Kommt er für immer in den Knast?

Staatsanwältin im Todespfleger-Prozess: „Er ist ein Serienmörder“

Plädoyers in Prozess am Gericht in München gegen Todespfleger wegen Mordes
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Der Angeklagte (l) steht zum Prozessauftakt an seinem Platz im Gericht. Rechts steht Elisabeth Ehrl, Vorsitzende der ersten Strafkammer am Landgericht München I. Gegen den Hilfspfleger wird wegen Mordes an mindestens sechs Patienten verhandelt. Am 24.09.2020 werden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft erwartet.

München - Ein Hilfspfleger soll mit Insulinspritzen sechs Menschen getötet haben, die er eigentlich pflegen sollte. Die Tatorte verteilen sich quer durch Deutschland. Nun steht der Mordprozess gegen ihn vor dem Ende.

Update, 11.26 Uhr - Staatsanwältin im Todespfleger-Prozess: „Er ist ein Serienmörder“

Der Prozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes ist mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft in die Endphase gegangen. Der 38 Jahre alte Angeklagte sei kaltblütig und empathielos vorgegangen, sagte die Staatsanwältin am Donnerstag zu Beginn ihres voraussichtlich mehrstündigen Vortrags. Er sei kein Pfleger. „Er ist ein Serienmörder.“ Dem Mann wurden in der Anklage sechsfacher Mord, dreifacher versuchter Mord und drei Fälle von gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt. Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft ihm Raub und Diebstahl vor.

Der an Diabetes II leidende Mann habe seinen pflegebedürftigen, aber nicht zuckerkranken Patienten an verschiedenen Tatorten in ganz Deutschland eine Überdosis Insulin gespritzt und dabei den möglichen Tod der Menschen in Kauf genommen. Die Pflegebedürftigen hätten nicht mit einem Angriff auf ihr Leben gerechnet - just nicht von einer Pflegekraft, die zu ihrer Unterstützung eingestellt war. Nach den Taten nahm der Angeklagte diverse Dinge mit: Bargeld, Schmuck, aber auch Wein, Parfüm, Seife, Waschmittel, Klopapier und Klobürsten.

Der gelernte Schlosser war in einem Crashkurs zum Hilfspfleger ausgebildet worden. Die Arbeit sei ihm jedoch zu beschwerlich gewesen, sagte die Staatsanwältin. Von Anfang an sei er nicht gewillt gewesen, die Arbeit auszuführen. Er habe vielmehr die „Tätigkeit lediglich als Türöffner zu deutschen Haushalten und ihren Wertgegenständen“ nutzen wollen. Aufgrund seiner Körperfülle habe der Mann die Arbeit teils auch gar nicht ausführen können. „Die Arbeit überforderte ihn sowohl physisch als auch psychisch.“

Vorbericht - Heute Plädoyers im Todespfleger-Prozess

Er sollte seine Patienten pflegen - stattdessen soll er sie umgebracht haben: Vor dem Landgericht München I geht der Mordprozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes auf die Zielgerade.

Für diesen Donnerstag (9.30 Uhr) ist das Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft geplant. Sie wirft dem Mann vor, er habe seinen pflegebedürftigen Patienten an verschiedenen Tatorten in Deutschland Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann. Er soll über das Medikament verfügt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. Krasse Eigensucht, rücksichtsloses Gewinnstreben und völlige Gleichgültigkeit wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Der Prozess war im November 2019 gestartet.

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Mord-Prozess gegen „Todespfleger“ vor dem Ende - Plädoyers erwartet

Die Morde soll der Mann - Medien nennen ihn einen „Todespfleger“ - laut Anklage quer durch Deutschland begangen haben: in den bayerischen Orten Ottobrunn, Eckenthal und Wiesenbronn ebenso wie in Hannover, im schleswig-holsteinischen Burg und in Spaichingen in Baden-Württemberg. Versuchte Morde werden ihm angelastet in Mülheim an der Ruhr, in Esslingen und in Weilheim in Oberbayern. Der gelernte Schlosser soll in einem Crashkurs von sieben Monaten zum Hilfspfleger ausgebildet worden sein.

Die Anklage geht von Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen aus. Neben den sechs Mordfällen sind drei Fälle des versuchten Mordes angeklagt und drei Fälle von gefährlicher Körperverletzung. Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Raub und Diebstahl vor. Er soll beispielsweise so profane Dinge wie Wein, Waschmittel, Toilettenpapier und Klobürsten gestohlen haben.

Der Prozess erinnert an den spektakulären Fall des Patientenmörders Niels Högel, der im vergangenen Jahr vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Ob der Münchner Angeklagte im Falle eines Schuldspruches jemals wieder auf freien Fuß kommt, ist fraglich. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sieht der vom Gericht beauftragte psychologische Sachverständige keine gute Prognose. Damit könnte dem Angeklagten im Falle einer Verurteilung eine Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung drohen.

dpa

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