Abzocke oder tolle Idee?

Weltuntergang: So will ein Bayer Geld machen

Hof - Weil sie am 21.12.2012 Weltuntergangsparties feierten, sollen nun deutsche Wirte tief in die Tasche greifen. Denn ein bayerischer Kollege hatte sich den Weltuntergang raffiniert patentieren lassen.

Feiern als gäbe es kein morgen: Das Ende des Maya-Kalenders am 21. Dezember hätte ein guter Tag sein können für die Veranstalter der unzähligen „Weltuntergangs-Partys“ - zumindest, wenn es kein morgen gegeben hätte. Denn laut Medienberichten hat sich ein Gastronom aus Bayern das Wort „Weltuntergang“ beim Deutschen Patentamt schützen lassen und fordert nun reihum Schadenersatz.

Eigentlich war Peter Knura höchst zufrieden mit der Weltuntergangsparty in seinem „Graf Balderich“, einer Diskothek in Mönchengladbach. 300 Gäste feierten bei Charthits und Cocktails bis in die Morgenstunden. „Klasse Stimmung, volles Haus“, sagt Knura. Seit drei Tagen aber, seit der 46-Jährige das Anwaltsschreiben aus einer Kanzlei in bester Lage Münchens geöffnet hat, herrscht Katerstimmung.

1000 Euro Schadenersatz soll er zahlen, plus knapp 850 Euro Gerichtskosten, weil er die Wortmarke „Weltuntergang“ widerrechtlich benutzt habe. „Ich dachte, das Partythema könnte ich genauso verwenden wie Silvester oder Fasching“, sagt Knura, der seit 25 Jahren Mottopartys veranstaltet. „Das ist doch eine unverschämte Abzocke.“

Offenbar will jemand an denen verdienen, die am Weltuntergang verdient haben. Dieser Jemand ist in diesem Fall Philip-Nicholas Blank, Gastronom aus Hof und nach eigenen Angaben Veranstalter mehrerer Weltuntergangs-Partys. Der einzig echten, wenn es nach ihm geht. Denn um Geldmacherei gehe es ihm nicht, sagt er. Vielmehr ums Prinzip. „Der Name 'Weltuntergang' ist für meine Partys geschützt, wie 'Coca Cola' für das Getränk“, sagt er. Dass andere mit seinem Label Geld verdienen wollten, sei dreist.

Tatsächlich hat Blank „Weltuntergang“ schon im März vergangenen Jahres laut Deutschem Patentamt in München für den Gastronomiebereich als Wortmarke schützen lassen. Wie viele Partyveranstalter er bislang in Deutschland über seinen Anwalt zur Kasse gebeten hat, will Blank nicht sagen. Allein in Brandenburg haben sich zwei Diskothekenbetreiber empört an die Öffentlichkeit gewandt, Peter Knura will von 15 weiteren in Nordrhein-Westfalen gehört haben.

Wenn die beklagten Partyveranstalter nicht zahlen, muss ein Gericht klären, ob sie sich vorher über den Markenschutz hätten informieren müssen, sagt Christian Menzel, Münchner Anwalt für Markenrecht. Außerdem müsse ein Gericht dann klären, inwiefern Markeninhaber Blank durch all die anderen Weltuntergangs-Partys Schaden genommen hat. Peter Knura selbst will sich erst einmal von seinem Anwalt beraten lassen. „Aber ich glaube nicht, dass ich zahle. Und wenn die Welt untergeht.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolfoto

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser