Altenmarkter wegen Mordes an Mutter angeklagt

Stiefvater sagt aus: So schlitterte die Familie in die Katastrophe

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Ein Foto des Hauptangeklagten (21) aus Altenmarkt im Gerichtssaal. Daneben ein Foto seiner Mutter.
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Traunstein/Altenmarkt - Er soll seine Mutter mit einem Zimmererhammer erschlagen und sie mithilfe eines Freundes danach im Wald vergraben haben - im Mordprozess gegen einen 21-jährigen Altenmarkter sagte am Freitag sein Stiefvater aus. 

Es waren zwei Sätze des Stiefvaters, die den Scherbenhaufen förmlich sichtbar machten: "Hatten Sie Zweifel, dass ihr Sohn zu unrecht in Untersuchungshaft saß?", fragte das Gericht und der Stiefvater antwortete: "Nein. Ich hatte auch keine emotionale Beziehung mehr zu meiner Frau. Es war irgendwie wie eine Befreiung, der Bann war gebrochen."

2015 sprach die Mutter zum ersten Mal von Geistern und Engeln

Mit der Zeugenaussage des Stiefvaters lässt sich zumindest etwas erahnen, wie die Altenmarkter Familie in eine solche Katastrophe schlittern konnte - zumindest aus seiner Sicht. Der Stiefvater schildert, wie sich die getötete Mutter etwa ab 2015 veränderte. Er kam von der Arbeit heim, das Haus war versperrt. "Das verstehst Du nicht", erhielt der heute 57-Jährige als Antwort, der "Geist eines Reiters" würde sie verfolgen: "Sie hat mantraartig von Schutzengeln gesprochen", so der Stiefvater. 

Bald habe sich alles wieder gelegt - bis zum Jahresende 2016: "Dann wurde es wirklich extrem", so der Zeuge. Nach einer Dienstreise hätte die Frau nicht mehr mit ihm gesprochen, vertraute ihm nicht mehr - "ich sehe es an Deinen Augen", habe sie gesagt. Die Mutter verdächtigte ihn wohl nicht nur der Untreue, sondern auch, dass er den Sohn, der hier auf der Anklagebank sitzt, missbraucht hätte. 

Medikamente lehnte die Frau ab - und nahm homöopathische Mittel

Der Sohn vermutete eine Schizophrenie, doch eine psychiatrische Behandlung lehnte die Mutter ab - auch Medikamente wollte sie nicht nehmen, sie habe dagegen auf Homöopathie geschworen. Auch die esoterische Ader der Mutter sei immer stärker geworden, sagt der Stiefvater aus: "Zum Schluss hat das auch meinen Sohn genervt, das weiß ich." 

Der Bruch kam kurz vor Weihnachten 2016: Die Mutter wollte ihren Mann nicht mehr im gemeinsamen Haus in Altenmarkt haben, er zog aus. Große Geldsummen verschwanden vom gemeinsamen Konto. Die Frau habe ihm außerdem mit der Scheidung und Anzeigen gedroht. "Früher war der Sohn ihr Ein und Alles, aber irgendwann stand die Familie nicht mehr für sie im Mittelpunkt. Das Pferd rückte an die erste Stelle", so der Stiefvater. Einige Zeit nach dem Auszug hatten auch Stiefvater und Sohn keinen Kontakt mehr miteinander.

"Das hast Du Dir doch denken können", so der Sohn zum Stiefvater

Einen Tag nach der Tat, am 15. September 2017, meldete sich der Angeklagte plötzlich wieder beim Stiefvater: "Die Mutter ist nicht nach Hause gekommen." Dass sie von ihrem eigenen Sohn mutmaßlich ermordet wurde ahnte der Vater nicht. "Er ließ sich nichts anmerken", so der Stiefvater jetzt vor Gericht. Nach der Tat hatten die beiden wieder mehr Kontakt, sie machten auch einen Kurzurlaub und der Stiefvater zog wieder ins Haus nach Altenmarkt.

"Ich hatte aber in der Nacht immer den Schlüssel umgedreht, weil ich Angst hatte, dass sie plötzlich wieder heimkommt und mir was antut", erzählt der Stiefvater, der die Fragen des Gerichts sehr sachlich beantwortet. Über das Verschwinden der Mutter wurde nicht geredet. Während einer Geschäftsreise nach Indien erfuhr der Vater dann von der Polizei, dass die Mutter tot aufgefunden wurde - und dass der Sohn des Mordes verdächtigt wird. "Das hast Du Dir doch denken können", soll der Angeklagte dann am Telefon zum Stiefvater gesagt haben. 

Aber auch den Angeklagten beschreibt der Stiefvater teils als schwierig: Ab der Schulzeit sei er "extrem menschenscheu" geworden. Es habe einige Schulwechsel gegeben, das Gymnasium habe er schließlich abgebrochen und dann "das gemacht, was er wollte". Der Prozess wird am kommenden Dienstag nichtöffentlich fortgesetzt. Dann wird der psychiatrische Gutachter aussagen. Das Urteil wird für 26. Februar erwartet. 

Unser Vorbericht vom Freitagmorgen:

Im Mordprozess gegen einen 21-jährigen Altenmarkter wird am heutigen Freitag eine spannende Aussage erwartet: Der Stiefvater des Angeklagten wird als Zeuge vor Gericht erwartet. Wie steht er heute zu dem jungen Mann? Welcher Mensch war die getötete Mutter? Wie gut funktionierte die Familie? Alles Fragen, die das Landgericht Traunstein heute klären will.

Beim jüngsten Prozesstag Ende Januar sagte ein Geschäftspartner des Angeklagten aus. Er berichtete auch, den Altenmarkter mit dem Stiefvater im Gefängnis besucht zu haben. Als "kühl und abgeklärt" beschrieb ihn der Geschäftspartner - und der Stiefvater sagte angeblich, der Angeklagte sei nicht nur Täter, sondern auch Opfer. 

Der 21-Jährige selbst schweigt noch immer. Er hat die Tat weder geleugnet, noch gestanden - zumindest vor Gericht: denn gegenüber ermittelnden Kripo-Beamten oder dem Ermittlungsrichter hat der junge Mann angeblich bereitwillig erzählt, wie die Tat genau ablief. Er soll seine Mutter, damals 53 Jahre alt, im September 2017 nach einem Streit zuhause gewürgt und ihr die Unterlippe abgebissen haben. Dann habe er zu einem Hammer gegriffen und damit auf den Schädel der Mutter eingeschlagen, um sie zu töten. Mit einem Freund verpackte er dann angeblich die Leiche und vergrub sie in einem Waldstück bei Schnaitsee.

Der Prozess wird vor dem Traunsteiner Landgericht unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Das Verfahren nähert sich langsam dem Ende - am Freitag wird schon der zwölfte Prozesstag sein, aber am 26. Februar soll ein Urteil fallen. Die Anklage lautet auf Mord und Körperverletzung.

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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