Dr. Bartl Wimmer: „Entscheidung rechtlich und sportpolitisch verfehlt“

Olympia 2026 am Königssee: Kreistag gibt grünes Licht für Kunsteisbahn

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Die Deutsche Post Arena am Königssee

Bad Reichenhall – Bei einer Bewerbung von Graz und Schladming für die Olympischen Winterspiele 2026 wird der Landkreis – mit Zustimmung des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland – die Kunsteisbahn Königssee für die Ausrichtung bereitstellen. Das beschloss der Kreistag mit elf Gegenstimmen, die aus dem Lager der Grünen- und der ödp-Fraktion kamen. Landrat Georg Grabner betonte, dass im Falle einer Ausrichtung „keinerlei anfallende Kosten übernommen werden.“

Die steirischen Städte Graz und Schladming werden sich voraussichtlich für die Olympischen und Paralympischen Spiele in acht Jahren bewerben, als Initiative „Austria 2026“. Die beiden Städte beabsichtigen, in erster Linie vorhandene Infrastruktur und bestehende Sportstätten in das Bewerbungskonzept aufzunehmen und hatten deshalb beim Landkreis als Träger der Kunsteisbahn am Königssee angefragt, ob diese für die olympischen Wettbewerbe Bob, Skeleton und Rennrodeln im Bewerbungskonzept berücksichtigt werden könnten. 

Ebenfalls in das Konzept eingebunden wird die Eisarena in Inzell. Hierzu gab es bereits ein positives Votum. Für Landrat Grabner ist eine Bereitstellung selbstverständlich, immerhin habe man am Königssee eine „topmoderne Bahn“. Was er aber kategorisch ausschloss, ist „eine finanzielle Beteiligung des Landkreises.“ Selbst bei möglichen Investitionen, die im Zuge der Olympischen Spiele anfielen, werde er sich „unter keinen Umständen“ beteiligen. Hierzu plant der Landkreis-Chef Verträge ausarbeiten zu lassen, die dies klar festlegen. „Wir werden kein Risiko eingehen“, sagte er. Wie bereits im Kreisausschuss schloss Grabner aus, in eine mögliche Bewerbungs- und Organisationsgesellschaft eintreten zu wollen. 

Der Landkreis hatte bereits in einem Vertrag im Jahr 1971 festgelegt, die gesamte Verwaltung, die Geschäftsführung und den Unterhalt der Kunsteisbahn Königssee, samt aller Nebenanlagen – an den Bob- und Schlittenverband für Deutschland zu übertragen. Von BSD-Seite gibt es bereits Zustimmung zur Bereitstellung der Kunsteisbahn. Im Sportstättenkonzept einer Olympiabewerbung für 2026 sollen nach derzeitigen Informationen mehrere Orte aufgenommen werden, darunter Graz (Host City mit Eiskunstlauf, Short Track, Eishockey und Curling), Schladming (Ski Alpin), Ramsau und Bischofshofen (Nordische Bewerbe), Hochfilzen (Biathlon-Bewerbe), St. Georgen am Kreischberg (Ski Freestyle, Snowboard), Inzell (Eisschnelllauf) sowie Schönau am Königssee (Bob, Skeleton und Rennrodeln). 

Siebter Versuch um eine Olympiabewerbung

Richard Lenz von den Freien Wählern sagte, dass man mit Graz und Schladming „grüne Spiele“ erwarten könne. Immerhin müsste nichts neu gebaut werden. Im Schönauer Gemeinderat war das Ergebnis einstimmig ausgefallen, selbst der Grünen-Gemeinderat Luca Guscelli hatte sich dafür ausgesprochen, die Bahn zu vermieten. „Wir haben gesehen, dass bei uns Großveranstaltung perfekt aufgehoben sind, die Weltmeisterschaft am Königssee hat das bewiesen“, sagte Lenz. Grünen-Kreisrat Dr. Bartl Wimmer attestierte dem Landkreis „ein gewisses Suchtverhalten“: Zum siebten Mal versuche man nun sein Glück, bei Olympischen Spielen dabei zu sein: „Am Ende scheiden wir immer als Erster oder Zweiter aus.“ 

Wimmer erinnerte daran, dass selbst bei möglichen Spielen in Innsbruck, obwohl bereits alle Sportstätten vorhanden sind, mit Kosten in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gerechnet werden müsste. Außerdem habe die Steiermark „keinen finanziellen Spielraum“, so Wimmer, der den steirischen Finanzlandesrat zitierte. Die Bewerbung sei alles andere als „seriös“. Für Wimmer ist es nicht verständlich, „wieso Ihr Euch immer eine blutige Nase holt und jedes Mal wieder mit dem Kopf durch die Wand rennt.“ Geht es nach ihm, dürften demokratische Staaten das Internationale Olympische Komitee, dessen Verhalten er als „sittenwidrig“ bezeichnete, nicht unterstützen. 

Kreisrat Dr. Bartl Wimmer: „Entscheidung rechtlich und sportpolitisch verfehlt“

Selbst Rennrodellegende Georg Hackl habe sich kritisch in dieser Thematik geäußert. In seinem Plädoyer bezeichnete Wimmer die Entscheidung als „rechtlich und sportpolitisch verfehlt.“ Landrat Grabner entgegnete Wimmer, „dass es absurd wäre, wenn die Ausrichterstädte für 100 Millionen Euro eine neue Bahn bauen müssten.“ SPD-Kreisrat Hans Metzenleitner ist der Meinung, „dass es ein Treppenwitz der Kommunalgeschichte wäre, solch eine Bahn nicht zur Verfügung zu stellen“ - trotz des „demokratieunverträglichen IOC-Gremiums“. Olympische Spiele per se abzulehnen, sei verkehrt, zumal der „sportliche Gedanke in diesen schwierigen Zeiten wichtig ist.“ 

ödp-Kreisräting Agnes Thannbichler kritisierte die Entscheidung: „Uns liegen keinerlei Unterlagen vor.“ Das IOC sei ein „schlimmer Verein“. Thannbichler sprach den möglichen Winterspielen „einen Mehrwert für die Region“ ab. Eine solche Großveranstaltung hätte heutzutage, und unter diesen Umständen, keinen Platz mehr. Sylvester Enzinger befürwortete die Bereitstellung der Bahn, auch FDP-Kreisrat Armin Nowack sprach sich dafür aus, „Sport verbindet“, sagte er. Das IOC würde nicht sonderlich beeindruckt sein, wenn „wir uns jetzt dagegen auflehnen.“ 

Grünen-Rat Franz Eder, selbst begeisterter Freizeitsportler, sagte, „dass die Idee von den Veranstaltern zerstört wurde.“ Für ihn verbiete es sich, sich mit dem IOC „im Verborgenen zu treffen.“ Für Bernhard Heitauer wäre die Bereitstellung der Bahn eine Art „Adelung“, immerhin kommen aus der Region so viele erfolgreiche Sportler wie nirgendwo sonst. „Ich sehe das als Chance.“ Am Ende stimmte der Kreistag mit elf Gegenstimmen dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu, die Kunsteisbahn zur Verfügung zu stellen.

Kilian Pfeiffer

Quelle: BGland24.de

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