Beide Verdächtige wieder frei

Münchner Schülerin vor 30 Jahren getötet: "Wir sind innerlich zerbrochen" 

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Mit nur 18 Jahren starb Inga Maria Hauser in Nordirland einen gewaltsamen Tod.
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München/Belfast -  Ein Gewaltverbrechen, das mittlerweile drei Jahrzehnte zurückliegt, scheint sich endlich aufzuklären. Die Münchner Rucksackreisende Inga Maria Hauser wurde 1988 in Nordirland getötet. Am Wochenende nahm die Polizei zwei Männer fest, kurz darauf wurden die beiden jedoch wieder entlassen.

Update, Mittwoch 7.42 Uhr: Auch zweiter Verdächtiger wieder frei

30 Jahre ist die Tat her, von deren Grausamkeit Inga Maria Hausers Leiche zeugte. In den Wald gezerrt, vergewaltigt, das Genick gebrochen und im Wald zurückgelassen. 30 Jahre, in denen der oder die Mörder ihr Leben weiter lebten, als wäre nichts gewesen. Auch des größten Massengentest in der Geschichte Nordirlands konnten die Ermittler keinen Tatverdächtigen ausmachen.

Doch vor zwei Tagen, nach einem erneuten Zeugenaufruf anlässlich des traurigen Jahrestages, schien es, als käme endlich der Durchbruch. Die nordirische Polizei nahm zwei Männer (61 und 58 Jahre alt) fest. Die Ermittler hielten sich jedoch sehr bedeckt; niemand wusste, ob die Männer Tatverdächtige oder Mitwisser sind. Nach ausgiebigen Befragungen nun die Ernüchterung. Nachdem bereits Dienstagvormittag der 61-Jährige gegen Kaution freigelassen wurde, durfte abends auch der 58-Jährige wieder gehen. Die beiden Männer wurden am Montag nur zwanzig Kilometer vom Tatort entfernt festgenommen.

Die Ermittler in Nordirland lassen auch nach 30 Jahren nicht locker: Vor einigen Wochen schickte sie sogar eine Delegation nach München zur Mordkommission, damit der Fall nicht in Vergessenheit gerät. Die irischen Ermittler baten Ingas ältere Schwester, einen Brief zu schreiben. Sie richtete ihren Appell an Zeugen, mögliche Mitwisser: "Sie können sich nicht vorstellen, wie der Mord an meiner Schwester meine Familie verändert hat - wir sind innerlich zerbrochen." Sich ein Leben lang mit dieser Tat auseinandersetzen zu müssen, sei "grausam" und "krank". "Also bitte ich Sie, uns zu sagen, was Sie wissen", schrieb sie. "Andernfalls wird die Seele meiner Schwester niemals Frieden finden."

Update, 11.08 Uhr: Verdächtiger wieder entlassen

Im Mordfall der damals 18-jährigen Rucksacktouristin Inga Maria Hauser aus München von 1988 gibt es neue Entwicklungen. Am Montag hatte die Polizei zwei Verdächtige festgenommen - einer der beiden ist nun allerdings wieder frei. Wie die Polizei von Nordirland auf Twitter mitteilte, sei der Mann gegen Kaution inzwischen wieder aus dem Gewahrsam entlassen worden.

Der zweite festgenommene Verdächtige bleibt auch nach der Befragung durch die zuständige Polizei weiterhin hinter Gittern.

Vorbericht

Zwei Nordiren, die 58 und 61 Jahre alt sind, nahm die Polizei am Pfingstwochenende fest. Sie stehen unter Verdacht, die Münchner Rucksacktouristin Inga Maria Hauser 1988 vergewaltigt und getötet zu haben. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA am Montag.

Im April hatte Polizei erneut um Hinweise gebeten  

Es war am 6. April 1988, als Inga Maria Hauser das letzte Mal lebend gesehen wurde. Damals setzte die 18-jährige Rucksacktouristin gerade mit einer Fähre von Schottland nach Nordirland über. In ihr Tagebuch schrieb sie noch, sie wolle von dort aus weiter nach Dublin reisen. Zwei Wochen später wurde die Leiche der vergewaltigten jungen Münchnerin in einem Waldstück des Ballypatrick Forest im Bezirk Antrim entdeckt. Ein Schäfer hatte Ingas Leiche am 20. April 1988 gefunden – mit gebrochenem Genick.

Ein Straßenschild zeigt den Weg in den Wald Ballypatrick Forest, an dem ein Motorradfahrer vorbeifährt. In dem Wald wurde am 20.04.1988 die Leiche der deutschen Rucksackreisenden Inga Maria Hauser gefunden.

Massengentest lieferte wichtige Informationen

Damals teilten die Ermittler mit, dass vermutlich mehrere Personen direkt an dem Mord oder an der Verschleierung der Tat beteiligt seien. Die Polizei musste zuletzt nach eigenen Angaben nur noch wenige Puzzleteile zusammenfügen, um den Mord aufzuklären. Bei einem Massengentest über mehrere Jahre war die DNA von mehr als 2000 Männern überprüft worden.

"Wir sind innerlich zerbrochen"

Zudem wandte sich auch noch einmal Hausers Schwester in einem Brief an die Öffentlichkeit: "Es ist fast 30 Jahre her, seit meine kleine Schwester brutal ermordet wurde. Sie können sich nicht vorstellen, wie der Mord an meiner Schwester meine Familie verändert hat - wir sind innerlich zerbrochen." Die Tatsache, sich ein Leben lang mit dieser Gewalttat auseinander setzen zu müssen, sei "grausam" und "krank". "Also bitte ich Sie, uns zu sagen, was Sie wissen", schrieb Leibl weiter, "Andernfalls wird die Seele meiner Schwester niemals Frieden finden."

Ingas Zimmer blieb unberührt

Nach Informationen unseres Partnerportals tz.de lebt die heute 76-jährige Mutter von Inga nicht mehr in ihrer Wohnung in Haidhausen. Nachbarn erzählen, sie sei seit einigen Jahren in einem Pflegeheim in Österreich. Wie es um den Gesundheitszustand von Ingas Mutter bestellt ist, sei nicht bekannt. Den Verlust ihrer Tochter habe Almut Hauser nie verkraftet. Bis zuletzt hatte sie in Ingas Zimmer alles so belassen, als ob die Schülerin noch darin leben würde. Die Wände der Wohnung zierten Fotos, die das hübsche Mädchen zeigen.

Nach den Festnahmen bat Chefinspektor Raymond Murray erneut um Informationen. "Es ist Zeit, uns zu sagen, was Sie wissen", sagte er. Beide Verdächtige werden zurzeit von der Polizei verhört.

mh mit Material von dpa

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