Hochburgen, Wahlverweigerer, Null-Prozent-Parteien...

Kuriose und spannende Wahl-Fakten - auch der Mini-Parteien

Landkreise - Wo liegen die Hochburgen der Großparteien und wo schneiden die kleinen am besten ab? Welche Partei machte mit Abstand den letzten Platz? Wo war die Wahlbeteiligung am niedrigsten? Wir haben alle Details aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting.

CSU: Stark in nördlichen Landkreisen - schwächer in Städten

Auf gut 40 Prozent kam die CSU in ganz Bayern - ein Wert, der in unserer Region in allen Landkreisen weit übertroffen wurde. Im Landkreis Altötting schaffte die CSU fast 50 Prozent. Die lokalen Hochburgen liegen in den Landgemeinden in den Kreisen Altötting und Mühldorf: 63,8 Prozent in Erharting waren der Rekord in der Region, aber auch in Reischach, Niederbergkirchen, Schönberg und Oberneukirchen - allesamt im Landkreis Mühldorf - kam die CSU auf über 60 Prozent. 


Eher schlecht sieht es für die CSU dagegen in manchen Städten aus: In Kolbermoor, Rosenheim und Traunstein blieb man unter 40 Prozent - und allen voran in Wasserburg, wo mit 33,8 Prozent das schlechteste CSU-Ergebnis in der Region verbucht werden musste. In Burghausen, Übersee, Freilassing oder Laufen schaffte man nur knapp die 40 Prozent.

Die Grünen: Hochburg in Stadt und Landkreis Traunstein

Unser Ticker zu den Folgen der Europawahl

Die Grünen schnitten in unserer Region etwas schlechter ab als in ganz Bayern (19,1 Prozent). Den größten Rückhalt haben die Grünen bei uns im Landkreis Traunstein, dementsprechend liegt das beste Grünen-Ergebnis auch hier: In der Stadt Traunstein wurden sie von 24,5 Prozent gewählt. Beachtliche Ergebnisse wurden auch in Wasserburg (24,1 Prozent), Bergen (23,6 Prozent) oder Prien (22,9 Prozent) eingefahren. 


Am flachen Land hapert es bei den Grünen dagegen noch eher. Vor allem in den Gemeinden des Landkreises Mühldorf sind Ergebnisse unter zehn Prozent keine Seltenheit: 5,4 Prozent in Oberneukirchen, 6,2 Prozent in Erharting, 7,3 Prozent in Niederbergkirchen. Vor allem im Landkreis Mühldorf fällt auf: Ist die CSU stark, sind die Grünen umso schwächer. 

SPD: Das Debakel ist bei uns noch schlimmer...

Die schlechten 9,3 Prozent in Bayern wurden in allen Landkreisen der Region nochmal unterboten: Vor allem im Kreis Mühldorf landen die Sozialdemokraten bei gerade mal 5,8 Prozent. In einer ganzen Reihe von Gemeinden der Region schafft die SPD gerade mal um die drei Prozent, zum Beispiel in Schönberg, Rattenkirchen oder Kirchdorf. In Pittenhart war sogar die Bayernpartei besser, Oberneukirchen bildet mit 2,6 Prozent das Schlusslicht.

Wo in der Region ist die SPD noch halbwegs verankert? Es sind gerade mal sechs Kommunen, in denen die SPD über zehn Prozent kommt: Wasserburg, Trostberg, Grassau, Vachendorf, Burghausen und Töging, wo mit 11,7 Prozent das beste Ergebnis eingefahren wurde. 

AfD: Bestes Oberbayern-Ergebnis im Landkreis Mühldorf

Die heimischen Landkreis-Ergebnisse der AfD liegen etwa im Bereich des bayernweiten Ergebnisses von 8,8 Prozent: Nur in den Kreisen Traunstein und Rosenheim lag man drunter. Absolute AfD-Hochburg war bei der Europawahl wieder Waldkraiburg mit fast 16 Prozent. Gute Ergebnisse gab es auch in Jettenbach, Mettenheim und Garching mit über 13 Prozent. In Freilassing, Traunreut und Kolbermoor wählten etwa elf Prozent die AfD. Der Landkreis Mühldorf fuhr zusammen mit dem Landkreis Pfaffenhofen sogar das beste AfD-Ergebnis in Oberbayern ein.

