Verharmlost Bierzelt-Hit Vergewaltigung?

Nach heftiger Debatte: Vier Männer aus Niederbayern starten Petition „Rettet das Donaulied"

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Fabian Fenzl (links) und Ralph Seider (rechts): Zwei der Initiatoren der Petition "Rettet das Donaulied".

Passau - Das Donaulied spaltet die Gemüter. Die Passauer Studentin Corinna Schütz hatte eine Petition gegen den Song gestartet, weil das Lied eine Vergewaltigung verharmlosen würde. Sie möchte unter anderem verhindern, dass das Lied auch zukünftig in Festzelten gesungen wird,. Jetzt gibt es etwas Gegenwind und zwar wieder im Form einer Petition - „Rettet das Donaulied“.

Vier junge Männer aus den Landkreisen Passau und Freyung - Grafenau setzen sich für den Erhalt des Donauliedes ein. 

„Wir haben diese Gegenpetition gestartet, weil wir der Meinung sind, dass diese Herangehensweise im Kampf gegen Sexismus und Rassismus die falsche ist", erklären die Initiatoren Fabian Fenzl, Ralph Seider, Fabian Bruckmeier und Mario Süß.

"Hätte die Gegenseite mit einer sinnvollen Petition zu diesem Thema aufgerufen, würden wir diese sofort unterstützen. Dies wär in unseren Augen z. B. höhere Strafen für Vergewaltiger, bessere Anlaufstellen in Deutschland für Frauen und Männer, die dieser abscheulichen Straftat zum Opfer gefallen sind usw", führen die vier weiter aus. 

>>>Auch bei uns in der Region wird über das Donaulied diskutiert <<<

Verbot sinnvoll? "Es gibt viele andere Beispiele"

Die leidenschaftlichen Musiker sind der Meinung, dass man "bei fast jedem Lied etwas findet, wenn man will, das zu einem Verbot führen könnte."

Als Beispiele führen sie Lieder wie "Joanna", "Skandal im Sperrbezirk", "Männer sind Schweine", "Jeanny" oder "Geh mal Bier hol´n, du bist schon wieder hässlich" an. 

„Ich persönlich spiele das Lied ca. 80 mal im Jahr mit meiner Band und das in ganz Deutschland... bisher hat kein Mensch an eine Vergewaltigung gedacht, da bin ich mir ziemlich sicher. Hierbei geht es mehr um den Rhythmus und um die Stimmung. Außerdem geht es in dem Donaulied nicht Zwangsläufig um eine Vergewaltigung. Es gibt viele Version in der die Dame zum Liebesakt einwilligt. In unserer Band- Version werden die beiden am Ende sogar ein Paar", erläutert Fabian Fenzl. 

Rechte-Inhaber melden sich zu Wort

Auch die Rechte-Inhaber Dirk Wöhrle und Klaus Hanslbauer erklärten im Zuge der Diskussion, dass sie die entsprechende Passage im Originaltext, in der es um die Vergewaltigung eines am Donau-Ufer schlafenden Mädchens geht, bereits vor Jahren geändert hätten.

Die neue Fassung sei auch bei der GEMA angemeldet worden. Es sei genau diese Version, die ihrer Ansicht nach häufiger gespielt werde als das Lied mit Originaltext, gegen den sich die Passauer Studentin Corinna Schütz mit einer Online-Petition wehrt.

Keine Schnellschüsse

„Wir wünschen uns, dass wir mit allen Verantwortlichen auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Von Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper wünschen wir uns, dass er sich unsere Meinung und unsere Argumente auch erstmal anhört und zu keinem Schnellschuss drängt“, merkt Fabian Fenzl an. 

Denn Corinna Schütz und die Initiatoren der Petition "Aktion gegen Bierzelt-Sexismus" (Bislang über 33.000 Unterschriften) wandten sich in einem nächsten Schritt nochmals an den Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) und baten um Unterstützung, damit künftig bei Volksfesten in der niederbayerischen Stadt auf das Singen des Donauliedes verzichtet wird.

Dupper reagierte bereits und schrieb auf Instagram: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bei gutem Willen aller Beteiligter in Zukunft die Passauer Dulten ohne dieses Lied feiern können".

"Beleidigungen NEIN! Sachliche Diskussion JA!"

Sowohl Corinna Schütz als auch die Initiatoren von "Rettet das Donaulied" mussten in der Folge ihres Engagement heftige Kritik einstecken. Beide Seiten wurden zum Teil wüst beleidigt und beschimpft. 

„Wir distanzieren uns ausdrücklich zu sämtlichen Beleidigungen gegen Corinna Schütz. Wenn wir da von Morddrohungen oder sonst was lesen, sind wir erschüttert. Wir appellieren an alle. Lasst das sein. Leider wurden auch wir schon auf das übelste Beschimpft und teilweise als Vergewaltiger, Sexisten und so weiter abgestempelt. Schön wär es, wenn auch von der Gegenseite ein dementsprechendes Statement kommen würde. Beleidigungen und Drohungen NEIN! Sachliche Diskussion JA", schließen die vier Männer ihren Appell zum Erhalt des Donauliedes ab.

Insgesamt 3.949 Unterstützer haben die Petition "Rettet das Donaulied" bereits unterschrieben (Stand: 12. Juni)

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