Tödliche Auseinandersetzung in Passau

15-Jähriger stirbt bei Schlägerei - Konflikt schwelte offenbar schon länger

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Eine Studentin, kniet neben Kerzen, Blumen und Fotos des getöteten Jugendlichen. Der bei einer Schlägerei in der Passage getötete Jugendliche ist an seinem eigenen Blut erstickt.

Erschütterung in Passau: Bei einer Schlägerei ist ein 15-Jähriger getötet worden. Offenbar hat die Tat eine Vorgeschichte, wie nun bestätigt wurde.

Update 20. April, 10.33 Uhr

Offenbar ist der bei einer Schlägerei am Montagabend getötete 15-Jährige nicht das erste Mal mit seinem Haupt-Widersacher aneinander geraten. Die Passauer Neue Presse hat mit einem 17-Jährigen gesprochen, der mit beiden Kontrahenten bekannt ist.

Demnach habe der Tatverdächtige dem späteren Opfer bereits vor zwei bis drei Wochen „einen Faustschlag verpasst“. Auf PNP-Nachfrage bestätigte Oberstaatsanwalt Walter Feiler: "Es ist richtig, dass es im Vorfeld eine Auseinandersetzung gegeben hat."

Update 19. April, 16.12 Uhr

Die Familie von Maurice K. hat am Donnerstag in einer Todesanzeige in der „Passauer Neuen Presse“ ihre „unermessliche Trauer“ zum Ausdruck gebracht. Unter einem Foto des Schülers steht „Warum?“. Am Samstag ist in der Heimatgemeinde des Jugendlichen im Landkreis Passau ein Trauergottesdienst geplant. Die Beisetzung soll im engsten Familienkreis stattfinden.

Update 19. April 10.40 Uhr

Oberstaatsanwalt Walter Feiler erklärte, einer der Verdächtigen habe behauptet, dass Maurice "schlecht über ihn geredet habe", wie pnp.de berichtet. Das Gerücht, die Auseinandersetzung wäre durch Schulden in Höhe von 10 Euro ausgelöst worden, konnte der Staatsanwalt nicht bestätigen. Feiler spricht von einem „Riesenpuzzle“, das jetzt mit den Aussagen der Beteiligten zusammengefügt werden muss. 

Update 19. April, 7.30 Uhr

Gegen vier Tatverdächtige war nach der tödlichen Prügelei in Passau Haftbefehl erlassen worden. Nun haben einige der Verdächtigen eine Tatbeteiligung eingeräumt. „Zum Teil haben sie sich zur Sache eingelassen, auch Schläge eingeräumt, sie schilderten dabei die Sache aus ihrer subjektiven, abgeschwächten Sicht“, berichtete Oberstaatsanwalt Feiler der tz.

Außerdem berichtet die Bild, dass einer der Verdächtigen unter Einfluss der Droge Crystal Meth gestanden haben könnte. 

Update 18. April, 16.37 Uhr

Mit Kerzen, Rosen und handgeschriebenen Botschaften zeigen Schüler und Passanten am Mittwoch in Passau ihre Trauer um Maurice K. Der 15-Jährige war am Montagabend nach einer Schlägerei im Zentrum der niederbayerischen Stadt gestorben - erstickt an seinem eigenen Blut.

Am Mittwoch gleicht der Tatort einer kleinen Gedenkstätte. „Du wirst immer in meinem Herzen sein“ steht auf einem Grablicht. Und auf einen Zettel hat jemand geschrieben, was wohl die meisten denken: „Unfassbar“. Um die Mittagszeit besuchen Schüler einer Mittelschule den Ort. Begleitet werden sie von ihrem Religionslehrer. „Es ist schockierend, wir sind alle durch den Wind“, sagt Josef Wenninger.

Es sei schwierig, die Schüler aufzufangen. „Weil ich es selbst nicht fassen kann.“ Manche der Jugendlichen kämpfen mit den Tränen, andere starren auf ihre Fußspitzen. Sie haben Blumen mitgebracht, die sie vor einem Foto des 15-Jährigen niederlegen. Niemand bringt ein Wort über die Lippen. Maurice K. hat zwar eine andere Schule besucht, aber die Jugendlichen kennen sich.

