Auswirkungen des Lockdowns *Mit Umfrage*

Beschert uns die Corona-Krise einen Babyboom in Oberbayern?

Oberbayern - Nicht nur Experten, auch viele Bürger debattieren darüber, ob uns die Corona-Quarantäne einen Geburtenboom bescheren wird. Aber auch einen Geburten-Knick halten viele für möglich.

Wie wird sich der Corona-Lockdown auf die Geburtenrate auswirken? Das wird derzeit rege von Experten und auch von Bürgern debattiert. Während die einen meinen, dass die "erzwungene" traute Zweisamkeit Paare dazu animiert hat, Nachwuchs zu zeugen, erwarten die anderen - aufgrund eingetrübter Zukunftsaussichten - eher einen Geburtenknick, da die Familienplanung aufgeschoben, wenn nicht gar ganz aufgehoben wird. 

Drastischer Geburtenrückgang in den USA erwartet

Nicht nur hierzulande, auch andernorts stellt man sich diese Fragen. In den USA etwa berechneten Experten der Denkfabrik Brookings Institution sowie der Wohltätigkeitsorganisation March of Dimes die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Geburtenrate. Für ihre Prognose werteten die Forscher die Daten früherer Studien zur Fruchtbarkeit während vergangener Krisen aus. Ergebnis: Sie prognostizieren einen massiven Rückgang der Geburten in den Vereinigten Staaten. So wird erwartet, dass nächstes Jahr bis zu 500.000 Kinder weniger geboren werden. Insgesamt erblicken in den USA pro Jahr fünf Millionen Babys das Licht der Welt. Eine Rolle für den Verzicht auf Kinder spielten dabei die mit der Pandemie verbundene Unsicherheit und Angst, der Verlust von Arbeitsplätzen sowie das "Social Distancing", wie der "Kurier" berichtet.

Auch in Italien, einem Land, das überhaupt eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit aufweist, gehen Experten eher von einem Rückgang der Geburtenraten aus.

Doch Geburtenboom? Das sind die Argumente

Von der Gegenseite wird gerne argumentiert, dass die Geburtenraten unter quarantäneartigen Bedingungen steigen. Auch hier wird gerne ein Beispiel aus den USA angeführt: In New York hätten Serien von langandauernden Stromausfällen in den 60-er - und 70-er Jahren zu einer Steigerung der Geburtenrate geführt. Bloß: Das Beispiel hält einer Überprüfung nicht stand, und ist schon lange als Legende widerlegt - zurückzuführen auf die Artikelserie einer New Yorker Zeitung. 

Doch kommen wir auf Deutschland zu sprechen. Hier gibt es bereits erste Berichte, dass die Geburtenraten steigen. Beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Dort weiß der "Soester Anzeiger" zu berichten, dass es lokal coronabedingt zu "deutlichen Anstiegen" von Schwangerschaften kommen soll. 

Und wie sieht die Situation im südlichen Oberbayern aus? Obwohl man Genaueres wohl erst in einigen Monaten wissen wird, müsste sich zumindest bereits feststellen lassen, ob es mehr Schwangerschaften gibt - etwa anhand von gesteigertem Interesse an Geburtsvorbereitungen oder einer Zunahme an ärztlichen Terminen. Doch bei Anrufen immer wieder sie selbe Antwort: "Bei uns ist eigentlich alles wie immer". Johanna Kaffl, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei den RoMed Kliniken, gibt auf Anfrage bekannt: "Die Annahme, dass zu Quarantänezeiten mehr Kinder entstanden sind, halten wir noch für hypothetisch." Es bleibt also dabei: Eine endgültige Antwort auf die Frage, wie sich der Lockdown auf die Geburtenrate auswirken wird, werden wir wohl erst Ende dieses oder Anfang nächstes Jahr erfahren.  

dp

Rubriklistenbild: © picture alliance / Waltraud Grub (Symbolbild)

Kommentare