Interview mit Dr. Wolfgang Bachleitner

Öko-Aliens unter uns: Eine stille Invasion krempelt Südbayerns Tierwelt um - die Folgen sind dramatisch

Collage verschiedener Neozoen
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Hallo, wir sind die Neuen: Vor allem Waschbär (linkes oberes Eck), asiatischer Marienkäfer (oben Mitte), Nilgans (linkes unteres Eck) und Signalkrebs (unten Mitte) wirbeln Südbayerns Tierwelt ordentlich durcheinander.

Landkreis - Im südlichen Oberbayern findet zur Zeit eine stille Invasion statt. Schleichend und teils fast unbemerkt verändert sie unsere Tierwelt in dramatischem Ausmaß. Die Konsequenzen sind allerdings weitreichend - invasive Arten gefährden die Gesundheit und sorgen für wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Wir haben mit Dr. Wolfgang Bachleitner von der FOS/BOS Rosenheim über die Situation gesprochen.

Nur wenige wissen es, doch der Karpfen, der Höckerschwan und unsere Hauskatze haben etwas gemeinsam. Fürs Erste mag dies unlogisch klingen. Aber alle drei teilen eine Geschichte - und die beginnt nicht in heimischen Gewässern oder Wäldern. Denn die genannten Tierarten wurden hierher gebracht und angesiedelt. Selbst die Hauskatze hat mit den heimischen Wildkatzen nur wenig am Hut, stammen unsere Stubentiger doch von der Falbkatze ab. Und die ist in Nordafrika beheimatet.

Ihre Geschichte verleiht Schwan, Karpfen und Hauskatze kein Alleinstellungsmerkmal. Viele Tierarten kommen neu nach Deutschland - und es werden immer mehr. Und sie sind gekommen um zu bleiben. Denn eine große Anzahl der Neuankömmlinge fühlt sich wohl in unseren Gefilden - fast schon zu wohl.

Schließlich füllen die tierischen Einwanderer - von Biologen als „Neozoen“ bezeichnet - nicht nur vorhandene „Lücken“ in der heimischen Artenwelt auf. Sie verdrängen angestammte Arten, sie sorgen für massive wirtschaftliche Schäden - wie etwa die Beispiele der gefräßigen spanischen Wegschnecke und des Asiatischen Moschusbockkäfers zeigen - und schleppen hochgefährliche Krankheiten ein. Diese Neozoen werden als „invasive Arten“ bezeichnet.

Wir haben mit dem Diplom-Biologen, Gymnasiallehrer und promovierten Zoologen Dr. Wolfgang Bachleitner, der an der FOS/BOS Rosenheim Fachbereichsleiter für Chemie und Biologie ist, über die brisante Thematik gesprochen.

Herr Dr. Bachleitner, was ist eigentlich ein Neozoon?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Das Wort Neozoen - oder in der Einzahl Neozoon - geht auf das Jahr 1492 zurück, als Columbus Amerika entdeckt hat. Seitdem wird der Begriff für Tierarten angewandt, die in neue Gebiete wandern oder eingeschleppt werden. In Deutschland sind derzeit zirka 1300 bis 1350 Neozoen nachgewiesen. Dazu kommen noch unglaublich viele Parasiten, die bedingt durch den Klimawandel in jüngster Zeit zu uns kommen.

