Traurige Bilanz einer Hausräumung in Niederbayern

Ekel-Einsatz für Tierretter: "Animal Hoarder" lässt etliche Tiere vertrocknen

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München - Ekliger, aber vor allem auch trauriger Einsatz für die Mitarbeiter der Münchner Reptilienauffangstation in Niederbayern: Für 32 Reptilien, zahlreiche Vögel sowie je drei Frösche und Vogelspinnen kam jede Hilfe zu spät.

Bei der Räumung eines Hauses in Niederbayern entdeckten Tierärztinnen dutzende verendete Vögel, Frösche, Reptilien und Spinnen. Der Einsatz dauerte fast fünf Stunden und verlangte viel von den beiden Tierärztinnen der Münchner Reptilienauffangstation. 

Tote Tiere einfach durch neue ersetzt

In dem einzelstehenden Nebengebäude stand eine Räumung an. Durch die verdeckten Fenster war jedoch nicht zu erkennen, was sich im Inneren verbarg. Das ganze Grauen brachte erst der vergangene Donnerstag ans Tageslicht, dies berichtet die Auffangstation für Reptilien, München e.V. am Dienstag. "In dem großen, mit Vogelkot und Schmutz verunreinigten Raum befanden sich ca. 80 Terrarien und Vogelkäfige in verschiedensten Stadien des Verfalls." Sowohl in als auch vor und zwischen den Terrarien fanden sich Tierleichen – Mumien, Skelette, unkenntliche Fragmente – neben noch lebenden Tieren. Offenbar hatte der überforderte Halter die toten Tiere einfach durch neue ersetzt, ohne die Kadaver zu entfernen.

"Die müssen seit Monaten kein Wasser mehr gesehen haben"

25 lebende Reptilien, eine Vogelspinne, etliche Papageienvögel, Geckos, Königs- und Strumpfbandnattern und südliche Madagaskarboas konnten gerettet werden. „Dass eine Spinne vertrocknet, die ja in der Wüste und dort mit Wassermangel lebt, ist wirklich kaum möglich. Die müssen seit Monaten kein Wasser mehr gesehen haben“, berichtet Tierärztin Tina Hollandt von der Auffangstation für Reptilien. „Die einzige überlebende Vogelspinne hat ihren ersten Tag in der Reptilienauffangstation dann gleich freiwillig im Wasserbad verbracht – für sie war es sicher Rettung in allerletzter Minute.“

Beim Besitzer der Tiere handelt es sich offenbar um einen sogenannter „Animal Hoarder". Der Begriff bezeichnet das krankhafte Sammeln von Tieren. Die Mitarbeiter der Auffangstation hoffen, dass gegen den Halter Strafanzeige erstattet und er zur Verantwortung gezogen wird.

mh

Rubriklistenbild: © Auffangstation für Reptilien, München e.V.

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