Der Bereich, an dem die Schlägerei stattfand, ist bei Jugendlichen in Passau ein beliebter Treffpunkt, wie ein Streetworker des Jugendamtes sagt. Wenige Schritte vom Tatort entfernt hören sie sonst Musik und chillen. Nun ist der Platz am Rande einer Unterführung verlassen. Drei Mädchen kommen kurz vorbei. „Ich find' das alles so schlimm“, sagt eine, während sie einen großen Bogen um den Tatort macht.

Update 18. April, 09.03 Uhr

Der bei einer Schlägerei in Passau getötete Jugendliche ist an seinem eigenen Blut erstickt. Das hat die Obduktion des Leichnams ergeben, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Eine natürliche Todesursache aufgrund einer Vorerkrankung liege nicht vor. Der 15-Jährige habe Faustschläge gegen Kopf und Oberkörper erlitten und sei in den Schwitzkasten genommen worden, sagte Oberstaatsanwalt Walter Feiler. Waffen oder Fußtritte seien nicht im Spiel gewesen.

Fünf Tatverdächtige sind noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Passau vorgeführt worden. Dieser erließ Haftbefehle gegen vier Beteiligte im Alter von 15, 17, 21 und 25 Jahren sowie einen Unterbringungsbefehl gegen einen 14-Jährigen. Der Tatvorwurf lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. Die Fünf hätten sich bisher nicht näher zur Tat geäußert, sagte Feiler. Zahlreiche weitere junge Leute beobachteten die Schlägerei. Unklar sei noch, ob es Videos von Überwachungskameras oder Handyaufnahmen zum Tatgeschehen gibt.

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Den bisherigen Erkenntnissen nach hatten sich das spätere Opfer und ein zweiter 15-Jähriger am Montagabend an dem bei Jugendlichen beliebten Treffpunkt in der Innenstadt verabredet, um einen Streit auszutragen. Bei der zunächst verbalen Auseinandersetzung sei es bald zu Tätlichkeiten gekommen, sagte Feiler. Es sei mit Ohrfeigen losgegangen. Nach und nach hätten sich weitere Anwesende eingemischt. Im Laufe der Schlägerei ging der 15-Jährige zu Boden. Eine Passantin rief die Polizei.

Noch während der Reanimation des Schülers durch den Notarzt sei die Mutter des Jugendlichen hinzugekommen, sagte Feiler. Der 15-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Das Opfer stammt aus dem Landkreis Passau, bei den Tatverdächtigen handelt es sich um deutsche, polnische und tunesische Staatsangehörige.

Die Bestürzung in Passau ist groß. Am Mittwoch standen Dutzende Kerzen am Tatort, Freunde und Passanten legten Blumen nieder. Auf einem Zettel stand „Unfassbar“.

15-Jähriger bei Schlägerei in Passau getötet - warum half ihm niemand?

Passau - Seine Mutter wartete oben auf den Bus. Sie konnte nicht ahnen, dass nur einige Meter entfernt, in einer Fußgängerunterführung der Passauer Innenstadt, ihr Bub Maurice (15) von fünf Jugendlichen verprügelt wurde. Und zwar derart zusammengeschlagen, dass er später im Klinikum starb. Dieses wegen seiner Brutalität unfassbare Verbrechen erschüttert seit Montagabend die ganze Stadt.

Zur Tatzeit gegen 18.10 Uhr war die Innenstadt noch belebt. Der einzige Laden in der unterirdischen Passage nahe der Schanzlbrücke, ein Fotostudio, hatte aber bereits geschlossen. Der Ort gilt als Treff für Jugendliche. Maurice K., so denkt sein Opa Norbert (61), hatte sich wohl mit seiner alten Clique verabredet. Der Bub ist mit fast 1,90 Meter großgewachsen, doch er gilt als feinfühlig, hat immer einen lockeren Spruch auf Lager. „Einer, der gerne chillt, Musik hört, sprachlich begabt ist, einen freundlichen Charakter hat, Gewalt verabscheut“, erinnert sich sein Opa voller Schmerz. Er hatte seinen Enkel im Krankenhaus noch gesehen, doch Maurice erlangte das Bewusstsein nicht mehr. Eine Stunde nach der Auseinandersetzung starb er.

