Oberbayerischer Integrationspreis 2017 für gesellschaftliches Engagement

Fünf Initiativen mit Integrationspreis geehrt

München/Landkreis - Gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung Kerstin Schreyer, MdL, und dem Vertreter von Bayerns Integrationsministerin Emilia Müller, Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber, hat Regierungspräsidentin Brigitta Brunner am 5. Dezember 2017 die Integrations- preise für den Regierungsbezirk Oberbayern verliehen.

Damit zeichneten sie fünf Initiativen aus Altötting, Neuötting, Pittenhart (Landkreis Traunstein), Weilheim und Wörth (Landkreis Erding) in den Kategorien Bildung und Soziales, Kultur, Sport, Demografie und Wirtschaft aus. Zwei der Integrationsprojekte widmen sich außerdem speziell dem Thema Frauen. Die ausgezeichneten Initiativen stehen stellvertretend für alle anderen Bewerber um den Integrationspreis, deren gesellschaftliches Engagement vorbildlich ist.

„Bayern ist das Land der gelingenden Integration. Dazu trägt vor allem auch der unermüdliche Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer bei. Mit den Integrations- preisen wollen wir dieses wichtige Engagement anerkennen und fördern. Denn

die Integration der Bleibeberechtigten liegt in unser aller Interesse. Von ihrem Gelingen hängt der soziale Frieden nicht nur unserer, sondern auch künftiger Generationen ab“, erklärte die Ministerin anlässlich der Verleihung. Regierungspräsidentin Brigitta Brunner dankt allen Bewerbern für ihren Einsatz um Integration und das Gemeinwohl. Alle Bewerber sind Ansporn und Vorbild für gesellschaftliches Engagement, ihr Einsatz verdient Respekt und Anerkennung. Die Integrationspreise 2017 gehen an fünf Initiativen, die eine Jury unter dem Vorsitz von Regierungsvizepräsidentin Andrea Degl und unter Beteiligung der Außenstelle München 2 des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus insgesamt 37 Projekten ausgewählt hat.

Die Preisträger sind (in alphabethischer Reihenfolge der Ortsnamen):

Altötting: „Box Gym“ des TV Altötting 1864 e. V. 

Kategorie Sport

Der TV Altötting hat sich in den letzten Jahren intensiv um Integration bemüht und mit dem „Box Gym“ einen Ort geschaffen, an dem Sportler aus 14 Staaten trainieren können und an dem somit lebte Integration stattfindet. 2007 hat der TV Altötting die Etage eines alten Möbelhauses angemietet, Um- und Ausbauarbeiten tätigt und durch große Eigenleistung einen Sportraum mit Boxring und Kraftraum – das „Box Gym“ – geschaffen, in dem neben Kickboxen auch Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen, Damen-Boxgymnastik, Kindergruppen und eine Kinder-Box-Therapie stattfinden. Das Einzugsgebiet des Projektes erstreckt sich mittlerweile über den ganzen Landkreis.

Asylsuchende können bis zu zwei Jahre lang kostenfrei trainieren. Die Stadt Altöt- ting unterstützt das Projekt, insbesondere durch einen Beitrag zu den Mietkosten.

Neuötting: „Café Mama“ der Pfarrei Sankt Nikolaus Neuötting und der evangelischen Kirchengemeinde Neuötting 

Kategorie Bildung und Soziales – zugleich Thema Frauen

Im „Café Mama“, einer Initiative der katholischen und der evangelischen Pfarrgemeinde Neuötting, können Asylbewerberinnen und einheimische Frauen zusammenkommen, um Kontakte zu knüpfen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

An den Treffen, die regelmäßig etwa einmal im Monat stattfinden, nehmen rund 20 Mütter mit Kindern teil. Die Migrantinnen sollen in einem geschützten Raum in ihrer Alltags- und Erziehungskompetenz unterstützt werden. Sie können gemeinsam

singen, spielen und basteln, außerdem werden Vorträge zu verschiedensten Themen wie „Gesunde Ernährung und Körperpflege bei Babys und Kleinkindern“ oder „Brauchtum und jahreszeitliche Feste“ angeboten. Das Projekt hat persönliche Kontakte über die Treffen hinaus ermöglicht, die den Migrantinnen bei der Integra- tion helfen. Außerdem haben sich weitere Angebote aus dem Projekt „Café Mama“ entwickelt: 

Eine Internationale Kreativwerkstatt für Frauen, eine Kreativwerkstatt für Kinder sowie Deutschkurse für Frauen.

Pittenhart: „Vom Klang der Welt“ des Vereins „Intercultural Music Association e. V.“

Kategorie Kultur

Der Verein „Intercultural Music Association e. V.“ (IMA) bringt im Projekt „Klang der Welt“ professionelle Künstler aus den Reihen der Asylsuchenden mit regionalen professionellen Künstlern (insbesondere aus dem Chiemgau und Österreich) zusammen. Ziel ist, den Austausch und die Begegnung zwischen den Kunstrichtungen Tanz, Musik, Theater und Erzählkunst zu fördern und den Gedanken zu vertiefen, dass Integration sowohl mit der Beziehung zum Gastgeberland als auch mit der Beziehung der Migranten untereinander zusammen hängt. 

In der generationenübergreifenden Gruppe wirken etwa 15 Künstler aus unterschiedlichen Genres mit. Es wurden bereits zahlreiche Proben und mehr als fünf Aufführungen veranstaltet, die stark nachgefragt wurden und mehr als 1.000 Personen – davon rund 40 Prozent Helfer und deren Schützlinge – erreichten. Bei den Aufführungen können die Migranten ihr Potential zeigen, Lebensfreude übermitteln und eventuelle Ängste bei den Zuschauern abbauen. Sie erleben Akzeptanz und Respekt. Gleichzeitig eröffnet das gemischte Publikum neue Kontaktmöglichkeiten. Kooperationspartner sind die Soziale Stadt Rosenheim, Integer e. V., Helferkreise, Kulturamt Trostberg und Marias Kino Bad Endorf.

