Psychologe sagt über 21-jährigen Altenmarkter aus

Wer ist er? Das Psychogramm des mutmaßlichen Muttermörders

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Ein Foto des Hauptangeklagten (21) aus Altenmarkt im Gerichtssaal. Ein Polizist nimmt ihm die Handschellen ab. 
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Traunstein/Altenmarkt - Der Prozess gegen einen 21-jährigen Altenmarkter neigt sich langsam dem Ende entgegen: Er soll seine Mutter brutal ermordet und sie im Wald vergraben haben. Heute sagte ein psychiatrischer Gutachter aus.

Was für ein Mensch ist der Angeklagte? Wie entwickelte er sich zu jemandem, der seine Mutter mutmaßlich mit einem Hammer erschlägt und sie dann im Wald vergräbt? Der Psychiater Martin Rieger sollte dem Landgericht Traunstein darüber heute Auskunft geben. Rieger führte in der Haft zwei längere Gespräche mit dem Altenmarkter. Der Psychiater zeichnete vor Gericht das Bild eines zurückgezogenen und kaltherzigen jungen Mannes

Er zog sich zurück hinter den Computer

Schon im Kindergarten habe sich der heute 21-Jährige eher ausweichend verhalten, "er wollte keine Aufmerksamkeit". Auch die Schule sei später "ein Alptraum" für den Altenmarkter gewesen. Der Psychiater spricht von Unsicherheiten, Zurückgezogenheit und Schwierigkeiten, vor anderen zu reden. In der Schule sei der junge Mann eher ein Einzelgänger gewesen, die Freizeit sei von Tennis und Egoshooter-Computerspielen bestimmt gewesen. 

Keine Freundin, aber eine überfürsorgliche Mutter

"Seinen Alltag beschrieb er mir als perspektivlos und langweilig. Seine Menschenscheu nahm zu", so der Gutacher. Auch Liebesbeziehungen hatte der Altenmarkter nie. Über die ganze Kinder- und Jugendzeit sei die teils überfürsorgliche Mutter seine erste Bezugsperson gewesen - doch die Beziehung zu ihr änderte sich dann ab 2015. Wie von mehreren Zeugen bestätigt, entwickelte die Mutter immer stärkere esoterische Züge, womöglich in Verbindung mit einer Schizophrenie.

"Ungefähr seit 2015 war die Familie dann wohl nicht mehr intakt", so der Gutachter. Der Stiefvater war viel auf Geschäftsreisen und hätte kein großes Interesse an ihm gezeigt, die Mutter wandte sich immer mehr ihrem größten Hobby, den Pferden zu. "Er beschrieb mir, dass die Mutter dann immer launischer und abweisender wurde. Bei der Trennung der Eltern stand er eher dazwischen", so Rieger. Als die Mutter auch ihm gegenüber immer misstrauischer wurde, zog sich der Angeklagte noch mehr zurück - "es wurde für ihn immer beklemmender". 

Angeklagter entwickelte Persönlichkeitsstörung

Letztendlich habe der 21-Jährige eine "kombinierte Persönlichkeitsstörung" entwickelt: wenig empathisch, etwas kaltherzig, ein hohes Rückzugsverhalten, wenig Sozialkontakte und Misstrauen gegenüber anderen. Dass die Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit beeinträchtigt war, kann der Psychiater nicht ausschließen, seine Einsichtsfähigkeit sei aber erhalten gewesen. Der Angeklagte selbst hörte bei dem stundenlang vorgebrachten Gutachten aufmerksam zu. 

Im Mordprozess gegen den 21-jährigen Altenmarkter fehlen nun nur noch die Plädoyers, die am 26. Februar gehalten werden sollen. Am 28. Februar wird dann das Urteil erwartet. Die Verhandlung wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. 

Unser Vorbericht vom Dienstagmorgen

Es könnte heute einer der interessantesten Tage vor Gericht werden: Seit Prozessbeginn im Herbst 2018 rätseln alle, wie ein Sohn seiner Mutter so etwas antun kann? Selbst hat sich der 21-jährige Altenmarkter nicht zur Tat geäußert. Doch am heutigen Dienstag soll der psychiatrische Sachverständige Auskunft geben: Was für ein Mensch ist der Angeklagte? Was war ein mögliches Motiv? Sollte Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewandt werden? War er zurechnungsfähig?

Zuletzt sagte Stiefvater aus

Bereits der jüngste Prozesstag am Freitag ließ tief blicken: Der Stiefvater des Angeklagten war als Zeuge vors Traunsteiner Landgericht geladen. Auch er zweifelte nicht im geringsten daran, dass sein Stiefsohn zu unrecht auf der Anklagebank sitzt. Der Stiefvater beschrieb sachlich, wie in der Familie vor allem im letzten Jahr vor der Tat alles aus dem Gleichgewicht geriet. 

Der Angeklagte selbst hat die Tat weder geleugnet, noch gestanden - zumindest vor Gericht: denn gegenüber ermittelnden Kripo-Beamten oder dem Ermittlungsrichter hat der junge Mann angeblich bereitwillig erzählt, wie die Tat genau ablief. Auch gegenüber dem Stiefvater war offen: "Das hast Du Dir doch denken können", soll er aus der U-Haft heraus gesagt haben. 

Die Anklage lautet auf Mord und Körperverletzung. Der heute 21-Jährige soll im September 2017 seine Mutter, damals 53 Jahre alt, nach einem Streit zuhause gewürgt und ihr die Unterlippe abgebissen haben. Dann habe er zu einem Hammer gegriffen und damit auf den Schädel der Mutter eingeschlagen, um sie zu töten. Mit einem Freund verpackte er dann angeblich die Leiche und vergrub sie in einem Waldstück bei Schnaitsee. Für 26. Februar wird ein Urteil erwartet. Der Prozess wird nichtöffentlich geführt.

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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