Urteil zu drei Taten in Nußdorf am Inn gefallen

Brandanschlag auf Asylheim: Zwei Männer müssen ins Gefängnis

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Links: Anwalt Richard Rill / Rechts: Rechtsanwalt Walter Holderle
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Nußdorf am Inn - Mit einem selbstgebauten Brandsatz hatten Unbekannte am 17. März versucht, eine Asylbewerberunterkunft in Nußdorf am Inn in Brand zu setzen. Zwei Tatverdächtige wurden festgenommen und stehen seit dem 27. November vor Gericht. Beide Männer wurden verurteilt.

Update, 13.50 Uhr - 

Das Urteil ist gefallen: Das Traunsteiner Landgericht spricht zwei junge Männer (21 und 24 Jahre alt) aus Nußdorf am Inn schuldig. Im Februar sprühten sie ein Hakenkreuz auf ein Flüchtlingsheim in Nußdorf. Im März warfen sie dann einen Brandsatz auf das Gebäude. Zwei Wochen nach diesem letztlich gescheiterten Versuch schossen die beiden einen selbstgebauten Sprengsatz auf das Grundstück. Körperlich kam niemand dabei zu Schaden. Beide erhalten eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten.

Die beiden haben sich einer ganzen Reihe von Straftatbeständen schuldig gemacht: Sachbeschädigung, versuchte schwere Brandstiftung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Herstellen von verbotenen Gegenständen und unerlaubter Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen. Der 21-Jährige ist darüber hinaus schuldig des unerlaubten Besitzes von Schusswaffen.

Erstmeldung

Im April dieses Jahres hatten Unbekannte am Abend des 17. März gegen die Außenfassade einer Asylbewerberunterkunft im Hochriesweg in Nußdorf am Inn einen selbstgebauten Brandsatz geworfen. Knapp zwei Wochen nach dem ersten Anschlag wurde in der Nähe der Asylunterkunft ein Knallkörper gezündet

Die Polizei gründete eine eigene Ermittlungsgruppe und konnte zwei dringend Tatverdächtige schließlich festnehmen. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Am Dienstag begann der Prozess gegen die beiden Männer (21 und 24).

Das wird ihnen vorgeworfen

Laut Anklageschrift sollen die Beschuldigten am 2. Februar 2018 mit einer Dose Sprühlack ein Hakenkreuz an die Wand des Asylbewerberheims gesprüht haben. Eineinhalb Monate später sollen sie zwei gläserne Bügelflaschen mit einem Diesel-Benzin-Gemisch gefüllt und beide Flaschen mit Gewebeband und jeweils einer Seenotfackel verbunden haben. Diese sollen sie dann am 17. März gegen 22 Uhr angezündet und auf die von 32 Personen bewohnte Asylbewerberunterkunft geworfen haben. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich 25 Personen dort auf. 

Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass die Beschuldigten die Absicht hatten, dass Gebäude und Personen zu Schaden kommen sollten, was aber nicht gelang, da das Gebäude kein Feuer fing und niemand verletzt wurde. Im April, knapp zwei Wochen nach dem Brandanschlag, sollen die Beschuldigten einen aus verschiedenen gewerblichen pyrotechnischen Erzeugnissen, selbstgebauten Sprengsatz mit einem Eisenrohr von einem Nachbargrundstück in den Garten der Unterkunft geschossen haben. Zudem wurden bei dem 21-jährigen Beschuldigten eine aufgebohrte Schreckschusswaffe und ein funktions- und schussfähiges Repetiergewehr Karabiner 98 k gefunden.

Beschuldigte äußern sich zur Sache

Die Entwicklungen der beiden ersten Verhandlungstage:

- Tag eins

- Tag zwei

Am ersten Verhandlungstag am Dienstag äußerten sich beide Angeklagte vor Gericht zu der Sache und räumten die Vorwürfe ein. Der 21-Jährige sagte aus, dass er sehr bereue, was er getan habe. Während den Taten sei er sich wieder etwas wert gewesen, habe von seinem Freund Anerkennung bekommen. Allerdings Allerdings versuchte er, seine Mittäterschaft herunterzuspielen und die Verantwortung auf den 24-jährigen Mitangeklagten zu schieben. Man habe den Asylbewerbern zeigen wollen, dass die sich nicht alles erlauben können, so der Beschuldigte. Der 21-Jährige saß beide Verhandlungstage zitternd und immer wieder weinend im Gerichtssaal. Als vor Gericht Bilder mit explizitem rechtsradikalen Inhalt, die auf seinem Computer gefunden wurden, gezeigt wurden, brach er komplett zusammen. Er gab an, mit den "rechtsradikalen Scheiß" nichts mehr zu tun haben zu wollen, habe sogar vor nach seiner Haft an einem Aussteigerprogramm teilzunehmen und dem Asylhelferkreis beizutreten.

Sein mit angeklagter Freund (24) sagte vor Gericht, dass die Beiden sich gegenseitig aufgestachelt hätten in ihrem Fremdenhass. „Ich bin der Meinung, wir haben die Taten gemeinsam begangen, wir haben die Scheiße selber fabriziert und müssen da jetzt auch gemeinsam durch. Ich verstehe nicht, warum er das jetzt alles auf mich abwälzt.“ Auch er bereue seine Taten sehr: „Ich bereue wirklich was ich gemacht habe und es tut mir wirklich leid, was die Menschen wegen mir durchmachen mussten. Wir haben mehr Glück wie Verstand gehabt, dass da nicht mehr passiert ist."

Hohe Strafen gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert für beide Angeklagten jeweils sechs Jahre und fünf Monate Haft. Die Verteidiger beider Angeschuldigten hingegen plädieren auf Bewährungsstrafen. Am Freitag um 13 Uhr wird das Urteil verkündet. 

Quelle: chiemgau24.de

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