Hilfen kommen bei Wirten nicht an

Not bei Gastwirten groß - Wirteverband kann sich Lockerungen für Geimpfte vorstellen

Angela Inselkammer aus Aying bei München.
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Angela Inselkammer kann sich Lockerungen in der Gastronomie für Geimpfte vorstellen. Wenn 50 Menschen in einem Gasthaus zusammen feiern wollten „und alle geimpft sind, warum nicht?“

München - Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) kann sich gelockerte Zutritts-Regeln für geimpfte Gäste gut vorstellen. Außerdem seien bei vielen Gastronomen die versprochenen Hilfen noch nicht angekommen.

„Wir waren ohne Verschulden die ersten, die schließen mussten, und sind wohl die letzten, die wieder aufsperren dürfen“, sagte am Dienstag Angela Inselkammer, Bayern-Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), in einer virtuellen Pressekonferenz. Sie könne sich Lockerungen für geimpfte Gäste vorstellen. Die Präsidentin sei aber nicht dafür, Impfausweise zu kontrollieren. „Wenn nicht alle geimpft sind, könnte man mit Schnelltests arbeiten. Ich möchte nicht, dass die Wirtshäuser nur für geimpfte Leute aufgemacht werden. Das geht nicht. Aber: Wenn etwa bei einer Geburtstagsgesellschaft alle Teilnehmer geimpft sind, dann sollen diese Personen auch feiern dürfen. Warum denn auch nicht? Wir müssen an die Sache pragmatischer rangehen und nicht immer nur mit Verboten und Geboten hantieren.“

Wirte haben bislang noch keine Hilfen erhalten - Sorgentelefon eingerichtet

Laut Inselkammer befinden sich viele Gastbetriebe derzeit in einer Notlage. Viele Wirte hätten schon ihre gesamten Ersparnisse samt Altersvorsorge eingesetzt und sich verschuldet, „57 Prozent der Betriebe sehen sich in ihrer Existenz gefährdet“, sagte Inselkammer: „Die Not ist brutal.“ Die Wirte vertrauten voll auf die Zusage der Bundesregierung, mit den November- und Dezemberhilfen 75 Prozent des entgangenen Umsatzes ersetzt zu bekommen - hätten bislang aber noch „keine wesentlichen Zahlungen erhalten“. Es gebe 40.000 Betriebe mit 447.000 Mitarbeitern in Bayern, mit einzelnen Schicksalsschlägen, Sorgen und Nöten. „Es geht um Betriebe, bei denen die ganze Familie, vielleicht seit Generationen, mitarbeitet“, so die Wirtin. Es benötige eine Perspektive und Planbarkeit für die Unternehmen.

Die Gastronomie zuzusperren, und alles was zu ihrem Kosmos gehöre, sei schwer gewesen, so Inselkammer. „Und ein bisschen ist man sich so vorgekommen, als ob man gar nicht mehr notwendig wäre.“ Die Krise habe dennoch Kraft und Innovationsstärke geweckt. Eine Errungenschaft aus der Notsituation sei die Partnerschaft mit Regionalbischof Christian Kopp. Gemeinsam mit dem kirchlichen Dienst habe man ein Sorgentelefon für Wirtinnen und Wirte mit acht ehrenamtlichen Mitarbeitern eingerichtet. Es gebe viel Redebedarf. „Wir brauchen die Möglichkeit, in Ruhe miteinander sprechen zu können“, sagte Inselkammer. Das würde ich mir auch von der Politik wünschen.“

„Der Mensch ist ein soziales Wesen“

Viele Menschen hätten erfahren, dass ein Leben ohne die Wirtshäuser ärmer sei. „Der Mensch ist ein soziales Wesen“, das Begegnungsstätten benötige, sagte die Wirtin. „Ich glaube es ist ganz schwierig, wenn man eine Begegnungsstätte schließt und die Menschen sich selbst überlässt.“ Aus der Not heraus hätten viele Wirte mit dem Außer-Haus-Verkauf Geld verdient oder andere neue Konzepte ausprobiert. Auch wenn manche davon erhalten bleiben, könne dies nur ein Zusatzgeschäft sein.

Inselkammers dringlichster Appell: „Wir brauchen die volle Unterstützung der Politik. Wir haben doch jetzt alle gemerkt, wie traurig das Leben ohne Wirtshäuser, Discos und Bars ist. Die Menschen wollen einfach mal wieder entspannt zusammen sein.“

jb

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