"Ohne Schotter fällt alles zusammen"

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Burghausen - Bayern und Österreich arbeiten seit Jahren gemeinsam an der Sanierung der Salzach. Jetzt will unser Nachbar aus den Plänen aussteigen. Sie seien nicht mehr nötig.

Österreichs Umweltminister Dr. Nikolaus Berlakovich

Die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach kann die Äußerung des österreichischen Umweltministers Dr. Nikolaus Berlakovich kaum fassen: "Da wird nur versucht zu sparen," klagt Aktionsgemeinschafts-Sprecher Gerhard Auer gegenüber Innsalzach24.

Zweite Rampe sei nicht mehr nötig

Es geht um den Bereich der Unteren Salzach. Hier soll eine zweite Rampe gebaut werden, die helfen soll, das Wasser zu stauen, damit es wieder weiter über die Ufer tritt und von dort mehr Kies mitführen kann. Denn dieser Kies ist wichtig, um die Ufer-Struktur entlang der Salzach in einem festen Zustand zu bewahren. Eine erste Rampe hat einer neuen österreichischen Studie zufolge nun aber schon einigen Erfolg gebracht. "Auf diese Studie beruft sich Berlakovich. Im Planbereich 1 will er jetzt auf den Bau der zweiten Rampe verzichten, weil der Erfolg der ersten Rampe ausreichend sei", erklärt Auer.

Nur das Geld im Fokus

Das Problem: Laut Auer und dem zuständigen Institut habe die Studie keinerlei Rechtsverbindlichkeit. Die Forscher hätten lediglich versucht, Optimierungen für die Sanierung zu erarbeiten. "Aber da geht's eben nur um Optimierungen in finanzieller Hinsicht", so Auer. An ökologische Folgen denke niemand. Deshalb ist die Äußerung Berlakovichs zum Ausstieg aus der Sanierung für Auer "ein politischer Schnellschuss".

Zockender Baron Grund für den Ausstieg?

Würde das Vorhaben wie ursprünglich geplant fortgesetzt, entstünden Kosten in der Größenordnung von 35 Millionen Euro. "Mit der neuen Studie könnte man das Ganze schon mal halbieren", so Auer. Der Sprecher der Aktionsgemeinschaft hat auch einen Verdacht, wo der plötzliche Spargedanke Berlakovichs herrühren könnte. "Die Sanierung der Salzach ist vor allem in Österreich viel mit dem Aufkauf der betroffenen, angrenzenden Grundstücke verbunden", erklärt er uns. "Und viele von denen gehören einem gewissen Baron Mayr-Melnhof - der bei den Preisen seines Grund und Bodens schlichtweg zockt", mutmaßt Auer. "Und das wird den Österreichern zu teuer, das versuchen die zu umgehen!"

"Auch in Burghausen wird's ohne den Schotter mal brenzlich werden!"

Noch ist genug Kies am Salzach-Ufer in Burghausen

Der Hintergrund der Sanierung: Seit Jahrzehnten wird die Salzach zur Autobahn hin begradigt und kanalisiert. Sie wird schlichtweg zu eng und zu gerade und dadurch fehlen ihr Ufermeter, von denen das Wasser selbst Kies und Gestein abtragen und mit sich mitführen kann. Das führt zur sogenannten Tiefererosion. Zwischen 1990 und 2000 hat Österreich und Bayern gemeinsam Untersuchungen angestellt und in 2003 mit der Sanierung der Salzach begonnen. Oberhalb von Laufen entstand in der Zeit eine 5 Kilometer lange Rampe, die dafür sorgt, dass sich das Wasser an ihrem Ende staut - so wird Geschwindigkeit aus der Strömung genommen und der Fluss kann sich ausbreiten - und wieder mehr Kies mitführen."Woran viele nicht denken: Auch in Burghausen bildet die Substanz vom Salzach-Ufer die Grundlage für Häuser und Straßen," gibt Auer zu bedenken. Wenn der Kies fehlt, fehlt es irgendwann an Substanz." Studien zufolge würde das - wenn nichts dagegen getan wird - bereits in 10 Jahren im Tittmoninger Becker anfangen und sich danach weiter über Nonnreit nach Burghausen ziehen.

"Wir sind alarmiert - hoffentlich werden Gespräche helfen!"

Die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach hat sich bereits mit Berlakovich in Verbindung gesetzt und ihn zu einem klärenden Gespräch aufgefordert - "bislang haben wir aber leider noch nichts gehört", so Auer. Bereits am 13. September soll ein Gespräch mit einem FDP-Politiker erfolgen, "der für uns bisher immer ein offenes Ohr hatte", berichtet Auer. "Wir werden das so jedenfalls nicht hinnehmen", verspricht er. "Die finanzielle Geschichte mal dahin gestellt. Aber es geht hier auch um ökologische Gesichtspunkte. Die Tier- und Pflanzenwelt braucht ein weiches Ufer, wo das Wasser auch mal drüber schwappt - so kann sich überhaupt erst Leben bilden." Und außerdem: Auch für den Menschen könne ein schöner Fluss mit einem schönen Ufer ein idyllischer Erholungsort sein.

ds

Quelle: innsalzach24.de

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