30.000 Fluggäste am Wochenende gestrandet

Sicherheitspanne am Flughafen: So hoch ist der Millionenschaden

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Der Münchner Flughafen versank am Wochenende im Chaos.
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München - Die folgenschwere Sicherheitspanne am Münchner Flughafen hat tausenden Fluggästen am Wochenende den Start in den wohlverdienten Sommerurlaub gehörig versaut. Die Verursacherin konnte erst Stunden später ausfindig gemacht werden. Jetzt gibt es aber erste Antworten auf offene Fragen:

Update, 15 Uhr - Panne kostet Flughafen mehr als eine Million Euro

Die Sicherheitspanne am Wochenende wird den Münchener Flughafen voraussichtlich einen Betrag im unteren einstelligen Millionenbereich kosten. Das berichtet unser Partnerportal tz.de und beruft sich dabei auf Angaben von Flughafenchef Michael Kerkloh. Derzeit werde die Haftungsfrage geklärt.

Zudem müsse laut der geschäftsführenden Prokuristin von Terminal 2, Maria Dalhaus, geprüft werden, ob Schadensersatzansprüche bestehen und wenn ja, an wen diese gerichtet werden können, berichtet tz.de. Wie hoch der Schaden für die Fluggesellschaften ausfällt, ist aktuell noch nicht geklärt.

Knapp 350 Flüge sind am Samstag und Sonntag ausgefallen, weil eine Frau unberechtigt den Sicherheitsbereich betreten und das Sicherheitspersonal erst verzögert darauf reagiert hatte. In der Folge ist Großalarm ausgerufen und das Terminal 2 zeitweise komplett gesperrt worden. Bis zu 32.000 Fluggäste sind betroffen gewesen und am ersten bayerischen Ferienwochenende am zweitgrößten Flughafen Deutschlands gestrandet. Mehr als 1.000 Fluggäste haben die Nacht auf Feldbetten am Flughafen verbracht.

Update, 12.15 Uhr - erste Antworten liegen vor

Inzwischen gibt es erste Antworten auf einige der noch offenen Fragen. Auf Anfrage unseres Partnerportals merkur.de hat die Pressesprecherin der Regierung von Oberbayern, Verena Gros, nun genau geschildert, was am Samstag passiert ist.

Die Chronologie der Ereignisse:

  • 5.27 Uhr: Die Passagierin passiert die Kontrollstelle 11/12 am Terminal 2 des Flughafens. Dort wird ein Gegenstand in ihrem Handgepäck (eine Flüssigkeit) beanstandet. Sie will den Gegenstand anschließend als Reisegepäck aufgeben. 
  • ca. 5.45 Uhr: Die Passagierin kommt rund 20 Minuten später ohne das beanstandete Gepäckstück in den Kontrollbereich zurück. Sie passiert erneut die Kontrollstelle 11/12 - allerdings ohne erneute Überprüfung. Nach der geltenden Anweisungslage sind die Sicherheitskräfte verpflichtet, bei einem erneuten Passieren der Kontrollstelle, eine nochmalige Überprüfung der Person durchzuführen. Diese erneute Kontrolle findet jedoch nicht statt. Eine nachträgliche Auswertung der Röntgenbilder der Reisegepäckstücke ergibt, dass das wegen Flüssigkeiten beanstandete Gepäckstück tatsächlich als Reisegepäck eingecheckt worden war. 
  • 6 Uhr: Die Luftsicherheitsstelle wird nach einem Anruf des Vorgesetzten der Sicherheitsgesellschafts-Kontrollstelle darüber informiert, dass möglicherweise eine Passagierin ohne ausreichende Kontrolle Zugang zum Sicherheitsbereich erlangt hat. Sofort wertet die Luftsicherheitsstelle die entsprechenden Videoaufzeichnungen aus, um diesen Verdacht zu verifizieren. 
  • 6.15 Uhr: Die Luftsicherheitsstelle informiert die Bundespolizei.
  • 6.47 Uhr: Die Bundespolizei ruft den Abfertigungsstopp aus.

Die Erstmeldung:

Die folgenschwere Sicherheitspanne am Münchner Flughafen hat tausenden Fluggästen am Wochenende den Start in den wohlverdienten Sommerurlaub gehörig versaut. Obwohl die Verursacherin inzwischen ausfindig gemacht werden konnte, blieben viele Fragen zunächst offen.

So ist bis jetzt nicht klar, auf welche Weise genau die Frau - ohne von Sicherheitskräften kontrolliert zu werden - in den gesicherten Bereich des Terminals 2 vordringen konnte. Zur Identität der Frau gibt es bisher zudem nur die Angabe, dass sie etwa 40 Jahre alt sein soll. Nähere Details wurden bis zum Montagmorgen nicht veröffentlicht. Ungeklärt ist auch, warum es - trotz Bildern einer Überwachungskamera - so lange gedauert hatte, die Verursacherin ausfindig zu machen.

Unklar ist auch, warum die Angestellten an der Sicherheitskontrolle nicht nach Vorschrift handelten und sofort den entsprechend vorgeschriebenen Alarm auslösten. Dann hätte ein derart großes Chaos möglicherweise verhindert werden können. Bis dato sprach die Regierung von Oberbayern lediglich von einem "individuellen Versäumnis" des Sicherheitspersonals.

Wer muss für den Schaden aufkommen?

Unklar ist auch, wie hoch der wirtschaftliche Schaden für die Airlines und den Flughafen sind. Insgesamt knapp 350 Flüge waren am Samstag und Sonntag ausgefallen, bis zu 32.000 Fluggäste waren betroffen. Über 1.000 davon mussten im Flughafen auf Feldbetten übernachten. Es dürfte sich aber um einen finanziellen Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro handeln. Weder der Flughafen noch die Lufthansa, die am meisten betroffene Fluglinie, konnten bisher dazu genaue Angaben machen. Ebenso unklar ist, wer für die Schäden aufkommt und ob die Verursacherin möglicherweise dafür belangt werden kann.

Nach dem Vorfall am Samstag, den ein Vorgesetzter der Sicherheitsleute der übergeordneten Aufsichtsbehörde, dem Luftamt Südbayern, gemeldet hatte, wurde die Bundespolizei eingeschaltet. Daraufhin war Großalarm ausgelöst und das Terminal 2 sowie das Satellitenterminal geräumt worden. Es herrschte danach stundenlang das blanke Chaos. Vor den Schaltern bildeten sich lange Schlangen. Per Lautsprecherdurchsagen wurde dazu aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Flughafenpersonal verteilte Wasser an die Wartenden. Erst rund sieben Stunden nach Beginn des Polizeieinsatzes hoben wieder erste Flieger von den betroffenen Terminals ab. Im Laufe des Sonntags normalisierte sich die Lage dann einigermaßen.

mw

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