Nachwuchs ade?

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Bei ihrem Abschiedsappell traten die letzten zwölf Grundwehrdienstleistenden bereits in zivil an.

Bad Reichenhall – Das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall hat am Dienstagnachmittag mit einem Appell seine letzten Wehrpflichtigen verabschiedet. Gibt es jetzt Nachwuchssorgen?

„Ich kann nicht mehr aus den Vollen schöpfen“, gibt Oberstleutnant Jared Sembritzki zu. „Ein gutes Drittel unseres Nachwuchses haben wir aus dem Grundwehrdienst gewonnen.“ Der Bataillonskommandeur ist aber zuversichtlich, dass pro Quartal 30 bis 40 neue Freiwillige kommen werden, die ihm dann eben länger erhalten blieben.

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Zum Abschied der letzten zwölf Wehrpflichtigen, die ihren sechsmonatigen Pflichtdienst in Bad Reichenhall absolviert haben, hielt Sembritzki einen Bataillonsappell ab. „Das mache ich ein- bis zweimal im Quartal. Dabei werden eigentlich immer Soldaten verabschiedet, die entweder versetzt werden oder ausscheiden.“ Das besondere bei diesem Appell sei, das es sich eben um die letzten Grundwehrdienstleistenden handle.

„Ich möchte Ihnen danken, dass Sie Sich in unserem Bataillon eingebracht und ihrem Land gedient haben“, lobte er deshalb die scheidenden Soldaten vor dem gesamten Bataillon. Jedem einzelnen reichte der Kommandeur die Hand und fragte sie nach ihren Zukunftsplänen. „Die gehen nach Australien und Amerika“, stellte er abschließend fest. „Das sollte ich mir vielleicht auch mal überlegen.“

Überlegt haben zumindest vier der zwölf Grundwehrdiener, ob sie sich länger verpflichten sollen. Die Entscheidung fiel, vor allem aufgrund der hohen Einsatzbelastung, gegen den Dienst bei der Bundeswehr aus. „Meine Freunde haben mir zum Großteil davon abgeraten“, gibt Marco Steindl aus Rosenheim zu. Bei Helmut Hein aus Rottau war es die Familie, die nicht wollte, dass Helmut beispielsweise nach Afghanistan geht.

Mit einem Appell verabschiedeten sich die Kameraden von den letzten Grundwehrdienstleistenden.

Auch wenn sie nicht bleiben, behalten sie und ihren Kameraden der Wehrdienst in guter Erinnerung. Zivildienst wäre für sie absolut nicht in Frage gekommen. „Wenn dann richtig“, lacht Moritz Dörnfelder aus München. Dafür lies er auch das Winterbiwak mit Schnee und Eis über sich ergehen. „Wir leben alle noch... trotz Kälte und Essen“, grinst Marco, dem vor allem Spaß gemacht hat, dass sie im Ortshäuserkampf ausgebildet wurden.

„Ja, Spaß dürfen wir auch haben bei der Bundeswehr, es ist nicht verboten“, so Sembritzki während des Appells. Er hofft, dass die letzten Wehrdienstleistenden ihren Freunden, Bekannten und Verwandten von ihren Erfahrungen bei der Bundeswehr berichten und verabschiedete sie mit den Worten: „Ihr könnt jederzeit wiederkommen, wenn ihr doch bei uns arbeiten wollt.“

Christine Zigon

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