Passau:  Blick in eine Fußgängerpassage, in der bei einer Schlägerei unter Jugendlichen ein 15-Jähriger getötet worden ist.

Die Kriminalpolizei ermittelt gegen eine Handvoll Tatverdächtiger, die nach der tödlichen Auseinandersetzung festgenommen wurden. Manche konnten von den Polizeibeamten am Tatort gestellt werden, andere wurden ausfindig gemacht, einer stellte sich nachts in der Polizeiinspektion.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um sechs Burschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren; bei fünf von ihnen wird derzeit die Haftfrage geprüft. Drei von ihnen sind Deutsche, dazu kommen ein Pole und ein Tunesier. Es soll zudem Umstehende gegeben haben, die die Schlägerei mitverfolgten; die Kripo spricht von etwa 20 Personen.

Noch ist nicht bekannt, wie es zu dem Streit kam

Was den Streit ausgelöst hat, ist noch nicht bekannt. Es soll aber zunächst laut Polizei zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein. Augenzeugen sahen dann offenbar, wie Maurice geschlagen und in den Schwitzkasten genommen wurde, sie schlugen Alarm. Ein großes Polizeiaufgebot rückte an, die meisten Beteiligten stoben auseinander. Der 15-Jährige aus Obernzell lag da schon bewusstlos in der Fußgängerunterführung. Notärzte versuchten, ihn zu reanimieren. Seine Mutter, die benachrichtigt wurde, soll von der Bushaltestelle hinzu gekommen sein.

Die fünf Jugendlichen, die im Rahmen einer Großfahndung festgenommen wurden, wurden gestern weiter verhört. Noch am Nachmittag sollten sie dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der über eine U-Haft entscheidet.

Ob Maurice durch Gewalteinwirkung starb oder gesundheitliche Probleme hatte, sei noch unklar, sagte ein Polizeisprecher gestern. Das sollen Münchner Gerichtsmediziner bei einer Obduktion herausfinden. Seine Mutter befindet sich in Behandlung, der Bub war ihr einziges Kind. Opa Norbert fühlt Trauer, aber auch Zorn. „Was ist denn das für eine Gesellschaft, in der ein Bursch um diese Uhrzeit in der Stadt totgeschlagen wird? Weshalb hat niemand unserem Maurice geholfen? Stattdessen schauten Leute einfach zu!“

Maurice besuchte seit Wochen eine Orientierungsklasse im Berufsinformationszentrum, er wollte endlich herausfinden, wo seine Stärken lagen, was ihm taugte. Alle in der Familie waren voller Hoffnung. „Und dann“, sagt der Opa, der mit den Tränen kämpft, „ist mit einem Schlag alles vorbei.“

Messerattacken unter Jugendlichen sorgen für Aufsehen

Auch an den Schulen gebe es in den vergangenen 20 Jahren einen Rückgang der bei Schlägereien schwer verletzten Schüler um fast zwei Drittel. „Also von daher ist diese Geschichte ganz gegen den Trend“, sagte der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. „Das, was sich da ereignet hat, ist traurig und fürchterlich für die Betroffenen. Aber es ist nicht die Bestätigung für die wachsende Gewalt Jugendlicher.“

In jüngster Vergangenheit hatten mehrere Fälle von tödlicher Gewalt unter Jugendlichen für Aufsehen gesorgt. Dabei handelte es sich um Messerattacken. So starb im März in Flensburg eine 17-Jährige, als sie in ihrer Wohnung von ihrem 18-jährigen Freund angegriffen wurde. In Berlin erstach ein 15-Jähriger eine ein Jahr jüngere Mitschülerin. Im Februar verletzte ein 16-Jähriger in Dortmund eine 15-Jährige mit einem Messer so schwer, dass sie wenig später starb. Ebenfalls durch Messerstiche starb im Januar in einer Schule in Lünen ein 14-Jähriger. Mutmaßlicher Täter war ein 15-Jähriger.

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dpa/H. Denk/M. Christandl

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