Mit rund 100 km/h durch die Oberpfalz

Güterzug auf Irrfahrt: Freilassinger Firma kündigt beiden Lokführern fristlos

Oberpfalz/Freilassing - Weil seine Bremsen nicht funktionierten bretterte ein Zug am Donnerstag stolze 100 Kilometer weit durch die Oberpfalz. Nur durch das geistesgegenwärtige Eingreifen der Fahrdienstleiter konnte Schlimmeres verhindert werden. Jetzt zog das Freilassinger Unternehmen K-Rail personelle Konsequenzen.

Update, 28. August, 14.39 Uhr - Bundespolizei ermittelt weiter

Am vergangenen Donnerstag rollte ein mit Holz beladener Güterzug mit 14 Waggons etwa 100 Kilometer ungebremst durch mehrere Bahnhöfe in der Oberpfalz. Wegen eines vermeintlichen Bedienfehlers beim Ankoppeln der Waggons waren die Bremsen defekt und durch das starke Gefälle kam der Zug erst im Naabtal im Landkreis Schwandorf wieder zum Stehen. 


Unterwegs war der Güterzug im Auftrag der Freilassinger Firma K-Rail GmbH, die auf Holztransporte spezialisiert ist. Dieser sollte vom tschechischen Eger nach Wiesau im Landkreis Tirschenreuth fahren. Geschäftsführer Gunther Pitterka schließt einen technischen Defekt weiter aus. Beide Fahrzeuge seien wieder im Einsatz, da sie von den Behörden freigegeben wurden. Pitterka hat dagegen beide Lokführer wegen fahrlässigen Verhaltens fristlos entlassen, sagte er gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Beim Anschließen der Bremsschläuche hätten die beiden Männer einen Fehler gemacht und anschließend den verpflichtenden Bremstest nicht durchgeführt. Deshalb seien die defekten Bremsen unentdeckt geblieben.

Kein vergleichbarer Vorfall in den vergangenen Jahren


Die Bundespolizei ermittelt weiter wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Auch die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchung wurde nach Informationen unseres Partnerportals merkur.de eingeschaltet. Da aber kein schwerer Unfall passiert ist, wurde eine formale Untersuchung nicht eingeleitet. An einen vergleichbaren Vorfall können sich die Ermittler in der jüngeren Bahngeschichte in Bayern nicht erinnern.

Erstmeldung

Hundert Kilometer weit bretterte ein Güterzug einer Privatfirma am Donnerstag ungebremst durch die Oberpfalz, bis er schließlich zum Stehen gebracht wurde. Offenbar waren die Bremsen außer Kraft und so konnte das Fahrzeug nicht mehr auf regulärem Weg angehalten werden, berichtet der Bayerische Rundfunk. Beinahe 2.000 Tonnen brachte der mit Holz beladene Güterzug auf die Wage. 

Der Grund für die Geisterfahrt

Es handelte sich um zwei Diesel-Lokomotiven von unterschiedlicher Bauart, berichtet unser Partnerportal merkur.de. Eine Lok sei ein Siemens-Euro-Runner ER 20, die zweite eine Güterzuglok von Vossloh G 1700. Die Loks haben für das Freilassinger Unternehmen K-Rail Gmbh Holz für die Salzburger Eisenbahn Transportlogistik GmbH transportiert. Der Zug war vom tschechischen Eger nach Wiesau unterwegs, als deutlich wurde, dass die beiden Lokführer vermutlich durch einen Bedienfehler die Bremsen außer Kraft gesetzt hatten. 

Beim Aneinanderkoppeln der beiden Loks und dem Verbinden der Bremsschläuche sei vermutlich ein Fehler unterlaufen, auch eine vorgeschriebene Bremsprobe sei nicht durchgeführt worden, so der Merkur. Mit sage und schreibe 100 Stundenkilometern soll das Fahrzeug daher ungebremst durch die Oberpfalz gerast sein und dabei mehrere Bahnhöfe durchfahren haben. 

Fahrdienstleiter reagierten geistesgegenwärtig

Die zuständigen Fahrdienstleiter reagierten geistesgegenwärtig und stellten alle nötigen Signale auf grün, wodurch ein Unfall verhindert wurde. Zwischen Nabburg und Schwarzenfeld sei der Zug schließlich ausgerollt und stehen geblieben. 

Günther Pitterka, Geschäftsführer des Unternehmens K-Rail GmbH in Freilassing sprach merkur.de gegenüber von einer "Fehlhandlung zweier Lokführer", welche sich nicht an die Vorschriften gehalten haben. Um ein technisches Versagen handle es sich bei dem Vorfall nicht, bereits am Donnerstag seien die Lokomotiven wieder freigegeben worden. Die entsprechenden Mitarbeiter seien freigestellt worden, gegen sie werde nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Details wollte die Bundespolizei laut BR nicht bekannt geben, da die Ermittlungen noch andauern. 

Weil kein schwerer Unfall passierte, habe sich die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchung gegen eine formale Untersuchung entschieden. 

jv

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