In einigen kleineren Gemeinden tut sich die AfD dagegen schwerer als in den Städten: Soyen, Wonneberg, Perach, Ramsau oder Erharting fallen hier auf, wo nirgendwo die fünf Prozent geknackt werden konnten. 

Freie Wähler, Bayernpartei, ÖDP, FDP und Die Linke

Die kleineren Parteien dürften sich bei den Europawahlen mehr ausgerechnet haben. Nur die Freien Wähler kamen über fünf Prozent. Enttäuscht sind sicher einige Anhänger der Bayernpartei und der ÖDP: Die Bayernpartei fuhr erst im Herbst 2018 bei der Landtagswahl teils recht gute Ergebnisse ein, die ÖDP bekam durch das Bienen-Volksbegehren keinen Rückenwind. 

Genaue Ergebnisse der Europawahl im:

- Landkreis Rosenheim

- Landkreis Traunstein

- Berchtesgadener Land

- Landkreis Altötting

- Landkreis Mühldorf

Die Freien Wähler kamen zumindest in vier Gemeinden über neun Prozent: Erharting, Kirchdorf, Wonneberg und Obertaufkirchen. Die FDP schaffte es noch in zwei Gemeinden über fünf Prozent, nämlich in Bayerisch Gmain und auf der Fraueninsel. In Höslwang, Jettenbach oder Wonneberg lagen die Liberalen dagegen rund um einen Prozentpunkt. Ähnlich bei der Bayernpartei: Um die fünf Prozent gab es in Frasdorf und Pittenhart, in weiten Teilen des Landkreises Altötting kommt man nur auf rund ein Prozent. Für die ÖDP gab es in der Region drei Lichtblicke mit über sieben Prozent: Wonneberg, Taching und in Lohkirchen sind es sogar zehn Prozent. Der Linkspartei bleibt nur noch ein "Leuchtturm" in der Region, nämlich Wasserburg, wo mehr als vier Prozent Die Linke wählten. In Traunstein waren es zumindest noch 2,9 Prozent, in Freilassing und Laufen 2,7 Prozent. Komplett leer ging man dagegen auf der Fraueninsel aus.

Die Mini- und Null-Prozent-Parteien

Welche Ergebnisse der Mini-Parteien stechen heraus? In Übersee wählten 2,1 Prozent die Tierschutzpartei, "Die Partei" ergatterte drei Prozent in Pittenhart. Völlig unbedeutend ist in der Region inzwischen die NPD, die das beste Ergebnis in Garching mit 0,5 Prozent erreichte. Auch die Piraten blieben blass: Ein Prozent in Haiming war hier noch das höchste der Gefühle. 

Ganz unten in der Beliebtheitsskala steht die Sozialistische Gleichheitspartei: Sie holte in den heimischen fünf Landkreisen gerade mal 16 Stimmen, im ganzen Landkreis Mühldorf wurde sie überhaupt nicht gewählt. Der vorletzte Platz gehört den Marxisten-Leninisten von der MLPD, die in der Region auf insgesamt 36 Stimmen kommen. 

Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war in der Region deutlich höher als bei der Europawahl 2014. Beispiel Landkreis Traunstein: Hier gingen nun fast 60 Prozent zur Stimmabgabe, 20 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Die mit Abstand höchste Wahlbeteiligung gab es auf der Fraueninsel mit 77 Prozent, gefolgt von Breitbrunn mit 71,8 Prozent und Kirchdorf mit 71 Prozent. Drei Orte fallen durch eine besonders niedrige Wahlbeteiligung auf: In Traunreut wählten 48 Prozent, in Waldkraiburg 44 Prozent und in Stammham gerade mal 30 Prozent. 

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