Hallo, wir sind die Neuen: Das sind Südbayerns Neozoen

Amerikanischer Signalkrebs
In den südbayerischen Landkreisen breiten sich mehrere Neozoen aus. Wir möchten einige davon vorstellen. Den Anfang macht der amerikanische Signalkrebs. Er setzt den heimischen Edelkrebsen ordentlich zu - überträgt er doch die Krebspest.  © Marcus Führer/dpa
Ein Flamingo badet im Wasser
Der chilenische Flamingo fühlt sich am Chiemsee pudelwohl. Die Prachtexemplare stammen ursprünglich wohl aus einer privaten Haltung in Salzburg. © Daniel Karmann/dpa
Viele asiatische Marienkäfer
Auch ein Neozoon: Die asiatischen Marienkäfer sind deutlich bunter als ihre europäischen Gegenparts - und leider auch wesentlich resistenter. Zudem übertragen sie einen Parasiten, der für unsere Marienkäfer tödlich ist.  © Lajos Nagy
Ein Marderhund
Sieht aus wie ein Waschbär - ist aber ein Marderhund. Er stammt ursprünglich aus Sibirien. Zigtausende dürften inzwischen in Deutschland heimisch sein.  © Julian Stratenschulte/dpa
Asiatische Tigermücke sticht zu
Sie ist schön - und außergewöhnlich gefährlich. Aufgrund der milden Winter kann die Asiatische Tigermücke bei uns Fuß fassen. Sie überträgt das hochgefährliche Zikavirus. © James Gathany/CDC/dpa
Zwei Nilgänse und ein Nutria
Neozoen unter sich: Ein Nutria scheint zwei Nilgänse zu begrüßen. Nilgänse gelten als aggressiv - was vor allem Enten und andere Vögel zu spüren bekommen.  © Frank Rumpenhorst/dpa
Ein Grauhörnchen auf einer Wiese
Sie drängen von Italien zu uns: Amerikanische Grauhörnchen. Sie vertreiben die heimischen Eichhörnchen aus ihren Revieren. Achtung! Entgegen der weitläufigen Meinung handelt es sich bei schwarzen Eichhörnchen nicht um eine zugewanderte Art - es handelt sich lediglich um eine Farbvariante der heimischen roten Eichhörnchen.  © Tim Brakemeier/dpa
Ein Waschbär auf einem Baum
So, jetzt aber wirklich zum Waschbären: Das nachtaktive Tier hat schon in weiten Teilen unserer Region Fuß gefasst. Er hat sich derart stark vermehrt, dass er schon als einheimisch gilt.  © Uwe Zucchi
Ein Nutria auf einer Wiese
Was aussieht wie eine Kreuzung aus Biber und Ratte, ist ein Nutria. Die Art richtet keine nennenswerten Schäden an. Die Nagetierart stammt ursprünglich aus Südamerika © Julian Stratenschulte/dpa

In der FOS/BOS wird in Seminaren auch die Thematik der Neozoen erörtert, es werden auch Seminararbeiten verfasst. Wo liegt der Fokus – und wo liegen die Forschungsschwerpunkte der Schüler? Warum überhaupt das Thema Neozoen, worum geht es darin?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Grundsätzlich steht das Thema „Neozoen“ nicht explizit im Lehrplan. Allerdings hat sich die Thematik im Rahmen meines Seminars „Artensterben im Anthropozän“ - also im Menschenzeitalter - ergeben. Denn der Klimawandel beschleunigt einerseits zwar das Artensterben heimischer Arten (sog. endemischer Arten), andrerseits ermöglicht er es auch Tierarten aus wärmeren Regionen, neue Gebiete zu besiedeln. Dazu verfassen momentan zwei Schülerinnen Seminararbeiten. Dabei geht es um bewusst und unbewusst integrierte Tierarten unserer Heimat.

Dr. Wolfgang Bachleitner befasst sich intensiv mit dem verschwinden von Arten im Anthropozän.

Können Sie das bitte kurz ausführen?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Bewusst integriert wurde etwa die nordamerikanische Regenbogenforelle ,ein beliebter, mittlerweile meistverkaufter, schnellwachsender Speise(zucht)fisch. Diese ist mittlerweile in vielen Gewässern auch als begehrter Angelfisch auffindbar.

Unbewusst integriert wurde der Asiatische Moschusbockkäfer. Jeden Morgen, wenn ich in die Arbeit fahre, sehe ich die Quarantänezone-Schilder am Straßenrand. Der Umstand allein besagt bereits, dass eine große Gefahr von der Tierart ausgeht. Die Asiatischen Moschusbockkäfer kommen über Frachtkisten bei uns an. Normalerweise sind die Spediteure dafür verantwortlich, dass diese Kisten erhitzt oder begast werden, damit da keine tierische Fracht mitgeliefert wird. Trotzdem gibt es immer wieder Ausbrüche, und die Tiere werden in unseren Gefilden nachgewiesen. Die Schäden, welche das Tier an Gehölzen anrichtet, sind gewaltig - vor allem in Obstplantagen. Es kann hier sogar zu Totalverlusten kommen. Wegen einer mit dem Moschusbockkäfer verwandten Art mussten in Salzburg und auch im Münchner Raum ganze Gärten abgeholzt werden.

