Fünf nervenaufreibende Stunden im Landratsamt

Wer ist der Geiselnehmer von Pfaffenhofen?

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Geiselnahme im Landratsamt
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Pfaffenhofen an der Ilm - Für etwa fünf Stunden musste eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes am Montag um ihr Leben bangen. Ein 28-jähriger Vater, der regelmäßig wegen eines Sorgerechtsstreites um sein Kind zu ihr kam, nahm sie in seine Gewalt.

Großeinsatz für die Polizei in Pfaffenhofen am Montag: Bei einem 28-jährigen Vater liegen die Nerven wegen eines Sorgerechtsstreites blank. Er bringt daraufhin eine 31 Jahre alte Angestellte des Jugendamtes in seine Gewalt und hält sie etwa fünf Stunden lang fest. 

Erst vor wenigen Minuten hat die Behörde ihre Türen für Besucher geöffnet, als die junge Frau den Mann mit kasachischen Wurzeln in ihrem Büro in der dritten Etage empfängt. Während des Gespräches kommt es zum Streit, woraufhin Igor B. ein Messer zieht und die Frau bedroht. Das Ganze schaukelt sich immer weiter hoch und die Sachbearbeiterin muss um ihr Leben bangen.

Der mutmaßliche Geiselnehmer Igor B.

Der Streit soll darüber ausgebrochen sein, dass die anderthalbjährige Tochter von Igor B. bei einer Pflegefamilie untergebracht werden sollte. Der 28-Jährige forderte daraufhin, dass das Kind wieder zu seiner leiblichen Mutter zurückkehren darf. Er selbst ist in Ingolstadt bereits polizeibekannt. Unter anderem ist er Mitte Oktober wegen gemeingefährlichen Auftretens eingewiesen worden und wird derzeit betreut.

Geiselnahme im Landratsamt Pfaffenhofen

Nach nervenaufreibenden Stunden in der Kleinstadt an der Ilm beendet das hinzugerufene Spezialeinsatzkommando am Nachmittag die Geiselnahme schließlich unblutig und überwältigt den Mann. Die Frau erleidet leichte Schnittverletzungen an Hals und Hand. Die seelischen Wunden werden vermutlich länger brauchen, um zu heilen.

Zuvor wird das Gebäude evakuiert und der Bereich weiträumig abgesperrt. Experten des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord führen Telefongespräche mit dem Mann. "Der Täter spricht mit uns", sagt Polizei-Sprecher Hans-Peter Kammerer im Laufe des Einsatzes laut unserem Partnerportal tz.de, das auch ein Bild des Geiselnehmers zur Verfügung hat. "Dabei hat immer die körperliche Unversehrtheit der Geisel im Mittelpunkt gestanden", resümiert er nach dem Einsatz.

Der Geiselnehmer fordert während der Gespräche eine mobile Toilette, eine Schusswaffe und einen Arzt für die leicht verletzte Frau. Als der vor Ort ist, greifen die Einsatzkräfte zu und überwältigen den 28-Jährigen. "Es kam dabei nicht zu einem Schusswaffeneinsatz", erklärt Polizei-Sprecher Hans-Peter Kammerer. "Die Spezialeinsatzkräfte nutzten eine günstige Gelegenheit." Und setzten den Geiselnehmer mittels Taser außer Gefecht, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) laut Bild-Zeitung verlauten ließ. Etwa 300 Polizeibeamte sind im Einsatz gewesen.

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