, sich bei der Münchner Bundespolizei unter Telefon (089) 5 15 55 01 11 zu melden.

So erlebte Journalistin Natalija Miletic den Vorfall:

Zwei Sicherheitsmänner der Deutschen Bahn seien in die S-Bahn eingestiegen, die vom Flughafen Richtung Münchner Innenstadt unterwegs war. Bei der folgenden Ticketkontrolle konnte ein Passagier wohl keinen gültigen Fahrschein vorweisen. Zudem habe er sich geweigert, seine Personalien anzugeben. So hätten die Beamten die Konsequenz gezogen: Offenbar nahmen sie ihm das bisschen Kleingeld - neun Euro - ab, das er bei sich trug und verrechneten es mit den 60 Euro Bußgeld, die Schwarzfahrer in München zahlen.

Damit noch nicht genug, denn die Weiterfahrt war für den Mann beendet. Wie im Video zu sehen packten ihn die Kontrolleure, nahmen ihn  in den Schwitzkasten und zerrten ihn mit Gewalt aus dem Zug. Der Reisende klammerte sich mit Händen und Füßen an einer Trennwand fest. Auf dem Bahnsteig drückten die DB-Mitarbeiter den Mann dann mit dem Gesicht auf den Boden. Miletic sei entsetzt gewesen, schildert die Szene als "einfach nur brutal". Sie habe versucht einzugreifen und die Sicherheitsmänner zu einer moderateren Vorgehensweise zu bewegen - vergeblich.

So schildert die Deutsche Bahn den Vorfall:

Aus Sicht der Deutschen Bahn habe sich die Szene anders abgespielt: Der Mann habe sich aggressiv verhalten, wollte nicht aussteigen, also sei den Männern nichts weiter übrig geblieben, als "körperlichen Zwang" anzuwenden. Wenn ein Passagier sich nicht ausweisen könne und fliehen wolle, entgegnete ein Bahnmitarbeiter gegenüber der Huffington Post, dann dürften die Mitarbeiter der DB auch Zwang anwenden. 

Es sei außerdem völlig legal, dass DB-Sicherheitsleute die Strafe von 60 Euro sofort einfordern, alternativ kann ein "Strafzettel" ausgestellt und der Betrag zu einem späteren Zeitpunkt bezahlt werden. Unüblich sei es, Teilbeträge zu kassieren, heißt es bei der Bahn weiter, doch sei dem Unternehmen auch nicht bekannt, dass dies hier geschehen sei. 

Weil Miletic die Situation anders beschreibe als die Bahnmitarbeiter, ermittele jetzt die Bundespolizei. Die beiden Sicherheitsleute seien vorerst nicht weiter im Streifendienst beschäftigt.

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