Veranstaltungen werden abgesagt, Zimmer storniert

So leiden Hotels aus der Region unter der Coronavirus-Angst

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Oberbayern - Die Angst vor dem Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Auch in der Region Südostbayern ist man davor nicht gefeit. Veranstaltungen werden abgesagt, Menschen meiden große Veranstaltungen und tätigen Hamsterkäufe. Das bekommt nun auch das Hotelgewerbe zu spüren. rosenheim24.de hat bei einigen großen Hotels der Gegend nachgefragt, ob es bereits Einbußen zu verbuchen gibt.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DHOGA Bayern e.V. berichtet in einer Pressemitteilung, dass es in der Gastronomie zu Umsatzeinbrüchen in 78 Prozent aller Betriebe komme. Grund dafür sei die Angst der Bevölkerung, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Die bayerischen Gewerbe seien damit wesentlich stärker getroffen, als zunächst vermutet. Durchschnittlich brechen bei den 1.947 befragten Betrieben die Umsätze um 29 Prozent ein. 93 Prozent aller Betriebe verzeichnen auch Einbrüche in Neubuchungen, die im Schnitt um 39 Prozent zurückgingen.


Absagen von Großveranstaltungen und ausbleibende Buchungen treffen nicht nur die Städte, sondern das Gastgewerbe sei flächendeckend betroffen. Besonders hart treffe das Klein- und mittelständische Betriebe, die über wenig Liquidität verfügen. DEHOGA fordert vom Koalitionsausschuss der Großen Koalition, der am Sonntag tagt ein umfassendes Maßnahmenpaket, das insbesondere für diese Betriebe umsetzbare Maßnahmen, wie Liquiditätshilfen, eine kurzzeitige Änderung der Kurzarbeitergeldregelung  und eine 100-prozentige Erstattung der Sozialabgaben beinhaltet. Auch steuerliche Erleichterungen durch einen reduzierten Umsatzsteuersatz für Essen soll das Paket mitbringen. 

rosenheim24.de hat in mehreren Hotels in der Region nachgefragt, wie deutlich sie die Corona-Krise zu spüren bekommen: 


So geht es den Hotels im Landkreis Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim ist man, zumindest im Hotelgewerbe, noch relativ entspannt. Eine Mitarbeiterin des Gasthofs Höhensteiger berichtet im Gespräch mit rosenheim24.de, dass es zwar kleinere Einbußen gebe, man aber aktuell noch relativ wenige Absagen bekomme. Kleinere Veranstaltungen hätten ihre Buchung zurückgezogen und einzelne Zimmer seien storniert worden. Im Großen und Ganzen sei jedoch kein dramatischer Unterschied zum Vorjahr zu spüren.

Einbußen für Hoteliers im Chiemgau

Anders verhält es sich im Golf Resort Achenthal in Grassau. Gerhard Braun, Direktor des Hotels, bemerkt einen Unterschied zu den Buchungen im Vorjahr. Zwar gebe es bisher kaum Absagen und Stornierungen, doch sei eine Verunsicherung der Bevölkerung spürbar. Das Interesse sei deutlich geringer als sonst, es gebe weniger Buchungen und Seminare. Besonders Firmenveranstaltungen und -tagungen fallen seltener aus. Das liege vor allem an den firmeninternen Richtlinien, die einzelne Konzerne wegen des Coronavirus aufgesetzt haben. Diese untersagen unter anderem das Reisen und größere Veranstaltungen bis auf weiteres. Da derzeit noch keine Hauptsaison sei, könne man die finanziellen Einbußen derzeit noch verkraften, doch spürbar seien sie allemal. Die Panik, die in der Bevölkerung herrsche und durch widersprüchliche Berichte geschürt werde, richte im Gastro- und Hotelgewerbe, aber auch allgemein großen Schaden an, so Braun. 

Veranstaltung in Berchtesgaden abgesagt

Im Hotel Edelweiß in Berchtesgaden beantwortet eine Sprecherin der Marketingabteilung die Frage nach spürbaren Einbußen mit einem "Jein". Grundsätzlich gebe es kaum Absagen, doch eine besonders große Veranstaltung sei wegen der Coronainfektion vorsichtshalber abgesagt worden. Sage und schreibe 80 Zimmer seien deshalb storniert worden. "Das ist schon schmerzhaft", betont die Mitarbeiterin des Hotels. Aktuell prüfe man auch rechtliche Möglichkeiten, sich vor solchen Ausfällen zu schützen. Auch hier sei das große Problem nicht das Hotel oder die Region Berchtesgaden, sondern vielmehr die Anreise. Viele Firmen untersagen Zug- und Flugreisen, weshalb geplante Events abgesagt werden müssen. 

Im Zechenmeisterlegen in Schönau spüre man derzeit noch keine Auswirkungen des Coronavirus. Das liege auch daran, dass man der Situation selbst sehr entspannt entgegen sehe, berichtet eine Mitarbeiterin des Hotels. 

Mehrere Absagen in Waldkraiburg

Dagegen deutlich spüre man die Effekte des Coronavirus im Hotel Centrale in Waldkraiburg, berichtet Mitarbeiterin Sarah Hutzler. Gerade in der kommenden Woche hätten viele Firmen geplante Tagungen und Events abgesagt. Dabei seien auch Übernachtungen gebucht gewesen, die storniert worden seien. Besonders seit Anfang März seien besonders viele Absagen eingegangen. "Wir hoffen, dass es nicht noch mehr werden", so Hutzler. Finanzielle Einbußen seien inzwischen im Hotel ein bisschen spürbar, im Restaurant dagegen bislang nicht. 

Der Trend wird klar: Allmählich spüren auch die Hotels in der Region immer mehr die Verunsicherung der Bevölkerung. Aktuell halten sich die Einbußen aber noch in Grenzen. 

Doch es wird auch deutlich: Privatpersonen scheinen bisher nicht so häufig von Buchungen abzuspringen. Es sind vor allem firmeninterne Regelungen, die das Reisen und größere Veranstaltungen absagen. Das wiederum kann die Hotels auf Dauer viel Geld kosten. 

jv

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