Sie haben eingangs das Thema des Klimawandels angesprochen: Lässt sich grob abschätzen, wie viele Tierarten noch zu uns kommen werden? Wird die von Ihnen genannte Zahl exorbitant steigen?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Eine genaue Zahl ist ganz schwer zu nennen. Hier ist vor allem zwischen sporadisch auffindbaren Einzeltieren zu unterscheiden, beispielsweise dem Goldschakal - und Tiergruppen, die sich dann tatsächlich etablieren. Manche tropische Mückenarten etwa schaffen es bereits, die immer milder werdenden Winter zu überstehen, beispielsweise die Malaria-Mücke, die Sandmücke oder Asiatische Tigermücke.

Das heißt, es wird in Zukunft möglich sein, sich hier in Deutschland mit Malaria zu infizieren?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Ja, und es gibt schon nachweislich Infektionen - auch in Süddeutschland. Im Breisgau haben sich Menschen mit Malaria infiziert, und es handelte sich definitiv nicht um ein „Urlaubsmitbringsel“. Diese Personen haben Malaria in Deutschland bekommen - eben weil bereits Populationen dieser Mücken da sind!

Muss die Ankunft eines Neozoon automatisch negativ sein? Schwäne etwa oder Karpfen scheinen sich ja gut bei uns eingefügt zu haben.

Dr. Wolfgang Bachleitner: Nein, eine Neuankunft eines Neozoons muß nicht immer mit negativen Folgen behaftet sein. Beispielsweise die Rosskastanienminiermotte, zwar eine Geisel für die Kastanie, aber die Raupen der Motte sind ein Segen für mehrere Meisenarten, die immerhungrige Küken füttern müssen.

Aber es gibt leider noch die negativen Beispiele....

Dr. Wolfgang Bachleitner: Ja, und die sind dann halt meist aufgrund der mit ihnen verbundenen Konsequenzen am auffallendsten. Neben den erwähnten Mücken- und Käferarten trifft das auch für die Schwarzmeergrundel zu. Eingeschleppt wurde sie vor allem über die Ballasttanks von Schiffen. Die Grundel sorgt für dramatische Schäden, und verändert durch ihre räuberische Art das Artenspektrum im Süßwasser massiv. Dieses Tier kommt über den Inn auch in unsere Gewässer. So wird sie zum Problem in den Landkreisen des südlichen Oberbayerns. Neozoen wie die Schwarzmeergrundel sind sog. Generalisten, die sich durch ihre enorme Anpassungsfähig rasant in einem Biotop etablieren und rasch reproduzieren.

Es ist bekannt, dass viele Spezies durch die letzte Eiszeit aus Zentraleuropa gedrängt wurden. Handelt es sich bei der (Wieder-)Ausbreitung gewisser Arten nicht zum Teil auch um einen natürlichen Prozess? Und wo ziehen wir die Grenze zwischen „gewollter“ und „nicht gewollter“ Einwanderung von Arten?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Das ist schwer zu beantworten, und hier gilt es sehr stark zu differenzieren. Im Grunde muss man die dahinterstehende natürliche Dynamik beachten. Zugvögel etwa, die afrikanische Zecken im Gefieder haben, welche dann hier aufgrund des Klimawandels überleben können. Wie sich anhand dieses Beispiels zeigt, kann die Einwanderung für sich genommen natürlich sein, auch das Beispiel des Goldschakals könnte man diesbezüglich anführen. Dass diese Arten dann tatsächlich aufgrund menschgemachter klimatischer Bedingungen dauerhaft überleben können, ist neu.

Neben dieser Art der Einwanderung gibt es auch noch die vom Mensch gemachte - Tiere, die im Gepäck zu uns kommen oder sogar bewusst ausgesetzt werden.

