Gespräch mit Rechtsanwalt Peter Dürr

Nach tödlichen Unfällen in der Region - Welche Strafe droht den Verursachern?

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Rosenheim - Im Frühjahr kommt es leider jedes Jahr zu schweren, oft tödlichen Unfällen. Häufig wird dann gegen den Unfallverursacher ein Strafverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung bzw. Körperverletzung eingeleitet. Aber welche Strafe droht einem Unfallverursacher? Wir haben uns mit dem Rosenheimer Rechtsanwalt Peter Dürr über mögliche Folgen für den Unfallfahrer unterhalten. 

Allein diese Woche mussten zwei Menschen bei schrecklichen Verkehrsunfällen ihr Leben lassen, zahlreiche andere wurden zum Teil schwerstverletzt. So ereignete sich am Montag in Bad Reichenhall ein tragischer Unfall bei dem ein 19-Jähriger nach dem Zusammenstoß mit einer Litfaßsäule verstarb. Und auch am Dienstag kam es auf der A8 bei Irschenberg zu einem tödlichen Unfall. Dort musste ein 71-Jähriger mit dem Leben bezahlen. 

Die Öffentlichkeit fordert teils harte Konsequenzen für den Unfallverursacher. Doch die rechtliche Situation ist klar geregelt, erklärt Rechtsanwalt Peter Dürr. In den meisten Fällen werde gegen den Unfallverursacher wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung oder Tötung ermittelt.

Was ist fahrlässig? 

Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) §276 ist zu lesen: "Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt."

Rechtsanwalt Peter Dürr relativiert die Gegebenheit der Fahrlässigheit: "Fast ein jeder hat schon mindestens einmal fahrlässig im Straßenverkehr gehandelt. Es handelt sich oft um ein klassisches Augenblickversagen." Oft ende ein solcher Vorfall glimpflich, doch manchmal eben auch nicht. "Es ist natürlich dramatisch, wenn Angehörige ihre Liebsten verlieren, aber rein rechtlich gesehen, muss man das Maß des Verschuldens beachten", ergänzt Dürr. 

Nichtsdestotrotz sind laut Gesetzbuch Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren möglich. Aber nur "relativ selten" müsse laut Dürr ein Unfallverursacher den Weg in Haft antreten. Damit ein schrecklicher Unfall passiert, "dazu braucht man keine kriminelle Energie. Überlegen Sie mal wie häufig Sie sich denken 'fast hätte es gekracht'", fragt Dürr.

Zugunglück Bad Aibling: Spezieller Fall der fahrlässigen Tötung

Ein spezieller Fall sei die Verurteilung des Fahrdienstleiters von Bad Aibling wegen fahrlässiger Tötung. Da dieser nachweisbar mit seinem Handy spielte, sei in diesem Fall eine "besondere Gegebenheit" vorgelegen. Zudem war der Mann genau zur Verhinderung einer solcher Zugkatastrophe angestellt gewesen. Der Mann wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Etwas anderes sei es, wenn man grob fahrlässig und rücksichtslos im Straßenverkehr handle. Zum Beispiel wenn der Fahrer unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen steht. Bei einer fahrlässigen Tötung seien jedoch oft die Verursacher selbst ihre strengsten Richter und haben große psychische Probleme sich von diesem Erlebnis zu erholen. 

Um die geforderte Sorgfalt nicht außer Acht zu lassen, sollten sich Verkehrsteilnehmer an die vorgegebene Richtgeschwindigkeit und an Vorfahrtsregelungen halten, aber auch mit Fehlverhalten von anderen Teilnehmern rechnen. Hohe Aufmerksamkeit und angepasste Fahrweise werden von einem jedem Verkehrsteilnehmer zu jedem Zeitpunkt verlangt.

Rubriklistenbild: © Montage: Reisner/ Timebreak21

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