Weilheim: „PERSPEKTIVE – Integration made by Bauer“ der Bauer Maschinen & Technologie GmbH 

Kategorie Wirtschaft

Das Projekt PERSPEKTIVE der Bauer Maschinen & Technologie GmbH stellt ein ganzheitliches Integrationskonzept dar, das nicht nur geflüchteten Menschen, sondern auch solchen mit Benachteiligung die Chance auf einen Berufseinstieg ermöglicht. Im Vordergrund stehen eine solide Ausbildung und ein Beitrag zur Entwicklung dieser Mitarbeiter, mit dem Ziel, soziale Verantwortung und wirtschaftlichen Erfolg in Einklang zu bringen. Das Projekt beinhaltet Hilfestellung über die Ausbildungsinhalte hinaus (Behördengänge, Wohnungssuche etc.), zusätzliche innerbetriebliche Unterstützung für den schulischen Teil der Ausbildung sowie eine motivierende und lernfördernde Atmosphäre in der Lehrwerkstatt. Interessierte

werden über einen Eignungstest ausgewählt und auf Basis der vorhandenen Talente und Fähigkeiten ausgebildet, bis hin zur Facharbeiterausbildung. Zusätzlich wird in der ehemaligen Eigentümer-Villa Wohnraum für Flüchtlinge angeboten.

Weiterhin besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Integrationsklassen der Berufsschule und des Bildungskollegs Weilheim. Die Bauer Maschinen & Technologie GmbH als mittelständisches Unternehmen mit etwa 130 Mitarbeitern hat ein Integ-rationsprojekt verwirklicht, das wirtschaftlich erfolgreich ist. Das Unternehmen erlebt die Integrationsarbeit als bereichernd, da Arbeitsmethoden überdacht werden und so Innovationen entstehen. Außerdem waren bisher alle begonnenen Ausbildungen erfolgreich. Es wurden zwei Ausbildungsverträge mit Asylsuchenden geschlossen, ein Außenarbeitsplatz für einen Mitarbeiter der Oberlandwerkstätten sowie ein Ausbildungsplatz für einen autistischen Jugendlichen eingerichtet.

Wörth (Lkr. Erding): „Digital Grannies“ der Zukunftsmacher gUG 

Kategorie Demografie – zugleich Thema Frauen

Das Projekt „Digital Grannies“ der Zukunftsmacher gUG bringt junge Asylsuchende und Senioren zusammen. Die Jugendlichen führen Senioren in die Welt der digitalen Technik und des Internets ein. Auf diese Weise lernen sie die Situation älterer Menschen kennen, werden für bürgerliches Engagement begeistert und erwerben interkulturelles und intergenerationales Verständnis. Über das Bildungsportal www.adia-erding.de erwerben sie Deutschkenntnisse, zusätzlich nehmen sie an diversen Medienkompetenz-Trainings teil, was zugleich ihre Ausbildungschancen verbessert. Auf der anderen Seite erobern die Senioren das Internet, genießen besondere Wertschätzung ihrer Seniorität und erleben Re-Aktivierung. 

Sie sind begeistert von der einfühlsamen, wertschätzenden Art der Jugendlichen, Technik ein- fach und absolut individuell zu vermitteln. Das Projekt ist geprägt durch Verständigung auf Augenhöhe, interkulturelle und generationenübergreifende Patenschaften, zum Teil vergleichbare Erfahrungen (Flucht, Verlust der Heimat) und gegenseitiges Interesse für die andere Kultur im Sinne der Völkerverständigung. Es soll deshalb auf weitere Orte im Landkreis ausgeweitet werden. Das Projekt arbeitet zusammen mit dem Jugend- und Kulturhaus Erding, Fischer‘s Seniorenzentrum und dem Landratsamt Erding.

Bei der Feier zur Verleihung der Integrationspreise haben neben den Preisträgern drei weitere Initiativen ihre Projekte präsentiert und für ihr Engagement Anerkennungsurkunden erhalten. Zwei davon stammen aus München und eine aus Weilheim. Kurze Projektbeschreibungen sind voraussichtlich ab Mittwoch, 6. Dezember 2017, 15 Uhr, auf der Homepage der Regierung von Oberbayern abrufbar. Bereits zum neunten Mal hat die Regierung von Oberbayern den Integrationspreis für erfolgreiche und nachhaltige Integrationsarbeit mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration ausgelobt. Die fünf ausgezeichneten Projekte erhalten gleichwertige Preise, jeweils in Höhe von 1.000 Euro. Die weiteren 29 Bewerber aus den Orten Dachau, Ebersberg, Eching, Eichstätt, Erding, Freilassing (2 x), Freising, Grasbrunn/Vaterstetten, Landsberg am Lech (2 x), Laufen, München (10 x), Petershausen, Poing, Prien am Chiemsee,

Röhrmoos, Traunstein (2x) und Wolfratshausen haben für ihren Einsatz um die Integration Dankschreiben von Regierungspräsidentin Brunner erhalten. Kurze Projektbeschreibungen sind voraussichtlich ab Mittwoch, 6. Dezember 2017, 15 Uhr, auf der Homepage der Regierung von Oberbayern abrufbar.

Pressemeldung Regierung von Oberbayern

Rubriklistenbild: © picture alliance / Matthias Balk

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