Neozoen „schleppen“ Krankheiten ein

Alles redet von Corona - Dabei sind andere Krankheiten am Vormarsch

Asiatische Tigermücke sticht zu
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Die Asiatische Tigermücke: Sie überträgt unter anderem den Zika-Virus.

Landkreis - Die Corona-Krise beherrscht derzeit - verständlicherweise - die Themenlandschaft. In ihrem Schatten erwächst aber eine neue Gefahr, über deren Gründe nur wenige Bescheid wissen: Exotische Krankheiten, die sich in Deutschland ausbreiten.

Dass Malaria von einer Mücke übertragen wird, ist allgemein bekannt. Dass Malaria inzwischen von Mücken in Deutschland übertragen wird, erheblich weniger. Unlängst haben wir ein Interview mit Dr. Wolfgang Bachleitner von der FOS/BOS Rosenheim geführt. Der Biologe hat sich intensiv mit der Thematik neuer Tierarten in Deutschland - den Neozoen - beschäftigt. Diese stellen nicht nur Bedrohungen für unser Ökosystem dar. Viele haben auch Parasiten und Krankheiten im Schlepptau. Während manche dieser Erkrankungen unserer heimischen Tierwelt zu schaffen machen, sind andere für den Menschen gefährlich. Wir haben mit Dr. Bachleitner über diese Problematik gesprochen - und worauf wir uns in Zukunft einstellen müssen.

Welche Krankheiten werden von neu eingewanderten Tierarten übertragen?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Neue Krankheiten werden von aus dem Süden kommenden Tierarten übertragen, die durch die Klimaerwärmung inzwischen hier sesshaft werden können. Überträger sind beispielsweise Sandmücken, die Leishmanien übertragen. Dabei handelt es sich um einzellige Parasiten, welche wiederum Leishmaniose (Anm. Red.: eine Krankheit, die die inneren Organe befällt) auslösen.

Ebenfalls gefährlich sind die Asiatische Tigermücke und neu zugewanderte Zeckenarten, die verschiedene Viren übertragen können. Hier wären das Dengue-Fieber, Krim-Kongo-Fieber, Usutu-Fieber, der Zika-Virus sowie Hepatitis E zu nennen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die vom Westnil-Virus ausgeht: Hier ist es inzwischen schon so weit, dass nicht nur die in Deutschland nachweisbare Asiatische Tigermücke, sondern auch unsere heimischen Mückenarten dieses Virus übertragen können. Wir haben es hier mit einem neuartigen Vektor - sprich Krankheitsüberträger - zu tun. Es ist nicht auszuschließen, dass noch einige derartige Krankheitsszenarien auf uns zukommen werden.

Dr. Wolfgang Bachleitner sieht große Herausforderungen auf uns zukommen.

Sind wir - und ist unser Gesundheitssystem - auf diese neuen Herausforderungen überhaupt vorbereitet? Hier fehlen ja oft auch Erfahrungswerte.

Dr. Wolfgang Bachleitner: Die Antwort auf diese Frage ist ein klares „Jein“. Der Umstand an sich ist bekannt, im Tropeninstitut oder Reisemediziner wissen diesbezüglich bereits bescheid. Jährlich werden schließlich mehr und mehr Fälle von mysteriösen Krankheiten in Deutschland gemeldet. Der klassische Hausarzt oder das örtliche Krankenhauspersonal wird sich aber unglaublich schwer tun, diese einzelnen Krankheiten differenzieren zu können. Der Grund dafür ist, dass die Symptome oftmals sehr ähnlich sind.

Das hört sich fast schon bedrohlich an.

Dr. Wolfgang Bachleitner: Nun ja, der Arzt muss eben in erster Instanz - wenn er keine eindeutige Diagnose stellen kann - zeitnah die Patienten an Reisemediziner oder ans Tropeninstitut verweisen.

Klingt danach, als ob auf unser Gesundheitssystem noch einige Herausforderungen zukommen.

Dr. Wolfgang Bachleitner: Das bestimmt - einfach schon deshalb, weil bei uns aufgrund der veränderten klimatischen Verhältnisse mehr Arten überleben werden, die diese parasitäre Fracht in sich tragen. Man müsste genau beobachten, wo lokale Häufungen auftreten, und wo dementsprechend lokale Bestände dieser Wirtstierarten, also Mücken oder Zecken vorhanden sind.

Herr Dr. Bachleitner, vielen Dank für das Gespräch!

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