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Kündigungswelle durchaus zu befürchten

Vereinigung der Pflegenden in Bayern über prekäre Lage: Aussicht auf ‚Pflexit‘ ist „mehr als beunruhigend“

Coronavirus - Tübingen
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Symbolbild Pflege

Angesichts der schon vor der Pandemie prekären Arbeitsbedingungen in Alten- und Krankenpflege wächst die Angst vor einer Kündigungswelle mitten in der dritten Corona-Welle. Anke Röver, Pressesprecherin der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, spricht gegenüber rosenheim24.de von einer Stimmungslage, die besorgniserregend ist.

München - Erst kürzlich machten die Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf mit einem langen Videobeitrag zur Prime-Time auf den Pflegenotstand aufmerksam. Betitelt mit dem Hashtag #nichtselbstverständlich wurde die Situation in Pflegeberufen unmissverständlich dargelegt. Reicht das aus, um etwas zu verbessern? Angesichts der Stimmungslage werden die Warnungen vor einer Kündigungswelle unter Pflegenden lauter.

„Bayerns Stimme für Pflege“ ist das Motto der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB). Pressesprecherin der VdPB Anke Röver teilt mit, dass die Belastung für das Pflegepersonal merklich angestiegen ist und die Nerven teils blank liegen: „In unseren (Online-)Veranstaltungen und auch in Gesprächen mit unseren Mitgliedern stellen wir häufiger fest, dass viele beruflich Pflegende durch die Pandemie erschöpft sind. Zum Teil durch die deutlich höhere Arbeitsbelastung und die noch schlechter gewordenen Rahmenbedingungen, zum Teil aber auch durch die Verwirrung, welche Verordnung, welche Vorschrift gerade gilt.“

Mehr Belastung, mehr Tote, weniger Personal

Es macht sich das Gefühl breit, dass der eigene Berufsstand nicht ausreichend beachtet wird, teilt die Pressesprecherin der VdPB mit: „Auch nicht unerheblich ist das Gefühl, dass immer wieder über den Kopf der Pflegenden entschieden wird.“ Zu Beginn der Pandemie seien als Erstes die Personaluntergrenzen (in den Kliniken), die eigentlich eine Mindestpersonalausstattung zum Beispiel auf Intensivstationen garantieren sollen, ausgesetzt worden, so Röver. Doch dabei blieb es nicht: „In den Langzeitpflege-Einrichtungen wurden Besuchsverbote verhängt und für die Pflegebedürftigen wichtige soziale Betreuung verhindert, die die Pflege auffangen musste.“

Auf die zweite Welle wurde spät reagiert, kritisiert Röver. Die Maßnahmen kamen erst, „als die Infektionszahlen und auch die Zahl der Toten schon davonliefen“. Neben der physischen wurde auch die psychische Belastung durch Unterbesetzung und gesteigertes Arbeitspensum nun auch noch „durch die vielen Todesfälle“ weiter in die Höhe getrieben. Forderungen der Verbände, welche schon lange Zeit im Raum standen, seien im letzten Jahr genauso wenig Gehör gefunden haben, wie die Jahre davor. Die Antwort auf die Frage nach einem generellen Stimmungsbild schließt Röver mit bemerkbar bitterem Beigeschmack ab: „Wenn sich dazu noch die selbst in der Pandemie geringe Anerkennung für die tagtägliche Leistung gesellt, ist das Stimmungsbild schnell erfasst.“

Kündigungswelle in der Pflege: Wie wahrscheinlich ist das?

Auf die Frage, ob eine Kündigungswelle in den Pflegeberufen wahrscheinlich ist, findet sich keine zufriedenstellende Antwort. Innerhalb des VdPB wurden hierzu noch keine Befragungen durchgeführt, teilt Röver mit. Jedoch lassen „die Meldungen aus anderen Pflegeorganisationen lassen durchaus eine Kündigungswelle oder auch einen vollständigen sogenannten ‚Pflexit‘, also das Verlassen des Berufs, befürchten“. Demnach gibt es nach über einem Jahr Pandemie eine, zumindest für die betroffenen Organisationen, sichtbare Tendenz.

Röver merkt an, dass eine solche Entwicklung „angesichts der prekären Lage in den allermeisten Einrichtungen und des tatsächlichen Personalmangels in allen Pflegebereichen mehr als beunruhigend“ ist. Der einzige kleine Lichtblick für den Moment ist, dass dem VdPB keine gesteigerte Zahl an Austritten aus der eigenen Vereinigung bekannt ist. Von einer Kündigungswelle bei den Mitgliedschaften ist damit immerhin nicht zu sprechen.

VdPB legte bereits Maßnahmenkatalog bei Holetschek vor

Die Pressesprecherin der VdPB mahnt: „Was lange vernachlässigt wurde, lässt sich nicht binnen kurzer Zeit retten.“ Dem Bayerischen Gesundheitsminister für Gesundheit und Pflege Holetschek sei trotzdem bereits ein Maßnahmenkatalog vorgelegt worden. Seitens des VdPB gibt man sich trotz schwieriger Umstände konstruktiv.

Wie Röver erklärt, ist der Personalbedarf der „Dreh- und Angelpunkt“ des Berufsfelds. Die Zahl der verfügbaren Pflegenden soll dem Arbeitspensum entsprechen. So soll beispielsweise ein erneuter Einstieg in den Beruf nach längerer Pause erleichtert werden. Wie das Personal bemessen wird, muss verbindlich sein, sagt Röver. Um das umsetzen zu können, muss aber auch genug entsprechendes Personal verfügbar sein. Die Bedingung hierfür ist laut VdPB: „So schnell wie möglich mehr qualifiziertes Pflegepersonal zu den Patientinnen und Patienten und zu den Bewohnerinnen und Bewohnern.“ Abschließend verweist Röver darauf, dass letztlich auch die Politik auf einen flächendeckenden Tarifvertrag hinarbeiten solle.

mda

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