Mordprozess gegen BMW-Fahrer in München

Raser überfährt 14-Jährigen: Max stirbt - Angeklagter muss behandelt werden

Ein beschädigtes Auto und ein Polizeiauto stehen nach einem Unfall auf der Fürstenrieder Straße. Zwei Jugendliche waren von einem Auto angefahren und verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, flüchtete der Fahrer des Wagens nach dem Unfall, konnte aber kurze Zeit später gefasst werden.
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Ein beschädigtes Auto und ein Polizeiauto stehen nach einem Unfall auf der Fürstenrieder Straße. Zwei Jugendliche waren von einem Auto angefahren und verletzt bzw. getötet worden. Wie die Polizei mitteilte, flüchtete der Fahrer des Wagens nach dem Unfall, konnte aber kurze Zeit später gefasst werden. Nun muss sich der Fahrer vor Gericht verantworten.

Ein Autofahrer flieht vor der Polizei, rast in eine Gruppe Jugendlicher, ein 14-Jähriger wird erfasst und stirbt. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Aufsehen erregenden tödlichen Raserunfall in München beginnt der Prozess gegen den Fahrer. Es geht um Mord.

Update, 11.42 Uhr - Angeklagte muss behandelt werden

München - Etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod eines 14-Jährigen bei einem Aufsehen erregenden Raserunfall in München hat am Dienstag der Prozess gegen den Fahrer begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord und Mordversuch vor. Während der Verlesung der Anklage bat die Verteidigung vor dem Landgericht München I um eine Unterbrechung.

„Mir geht’s nicht gut. Ich krieg‘ schlecht Luft“, sagte der 35 Jahre alte Angeklagte. Daraufhin wurde ein Sanitäter gerufen, um den Mann zu behandeln - und die Verhandlung für knapp eine halbe Stunde unterbrochen. Der Angeklagte bekam ein Beruhigungsmittel.

Vorbericht, 8 Uhr - Raserprozess in München beginnt

Etwas mehr als ein Jahr nach dem Tod eines 14 Jahre alten Jugendlichen bei einem schweren Raserunfall in München beginnt am Dienstag (9.30 Uhr) der Prozess gegen den Fahrer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann, der sich nach Behördenangaben in der Tatnacht eine Verfolgungsjagd mit der Polizei lieferte, Mord vor.

Mit 120 km/h durch München gerast - Verfolgungsjagd mit Polizei

Der heute 35-jährige Deutsche aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war am 15. November 2019 um kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle auf der Gegenfahrbahn durch die Stadt gerast. Er ignorierte laut Polizei mehrere rote Ampeln und erfasste - nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit mehr als 120 Kilometern in der Stunde - zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche, die gerade an einer Bushaltestelle die Straße überquerten. Der 14-Jährige wurde 43 Meter weit durch die Luft geschleudert. Er starb. Die damals 16-Jährige wurde schwer verletzt.

Raser überfährt 14-Jährigen: Max stirbt - Jetzt wird der Täter im Gefängnis bedroht

Die Anklage geht davon aus, dass der Mann Kokain genommen und Alkohol getrunken hatte. Danach soll er mit rund Tempo 120 im Gegenverkehr durch die Landeshauptstadt gefahren sein, weil er eigentlich im Zuge von Bewährungsauflagen keine Drogen nehmen durfte - die Polizei ihn aber entdeckt hatte. Er habe in Kauf genommen, „eine nicht vorhersehbare Anzahl von Menschen töten“ zu können, teilte die Behörde zur Anklageerhebung im September des vergangenen Jahres mit - weil es ihm wichtiger gewesen sei, nicht wegen der Drogen ins Gefängnis zu müssen.

Dashcam zeigt Fahrverlauf des Rasers

Obwohl der Airbag bei dem tödlichen Unfall auslöste, fuhr der Mann den Angaben nach zunächst weiter. Dann setzte er seine Flucht zu Fuß fort, bis Polizisten ihn festnehmen konnten. Dabei habe sich der Mann heftig gewehrt. Er saß zunächst in Untersuchungshaft und muss seit Anfang Mai seine widerrufene Bewährungsstrafe absitzen. 

Die Staatsanwaltschaft kommt auf 21 Bände Ermittlungsakten. Die Anklageschrift sei 164 Seiten dick. Sie wirft dem 35-Jährigen auch Gefährdung des Straßenverkehrs, Durchführung eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens sowie tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vor. Die Behörde hatte im September 2020 insgesamt 48 Zeugen benannt sowie 15 Experten.

Zudem hatte eine sogenannte Dashcam in der Frontscheibe eines Zeugen den Fahrverlauf des Rasers ab etwa 26 Sekunden vor der Kollision mit dem Getöteten und der verletzten Jugendlichen aufgezeichnet. Auch lägen Videos der Innenraumüberwachungen zweier Linienbusse vor.

Verurteilung wegen Mordes selten

Tödliche Unfälle, bei denen Autofahrer viel zu schnell unterwegs sind, gibt es immer wieder. Verurteilungen wegen Mordes sind bislang aber selten. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kommt es dabei auf die Umstände des Einzelfalls an.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte am im Juni 2020 den Schuldspruch des Berliner Landgerichts gegen einen zum Tatzeitpunkt 26 Jahre alten Mann. Er lieferte sich im Februar 2016 in der Berliner Innenstadt ein Autorennen mit einem zweiten jüngeren Fahrer. Der Ältere rammte auf der Kreuzung mit 160 bis 170 Kilometern pro Stunde ein Auto, das aus einer Seitenstraße kam. Der 69 Jahre alte Fahrer in dem Jeep, der durch den seitlichen Aufprall 25 Meter durch die Luft geschleudert wurde, hatte keine Überlebenschance, er starb noch am Unfallort.

400 Menschen hielten Mahnwache für toten Max ab

Der Unfall sorgte für Aufsehen und große Trauer in München. Eine Woche danach hielten rund 400 Menschen eine Mahnwache nahe der Unfallstelle ab. Nach dem Unglück geriet zeitweise auch die Polizei in die Kritik. Den Beamten wurde vorgeworfen, den Autofahrer gehetzt und damit den Unfall provoziert zu haben. Die Münchner Polizei wies das zurück.

Das Gericht hat zwölf Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Das Urteil für den Angeklagten könnte demnach am 26. Februar fallen.

mh/dpa

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