Prozess um getötete Mutter in Altenmarkt

Schüchtern, gehemmt, angepasst: Das Psychogramm des zweiten Angeklagten

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Die beiden Angeklagten im Gerichtssaal. Im weißen T-Shirt der Mittäter, der mutmaßliche Haupttäter trägt einen roten Sweatpulli.
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Traunstein/Altenmarkt - Der Prozess gegen den 21-jährigen Altenmarkter, angeklagt wegen Mordes an seiner Mutter, wird sich wohl noch über Monate hinziehen. Das Gutachten über den seelischen Zustand des Mitangeklagten gibt neue Einblicke:

UPDATE, 13.50 Uhr

Was für ein Mensch ist der zweite junge Mann, der hier vor dem Traunsteiner Landgericht auf der Anklagebank sitzt? Der 20-jährige Trostberger soll geholfen haben, die tote Mutter in Plastiksäcke zu verpacken, sie ins Auto zu tragen und sie später in einem Waldstück bei Schnaitsee zu vergraben. Der psychiatrische Sachverständige Gerth trägt jetzt sein Gutachten vor.

Zurückhaltend, schüchtern, gehemmt, angepasst und wenig selbstbewusst – so beschreibt ihn der Gutachter. Aber eben auch als rational. Mit einem Notenschnitt von 2,6 machte er sein Abitur. Zusammen mit dem Hauptangeklagten und einem weiteren Freund wollte sich der Trostberger in der Modebranche selbstständig machen – nach wie vor sei das sein Ziel, so Gerth.

Das Verhältnis zu seinem Freund aus Altenmarkt “geht über eine gute Freundschaft hinaus”, so der psychiatrische Gutachter. Es sei sehr eng, aber nicht sexuell gewesen. Der Trostberger habe eine unterwürfige Rolle ihm gegenüber eingenommen. Psychische Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen kann Gerth beim zweiten Angeklagten nicht feststellen.

Wie verhielt sich der 20-jährige Trostberger am Tag der Tat? Der Hauptangeklagte holte ihn ins Haus nach Altenmarkt, “als er ihm dann berichtete, dass er seine Mutter umgebracht hat, hat ihm das die Füße weggezogen”, so der Gutachter. Zuerst wollte er noch die Polizei rufen, tat es dann aber nicht: Die enge Beziehung zu seinem Freund und das Vertrauen, auch geschäftlich, wollte er wohl nicht aufs Spiel setzen.

“Er war zuerst paralysiert und völlig perplex, gewann dann aber schnell wieder die Fassung”, so Gerth. Dann habe man rational Beraten, wie man weitermachen solle. Später habe der junge Trostberger vor allem Angst gehabt, die Leiche zu sehen: “Das hat ihn völlig überfordert. Er hatte Angst, er könne die Bilder sein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen.” Der Prozess wird am 4. Dezember nichtöffentlich fortgesetzt.

UPDATE, 10.40 Uhr:

Wegen Verzögerungen zum Prozessbeginn und Erkrankung von Prozessbeteiligten in der vergangenen Woche sieht es derzeit danach aus, als würde das Urteil erst Ende Januar 2019 gesprochen.

Wichtige Zeugenaussagen und die Aussagen von Sachverständigen und Jugendgerichtshilfe fehlen noch. Vor dem Urteil müssen außerdem die Plädoyers noch gehalten werden. Auch der Stiefvater und ein weiterer Freund des Hauptangeklagten werden am Montag nicht mehr vernommen. Erwartet wird dagegen noch die Einschätzung des psychiatrischen Sachverständigen, der den zweiten Angeklagten begutachtet hat. Der 20-jährige Trostberger, Freund des Hauptangeklagten, soll beim Verpacken und Verscharren der Leiche geholfen haben.

Zu Beginn des sechsten Prozesstages ließ der Angeklagte eine weitere Möglichkeit verstreichen, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Das Gericht wollte ihm die Zeit einräumen, doch die Verteidiger wiegelte wegen der anwesenden Pressevertreter ab. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nur einzelne Reporter sind zugelassen. Der Prozess begann am 31. Oktober, das Urteil war ursprünglich für 16. November eingeplant.

Der Vorbericht:

Die Zeugenaussage des Stiefvaters wird mit Spannung erwartet. Nicht nur, weil die Hintergründe der Tat noch etwas im Unklaren liegen, sondern auch, weil es im Familienleben ohnehin konfliktreich zugegangen sein muss: Einige Monate vor der Tat warf die Mutter ihren Mann wohl aus dem Haus in Altenmarkt und erwirkte ein Kontaktverbot. Als Zeuge wird auch ein Freund der beiden Angeklagten erwartet, mit dem sie eine Firma gründen wollten.

Der vorigen Verhandlungstag am Dienstag machte klar, dass sich der 21-jährige Hauptangeklagte nach der Festnahme völlig offen gegenüber Polizei und Justiz zeigte. Der Ermittlungsrichter sagte aus, er habe "frei von der Leber weg erzählt, wie alles passiert ist". Auch gegenüber der Polizei legte er zuvor schon ein umfassendes Geständnis ab. Außerdem sagte der Angeklagte zum Ermittlungsrichter, er sei auch heute noch überzeugt, dass es das Beste war, seine Mutter zu töten. Vor Gericht schweigt der junge Mann dagegen.

Was bisher geschah

Am am Montag wurde durch Zeugen mehr über das Verhältnis von Mutter und Sohn bekannt. Die Mutter soll ihr Leben ganz ihrem Sohn gewidmet haben. "Sie wollte auch keine geregelte Arbeit, weil ihr Sohn so viel Aufmerksamkeit bräuchte und empfindlich sei, sagte sie", so eine langjährige Freundin. Im Gegensatz dazu soll der Angeklagte das Zusammenleben mit seiner Mutter als "grauenhaft" und sie als "psychisch gestört" bezeichnet haben.

Tatsächlich schien sich die Mutter seit dem Jahresende 2016 verändert zu haben, auch ihr Bruder vermutete in seiner Zeugenaussage eine Schizophrenie. Ein weiterer Konfliktpunkt zwischen den beiden schien aber Geld zu sein: Der Angeklagte gründete mit zwei Freunden - einer davon ist wegen unterlassener Hilfeleistung und Strafvereitelung ebenfalls angeklagt - eine Firma. Durch die Zeugenaussage des Bruders wurde auch klar, dass die Mutter wohl irgendwann kein Geld mehr in das Vorhaben des Sohnes stecken wollte.

Dem 21-jährigen Hauptangeklagten aus Altenmarkt wird Mord, gefährliche und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Er soll seine Mutter nach einem Streit gewürgt, ihr die Lippe abgebissen und sie schließlich mit einem Zimmererhammer erschlagen haben. Zusammen mit seinem Freund vergrub er den Leichnam laut Staatsanwaltschaft später in einem Waldstück bei Schnaitsee

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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