OEZ-Prozess gegen Waffenhändler in München

Vater fassungslos: "Acht Monate für jeden der Morde sind zu wenig!"

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München - Philipp K. hat eingeräumt, die Waffe für den Amokläufer von München beschafft zu haben. Ihm droht eine lange Haftstrafe. Bei den Angehörigen der Opfer werden im Prozess alte Wunden aufgerissen:

Im Strafprozess gegen den Waffenbeschaffer des Münchner Amokläufers hat ein Vertreter der Nebenklage eine Haftstrafe von mindestens elf Jahren gefordert. Dem 33-jährigen Philipp K. werden unter anderem illegaler Waffenhandel, fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Wie unser Partnerportal tz.de berichtet seien sich sowohl Staatsanwalt als auch Nebenkläger einig: Auch Philipp K. ist schuld daran, dass neun Menschen bei dem Amoklauf am OEZ starben. Sie sollen wiederholt eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord gefordert haben. Denn K. hatte sich zweimal mit dem Amokläufer getroffen, der dabei laut Ermittlern Tatpläne äußerte: „Kanaken“ wolle er erschießen. Und: „Ich brauche etwas, mit dem ich sofort losballern kann.“

Nebenklagevertreterin Claudia Neher plädierte laut unserem Partnerportal tz.de auf mindestens zehn Jahre: „Die Angehörigen kämpfen nicht um Rache, sondern darum, im Leben klarzukommen.“ Sie forderte sogar Sicherungsverwahrung. Allein die Strafe für die Waffen- und Munitionslieferung dürfe nicht unter 12,5 Jahren liegen, so die Nebenklagevertreterin. 

Der Angeklagte habe nach dem Motto gehandelt: "Was kümmert mich das Leid der anderen - Hauptsache, der Umsatz stimmt", sagte ein weiterer Rechtsanwalt eines der Opfer am Montag am Landgericht München I. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am vergangenen Mittwoch plädiert und eine Haftstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten gefordert. Smajl Segashi, dessen Tochter Armela bei dem Amoklauf getötet wurde, rügte die Forderung der Staatsanwaltschaft: „Für zwei Minuten würde ich gerne mit Ihnen tauschen. Damit Sie verstehen, dass acht Monate für jeden der neun Morde zu wenig sind.“ Unter Tränen fügte er hinzu: „Wie wenig wert kann ein Leben nur sein?“ 

Am Freitag folgen weitere Plädoyers – auch die der Verteidiger.

Der Angeklagte aus Marburg (Hessen) hatte zu Prozessbeginn zugegeben, dass er die Schusswaffe verkauft hatte, mit der der 18-jährige David S. am 22. Juli 2016 am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und sich selbst tötete. Mehr als 15 Rechtsanwälte vertreten rund 25 Angehörige der Opfer in dem Prozess. Ein Urteil wird erst in den nächsten Verhandlungstagen erwartet.

mh mit Material der dpa

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