Um die Frage zu beantworten: Es ist zunächst bei jeder Art schwer zu sagen, ob sie invasiv ist - also gefährdend für das Ökosystem - oder nicht. Das muss von Fall zu Fall überprüft werden. Ein Großraubtier richtet sichtlich zu oft größere Schäden an, aber auch kleine Arten - hier seien Parasiten genannt - können zum Erlöschen ganzer Populationen von Wirtsorganismen führen.

Gibt es dafür Beispiele?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Bei Wildtieren beobachten wir vermehrt das Auftreten von Babesiose und afrikanischem Leberegel. Die parasitäre Belastung wird also spürbar steigen.

Um auf den Klimawandel zu sprechen zu kommen: Welche in Südbayern heimischen Arten sind am meisten davon gefährdet, ersetzt zu werden?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Vor allem Tierarten, die sich seit der Eiszeit etabliert haben. Ich habe vorher von den Generalisten gesprochen. Im Gegensatz dazu gibt es noch die Spezialisten - Tierarten, die sich ganz spezifisch an ihre Umwelt angepasst haben. Diese werden massive Probleme haben, mit den geänderten Umweltbedingungen umzugehen. Man denke nur an Schneehuhn und Schneehase, mit ihrem Fell- beziehungsweise Gefiederwechsel von dunkel auf „schneeweiß“ und umgekehrt. Hier kann der evolutive Vorteil durch eine Anpassung an die Umwelt schnell zum Nachteil werden, wenn im Winter kein Schnee mehr fällt und der vermeintliche „Tarnanzug“ im Schnee plötzlich für Beutegreifer kilometerweit sichtbar ist…..

Die heimischen Spezialisten werden folglich die großen Verlierer sein. Andere und neu zugewanderte Arten können dann diese Nischen einnehmen und sich etablieren. Eine grundsätzlich natürliche Dynamik, welche durch den Klimawandel beschleunigt wird.

Findet dieser Prozess bereits statt? Werden diese Tierarten bereits ersetzt?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Nicht unbedingt durch zugewanderte Tierarten - aber in Bezug auf das Schneehuhn lässt sich beobachten, dass andere Hühnervögel bereits in höheren Lagen vorkommen und die vorhandenen ökologischen Nischen besetzen. Allgemein ausgedrückt lässt sich sagen, dass die (hoch-)alpinen Spezialisten die großen Verlierer der kommenden Entwicklung sein werden.

Anders gesagt, die Artenvielfalt wird weiter abnehmen.

Dr. Wolfgang Bachleitner: Nicht unbedingt. Ich denke sogar, dass wir einen Zuwachs an Arten bekommen werden. Mehr Arten aus südlichen, wärmeren Gebieten werden Platz finden. Man weiß ja, dass wir im wärmeren Balkanraum mithin die höchste Artendichte in Europa haben, und tendenziell eine erhöhte Artenwanderung aus dieser Region zu verzeichnen ist. Wir werden aber bei uns heimische Arten verlieren. Diese Dynamik ist nicht aufzuhalten. 

Was nicht vergessen werden darf: Auch der parasitäre Druck steigt auf die Spezialisten immer mehr. Zecken, und vermehrt in der Aussenwelt wärmeliebende Parasiten wie beispielsweise der rote Magenwurm sind in immer höheren Lagen auffindbar - was früher undenkbar gewesen wäre. Und damit steigt auch der parasitäre Druck auf die alpinen Wirtsorganismen - die damit dann schlecht- oder gar nicht fertig werden, weil Sie dieser parasitären Bedrohung noch nie ausgesetzt waren. Ein Anpassen des Immunsystems des Wirts an den Parasiten erfolgte daher noch nicht. Lokal bewirkt das derzeit beispielsweise erhebliche Populationseinbrüche beim Gamswild (Gemsen) durch den roten Magenwurm.

