Wirbel in Niederbayern

Tafeln lehnen AfD-Spende ab: So krass sind die Reaktionen

+
Zwei Tafeln lehnten Lebensmittelspenden eines AfD-Politikers ab. 

Zwei Tafeln in Niederbayern wollen die Lebensmittelspende eines lokalen AfD-Politikers nicht annehmen. In den sozialen Medien bricht daraufhin ein regelrechter Shitstorm los. 

Waldkirchen/Hutthurm - In Niederbayern sorgte eine Entscheidung zweier Tafeln für einen Shitstorm. Wie die Passauer Neue Presse berichtete, hatten die Einrichtungen die Lebensmittelspende eines AfD-Lokalpolitikers abgelehnt - und wurden daraufhin an den Pranger gestellt.

In einem Fall ging es dabei um die Tafel in Waldkirchen (Landkreis Freyung-Grafenau). Was die Vorsitzende in diesen Tagen erleben muss, geht ihr gewaltig an die Nieren.

Die Rede ist von „NS-Methoden“

Weil sie – ebenso wie auch ihr Kollege von der Hutthurmer Tafel (Landkreis Passau) – eine Lebensmittel-Spende von der rechtspopulistischen AfD abgelehnt hat, ist ein regelrechter Shitstorm in den sozialen Medien über sie hereingebrochen. 

In ihren Reaktionen sprechen User von „NS-Methoden“ der Tafeln - auch Kommentare wie „Schämen Sie sich“ oder „Jetzt erst recht AfD“, sind im Netz zu lesen. Auf Facebook wird angezweifelt, ob die Tafeln generell Spenden benötigen würden, wenn sie bestimmte Lebensmittel ablehnen: „Anscheinend sind Lebensmittel in den Organisationen nicht nötig!? Haben wohl genug“, schreibt ein User. Auf Twitter ist zudem die Rede von der „grenzenlosen Arroganz der Tafelmitarbeiter“. 

Aufnahmestopp für Ausländer bei der Essener Tafel -  viele Deutschen finden diese Entscheidung richtig.

Konkret geht es um eine Palette mit 600 Gläsern Tomatensuppe. Da er in der Lebensmittelbranche tätig sei, seien ihm die Fertigsuppen zur Verfügung gestellt worden, sagt Ralf Stadler, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Passau/Freyung-Grafenau, der PNP. Zunächst habe er der Waldkirchener Tafel die Fertigsuppen angeboten. Die habe aber abgelehnt, „weil sie mit der AfD nichts zu tun haben will“.

„Können uns im Wahljahr nicht mit einer Partei ablichten lassen“

Die Vorsitzende der Tafel Waldkirchen bestätigte gegenüber der PNP den Vorgang, betonte aber, dass sie zum Zeitpunkt der ersten Absage - zunächst hatte sie auf fehlende Lagerkapazitäten verwiesen - gar nicht gewusst habe, dass Stadler ein AfD-Politiker ist. 

Erst als sie nochmal nach seinem Namen fragte, habe er erklärt, dass er dem AfD-Kreisverband angehöre und ein Foto machen wolle, wenn er die Palette liefere. „Wir können uns im Wahljahr nicht mit einer Partei ablichten lassen“, erklärt die Tafel-Vorsitzende mit Blick auf die Landtagswahl im Oktober.

Probleme bei der Essener Tafel: Ein Besuch vor Ort. 

AfD-Politiker will Suppen nun selbst verteilen

Daraufhin bot der Politiker die Suppen der Hutthurmer Tafel an. Dort bekam er nahezu die identische Antwort. Stadler zeigt dafür kein Verständnis. „Eine Hilfsorganisation für Hilfsbedürftige soll Spenden annehmen“, sagt er und kündigt an, die Suppen nun persönlich verteilen zu wollen.

Reiner Haupka, Vorsitzender des Tafel-Landesverbands Bayern, stärkt den an den Pranger Gestellten Leitern der beiden Tafeln den Rücken. Hier gehe es um einen Grundsatz der Tafel: „Wir lassen uns politisch nicht vor den Karren spannen.“

So ist die Stimmung bei den Tafeln in der Region

„Es ist hier gut für jeden“ - Ein Italiener berichtet von seinen Erfahrungen mit der Starnberger Tafel.

Verschiedene Ausgabetage für Einheimische und Flüchtlinge? Über die Organisation der Tafeln in Freising, Bad Aibling und im Kreis Rosenheim.

nema

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Live: Top-Artikel unserer Leser