Zwei Jahre nach Schießerei in Unterföhring

Polizei wendet sich mit ergreifendem Brief an Kollegin im Koma

München - Zwei Jahre nach der schrecklichen Schießerei in Unterföhring, bei der eine junge Polizistin mehrere Kopfschüsse erlitt, liegt diese immer noch im Wachkoma. Die Münchner Polizei wendet sich nun mit einem ergreifenden Brief an die Kollegin.

Es ist zwei Jahre her, dass eine junge Polizistin im Einsatz in Unterföhring einen Kopfschuss erlitt. Seitdem liegt sie im Koma. Die Polizei München veröffentlicht zum Jahrestag der schrecklichen Tat einen emotionalen Brief bei Facebook. 

"Dieser Einsatz mahnt uns, stets aufeinander Acht zu geben und erinnert uns daran, dass es nicht selbstverständlich ist, am Ende des Tages die Dienststelle zu verlassen und gesund zu seinen Liebsten zurück zu kehren", heißt es in dem Post. 

Ihre Eltern wollen sie bald aus der Klinik und nach Hause holen, bauen sogar das Haus um, um das zu ermöglichen, berichtet unser Partnerportal tz.de. Bisher besuchen ihre Eltern Jessica L. jeden Tag in der Pflegeeinrichtung. Der Umbau des Hauses werde nicht zuletzt durch die Hilfe der Bayerischen Polizeistiftung ermöglicht, die Spenden für Jessica und ihre Familie, sowie für Jessicas Kollegen, der bei dem Einsatz vor zwei Jahren traumatisiert wurde sammelte. 

Schießerei in Unterföhring - So kam es zu der Tragödie

Am 13. Juni 2017 war die Polizistin Jessica L. mit ihrem Streifenwagenpartner in Unterföhring unterwegs, als sie gegen 8.20 Uhr morgens zu einem Einsatz am Bahnhof gerufen wurden. Dort solle eine Schlägerei ausgebrochen sein. Was zunächst nach Routine klingt, sollte sich schnell zu einem Albtraum entwickeln. Einer der Randalierer greift kurz nach Eintreffen der Streife den Polizisten an und versucht ihn auf die Gleise zu schubsen. Bei der entstehenden Rangelei gehen schließlich beide zu Boden. 

Irgendwie gelingt es dem Verdächtigen, sich während der Rangelei die Dienstwaffe des Beamten anzueignen. Seine Kollegin reagiert schnell, zieht ihre eigene Waffe und schießt auf den Mann. Dieser schießt zurück und trifft die Polizistin am Kopf, wieder und wieder drückt er ab, bis das Magazin leer ist. Die 26-Jährige Polizistin schwebt in Lebensgefahr. 

Auch der Schütze wurde durch den Schuss verletzt und muss in einem Krankenhaus operiert werden. Anschließend wird er aufgrund seines seelischen Zustandes mit einem Unterbringungsbefehl in eine Psychiatrie eingewiesen

Die Polizistin selbst liegt seit dem Schusswechsel im Koma. Im September 2017 wurde sie in eine Spezialklinik in Sachsen verlegt. Die Eltern der jungen Frau veröffentlichten in einer Pressemeldung durch das Polizeipräsidium einen berührenden Brief, in dem sie sich für die große Anteilnahme bei der Bevölkerung, der Polizeiinspektion 26 in Ismaning und der gesamten Münchner Polizei bedankten. 

Im April 2018 begann dann der Prozess gegen den Täter Alexander B. Die Staatsanwaltschaft hielt den Täter nicht für schuldfähig. Am 20. April bestätigte dann auch das Urteil: Alexander B. gehört in eine Psychiatrie, nicht in ein Gefängnis. Für wie lange, wurde damals nicht festgelegt, sondern vom Erfolg der Behandlung abgängig gemacht. Bis heute sitzt er in der Einrichtung.

jv

Rubriklistenbild: © Facebook/Polizei München

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