Was unterscheidet diesen Veränderungsprozess in der Tierwelt von früheren?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Die neue Situation ist, dass Menschen neue Lebensräume schaffen. Hier möchte ich nochmals auf die Schwarzmeergrundel verweisen. Diese Fischart schaffte es Steinschüttungen, die an fast allen Flüssen als Uferbegrenzung dient, als Lebensraum zu nutzen. Sie fühlt sich geradezu pudelwohl in den Spalten zwischen den Steinen. Die Schwarzmeergrundel hat also einen ungeheuren Vorteil gegenüber einheimischen Fischarten, was ihren Siegeszug bereitete. In manchen Gewässern ist sie bereits die dominante Spezies. Unsere Wasserwelt erfährt dramatische Änderungen durch sie, weil sie als klassischer Laichräuber den Bestand unserer Fische erheblich dezimiert.

Eine Kessler-Grundel: Eine der fünf invasiven Grundelarten, die aus der Schwarzmeerregion stammen. Die Grundeln werden im deutschsprachigen Raum zusammenfassend als „Schwarzmeergrundeln“ bezeichnet.

Welche Neozoen haben sich in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting angesiedelt? Können Sie hierzu ein paar Beispiele nennen?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Ich würde zur Beantwortung der Frage gerne nach Wasser, Land und Luft unterscheiden. Im Wasser hat sich der amerikanische Signalkrebs angesiedelt, der den heimischen Edelkrebs verdrängt: Denn der Krebs ist von einem Parasiten befallen, der die Krebspest auslöst. Dem europäischen Edelkrebs macht die Krebspest allerdings erheblich zu schaffen. Die Krankheit ist dabei, unsere Krebse weitgehend auszurotten. Ebenso neu in unseren Gewässern ist die Dreikantmuschel, welche etwa im Chiemsee anzutreffen ist.

An Land treffen wir immer öfter den asiatischen Marienkäfer an, der sich optisch deutlich vom heimischen unterscheidet oder die Roßkastanienminiermotte, die sichtlich die Kastanien im Sommer braun werden lässt. Speziell auf die Gruppe der Säugetiere bezogen sind Waschbär, Nutria, Marderhund und Goldschakal anzuführen. Und ein prominentes Beispiel bei den Vögeln wäre die Nilgans, welche zu einer großen Bedrohung wird. Sie verteidigt ihre Nistplätze äußerst aggressiv, darunter leiden unsere Enten und andere Vogelarten.

Durch meine Kontakte zur Autobahnstraßenmeisterei weiß ich auch, was nächtens und meist verborgen bei uns in den Landkreisen so alles unterwegs ist. Viele Tiere werden Verkehrsopfer, natürlich auch Neozoen. Das öffnet einem dann schon die Augen.

Wie sieht die Situation am Chiemsee aus? Der soll ja geradezu ein „Neozoen-Hotspot“ sein?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Neben den Tieren im Wasser sind verschiedene Vogelarten zu nennen, welche teilweise aus Tierparks entflohen sind und sich etabliert haben. Flamingos beispielsweise, denen es hier gefällt. Auch Pelikane wurden gesichtet.

Noch immer sind viele Neozoen problemlos in Zoo- und Tierhandlungen erhältlich. Wo liegt hier meine Verantwortung als Kunde? und wo jene des Gesetzgebers?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Wenn man will, kann man so gut wie jedes Tier erhalten - Stichwort Internet-Handel und Reptilienbörsen. Für die Behörden ist es unglaublich schwer umfassend zu kontrollieren, gerade was hinter den eigenen vier Wänden an Tieren gehalten wird, ist und bleibt meist im Verborgenen. Die Probleme beginnen dann, wenn die Tiere ausgesetzt werden. So wurden am Rhein Piranhas gefunden. Diese sammeln sich dort in einem Bereich, in welchem ein Kraftwerk sein Kühlwasser ableitet.

Was ist zu tun, wenn ich ein Neozoon in freier Wildbahn antreffe?

Dr. Wolfgang Bachleitner: Das hängt davon ab. Einen Seidenreiher braucht niemand melden. Anders liegen die Dinge beim Moschusbockkäfer, der muss unbedingt dem Landratsamt gemeldet werden.

Herr Dr. Bachleitner, vielen Dank für das Gespräch!

-dp-

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