Allianz für Wildtiere zur Wolfsdebatte

„Es macht keinen Sinn, Wölfe abzuschießen“

Wolf in Wald
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Südliches Oberbayern - Einhergehend mit den öfter werdenden Wolfssichtungen werden auch die Rufe nach Abschüssen lauter. Die Allianz für Wildtiere bezieht zu der Forderung Stellung: Abgesehen davon, dass diese illegal sei, mache sie aus einem bestimmten Grund keinen Sinn.

Wolfssichtungen sind in der Region mittlerweile keine Seltenheit mehr - prominentestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit jene in Aschau im Chiemgau, wo der Wolf offenbar eine Kuhherde jagte und sich bis vor Wohnhäuser vorgewagt haben soll. Ein Umstand, der für Beunruhigung in der Bevölkerung sorgt. Und wieder einmal die Frage aufwirft - ist ein Zusammenleben von Mensch und Wolf in unserer Region überhaupt noch denkbar? Für viele scheint diese Frage bereits mit einem klaren „Nein“ beantwortet. „Entnahmen“ werden gefordert - die Wölfe sollen also erlegt werden.

„Abschuss sinnlos“

Christian Blas von der Allianz für Wildtiere kann derlei Gedankenspielen nichts abgewinnen: „Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt“. Abgesehen davon sei der Abschuss von Wölfen sinnlos. Der triftige Grund: Andere Wölfe würden nachkommen, und den Platz der entnommenen Tiere einnehmen. Den landwirtschaftlichen Tierhaltern werde suggeriert, dass die Wiederausrottung des Wolfes in Bayern möglich ist. „Verschwiegen wird, dass dies kein Experte für möglich hält“, argumentiert Blas.

Blas möchte auch helfen, Emotionalität aus der Debatte zu nehmen: „Der Wolf ist kein Killer, aber auch kein Schoßhündchen“. Die Allianz für Wildtiere hat ein Kompendium verfasst, in welchem sie ihre Sicht der Dinge darlegt. Was den richtigen Umgang mit dem Beutegreifer anbelangt, hält es die Allianz für angezeigt dem Wolf zu helfen, Rudel zu bilden, denn dann sei ein weiterer Zuzug in das Territorium ausgeschlossen. Ein Vorschlag, der nicht aus einem bestimmten Grund nicht gänzlich abwegig erscheint: Handelt es sich doch bei „unseren“ Wölfen um herumstreifende Einzeltiere.

Blas: Politik am Zug

Und die Allianz sieht auch die Politik am Zug: Landesregierung und Landtag müssten die landwirtschaftliche Tierhaltung garantieren und schnell Lebensräume für große Beutegreifer schaffen. Denn: „Ohne eine Schalenwildstrategie, die einen hinreichenden Bestand von Beutetieren sichert, ist dies unmöglich.“ Deutliche Kritik gibt es am Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten: Es sei „unverständlich (...) weshalb sich der Vorstandsvorsitzende der Staatsforsten weigert, genau diese zu entwickeln und umzusetzen.“ Zudem müssten Wolfsberater in jedem Landkreis eingesetzt sowie fachlich und rechtlich geschult werden.

Bayerische Staatsforsten: „Setzen auf großräumige Konzepte“

rosenheim24.de hat die Bayerischen Staatsforsten auf die Kritik angesprochen. Pressesprecher Jan-Paul Schmidt betont, dass „die Bayerischen Staatsforsten den bayerischen Staatswald entsprechend der Vorgaben des Bayerischen Waldgesetzes vorbildlich“ bewirtschaften würden. Bei der größten Schalenwildart, dem Rotwild, setze man auf großräumige Konzepte und professionelles Management, um dem Raum- und Sozialverhalten dieser Schalenwildart zu entsprechen.

Die Bayerischen Staatsforsten, erläutert Schmidt, setzten bei ihrer Jagdstrategie das Ziel um, den Jagddruck auf das heimische Wild so gering wie möglich zu halten und die Jagd gleichermaßen effizient wie tierschutzkonform umzusetzen. ***Die ganze Pressemitteilung kann hier nachgelesen werden.***

Allianz für Wildtiere: Schutzmaßnahmen fördern

Von den almwirtschaftlichen Vereinen, der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft und dem Bayerischen Bauernverband erwarten die Tierschützer letztlich, dass sie eine umfassende Förderung der Schutzmaßnahmen (Betrieb, Errichtung, Ersatz, Reparatur und Wartung) und den Schadensausgleich auch für Wolfshunde durchsetzen, um Kostenbelastungen für Tierhalter in Wolfsgebieten und somit Wettbewerbsverzerrungen auszuschließen.

Factbox: Richtiger Umgang mit Wölfen

Viele Menschen sind unsicher, was den richtigen Umgang mit Wölfen anbelangt: Die Allianz für Wildtiere hat uns nachfolgende Tipps zukommen lassen:

1. Abfalltonnen geschlossen halten. Auf dem Grill kein Fleisch und keine sonstigen Lebensmittel zurücklassen. Den Wolf nie füttern.

2. Den Kontakt mit dem Wolf trainieren: Aufrecht stehen. Dem Wolf den Rückzug freihalten. Nicht weglaufen. Wenn er den individuell empfundenen Sicherheitsabstand unterschreitet, in die Hände klatschen, langsam auf ihn zugehen, laut rufen, sich größer machen.

3. Haustiere (z.B. Hasen) nicht unbeaufsichtigt lassen. Hunde immer an der Leine führen. V.a. nachts müssen die Ställe von Haustieren im Freien sehr gut gesichert sein.

4. In der Natur immer auf den Wegen bleiben.

5. Kinder beaufsichtigen. Mit Jugendlichen und Kindern den Kontakt mit Wölfen trainieren.

6. Sich auf keinen Fall jungen Wölfen nähern.

-dp-

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