Nach Tiermisshandlungen im Allgäu

Tierschützer schockiert von Ausmaß der Verletzungen 

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Milchviehbetrieb weiter im Fokus der Behörden
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Memmingen - Vor geraumer Zeit geriet ein Milchviehbetrieb im Allgäu in die Schlagzeilen. Dem Familienbetrieb wird vorgeworfen, seine Tiere zu quälen und brutal zu misshandeln. Deshalb kam es dort am Mittwoch zu einer Großrazzia der Polizei und Staatsanwaltschaft.  

Update, 1. August, 14.40 Uhr - Ausmaß des Tierquälerskandals

Wie der BR berichtet, ist auch Friedrich Mülln von der "SoKo Tierschutz" über das Ausmaß des aktuellen Skandals in einem Allgäuer Milchhof schockiert. Der Verein zum Schutz von Tierrechten hatte vor knapp drei Wochen mit heimlich aufgenommenen Videos die Missstände in dem Betrieb aufgedeckt. 

Nachdem am Mittwoch die Ställe polizeilich durchsucht wurden, sei auch Mülln erschüttert von der Anzahl der verletzten Tiere. Jedes zweite Tier sei betroffen. Warum die Durchsuchungen erst am Mittwoch stattfanden hinterfragte er entschieden. Womöglich habe man die Brisanz nicht rechtzeitig bemerkt. 

Nun verspreche er sich neue Erkenntnisse durch die Unterlagen, die im Betrieb und bei den Tierärzten gefunden wurden, so Mülln zum BR.

Um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, fordert die "SoKo Tierschutz" überregionale Tierschutz-Kontrollen, da die regionalen Veterinärämter der Aufgabe nicht gewachsen seien, erklärte er weiter. 

Update, 18.31 Uhr - Das Töten von Rindern ist untersagt

Ingesamt waren bei der Razzia am Mittwoch 160 Beamte, elf Staatsanwälte und vier Veterinäre des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Einsatz. Durchsucht wurden Hof, Wohnungen und Tierarztpraxen, wie der BR berichtet.

Der Betrieb muss aber zunächst nicht geschlossen werden, bekommt dafür aber Auflagen. "Unter anderem muss der Landwirt einen Tierschutzbeauftragten einsetzen", sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Unterallgäu gegenüber dem BR. "Eine Betriebsschließung kommt im vorliegenden Fall zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht. Dadurch wäre auch den Tieren nicht geholfen." Das Töten von Rindern ist in Zukunft untersagt und vor einem Transport zu einem Schlachthof müssen die Tiere von einem amtlichen Tierarzt untersucht werden, so der BR weiter.

In den vergangen Wochen sei es seit der Veröffentlichung des Video durch die Tierschutzorganisation "Soko Tierschutz" zu 30 Straftaten gegen die Betreiber gekommen, darunter Flaschenwürfe und Bedrohungen mit dem Messer. Die Belastung für die Betreiberfamilie sei enorm, so Bad Grönenbachs Bürgermeister Bernhard Kerler. Die Kinder und Enkelkinder würden gemobbt und der Hof teilweise belagert werden. Die Polizei ermittelt deshalb wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Bedrohung.

Update, 16.45 Uhr - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen neun Personen

Die Staatsanwaltschaft Memmingen gab neue Details zum Falle der mutmaßlichen Tierquälerei bekannt, die in einem Allgäuer Milchhhof stattgefunden haben soll, berichtet der BR. Gegen neun Verdächtige werde seit drei Wochen ermittelt, darunter sechs Beschäftigte des Betriebs und drei Tierärzte. Letztere sollen niedergelassen oder beim Unternehmen angestellt sein. Die Verdächtigen sollen gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. 

Insgesamt gab es am Mittwoch Durchsuchungen in sage und schreibe 21 Objekten, bei denen laut dem BR hauptsächlich Unterlagen gefunden wurden wurden, die zeigen wie der Betrieb organisiert war und wie mit Tierpflege und kranken Tieren umgegangen wurde. 

Nun soll eine 30-köpfige Sonderkommission des Polizeipräsidiums Kempten ermitteln. 

Update, 14.44 Uhr: Milchviehbetrieb im Fokus der Behörden - Durchsuchungen laufen

Seit rund drei Wochen ermittelt die Staatsanwaltschaft Memmingen gegen einen Milchviehbetrieb im Unterallgäu. In diesem Zusammenhang laufen seit dem Mittwochvormittag Durchsuchungen auf dem Hofgelände in Bad Grönenbach. Personen mit Schutzanzügen befinden sich auf dem Gelände. Die Polizei sichert den Betrieb ab. 

Die Aktuellen Ermittlungen beschränken sich laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft nicht nur auf den Verdacht von Verstößen gegen Tierschutzverstößen, sondern auch die damit in Verbindung stehenden Bedrohungen, Bekleidungen und Sachbeschädigung zum Nachteil der Betreiberfamilie.

Nach Tierquälerei-Vorwürfen: Razzia bei Milchviehbetrieb im Allgäu

mz/NEWS5

Erstmeldung:

Nach Tierquälerei-Vorwürfen ist am Mittwoch ein großer Milchviehbetrieb im Allgäu durchsucht worden. Ein Sprecher der Memminger Staatsanwaltschaft bestätigte die Razzia in dem Unternehmen in Bad Grönenbach. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Mittwochnachmittag in Memmingen über die Durchsuchung berichten.

Die Vorwürfe gegen einen Allgäuer Milchviehbetrieb wiegen schwer. In dem Großbetrieb in Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) sollen Kühe misshandelt worden sein. Eine Tierrechtsorganisation hatte entsprechende Videoaufnahmen öffentlich gemacht.

Erschreckende Videoaufnahmen

Die Videoaufnahmen aus den Ställen eines Milchviehbetriebs im schwäbischen Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) sollen zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Das Material wurde den ARD-Magazinen und der Süddeutschen Zeitung dem SZ-Bericht zufolge vom Tierrechtsverein „Soko Tierschutz“ zugespielt.

Der Familienbetrieb mit insgesamt 1.800 Milchkühen soll dem Tierrechtsverein zufolge bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstoßen. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen lehnte der Betrieb zunächst ab.

Nach amtlichen Zahlen starb in den vergangenen fünf Jahren etwa jedes fünfte Kälbchen in dem Großbetrieb.

Verbraucherschutzminister: Das wird sich ändern

Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe angekündigt, die Kontrollen von Großbetrieben neu zu organisieren. Die dafür zuständige Spezialbehörde soll zwei neue Standorte und 25 neue Stellen dafür erhalten.

Für 85 große Rinder- und Schweinezuchtbetriebe soll künftig dieselbe Spezialbehörde zuständig sein, die bisher schon große Lebensmittel- und große Geflügelbetriebe kontrolliert.

dpa/mz

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