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Polizei warnt: Münchner sollen in Häusern bleiben

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Täter greift mit Messer mehrere Menschen an - Mann flüchtig

Nach blutigem Anschlag: Kopten sorgen sich um Weihnachtsfest

München - Der blutige Terroranschlag auf Christen in Ägypten hat den Kopten in Bayern die Feierlaune gründlich verdorben.  In München soll nun die Polizei für den Schutz der Gemeinde sorgen.

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Pater Deuscoros El-Antony ist noch immer fassungslos. “Eine Zehn-Kilogramm-Bombe haben die Täter eingesetzt - das ist entsetzlich“, sagt der 53-Jährige und schüttelt den Kopf. Doch Zeit zum Trauern hat der Priester der koptischen St. Mina- Gemeinde in München derzeit kaum. Nach dem Bombenanschlag auf seine Glaubensbrüder im ägyptischen Alexandria rufen täglich besorgte Gemeindemitglieder an, um sich über die Sicherheit der Kirche in München zu informieren.

Denn an diesem Donnerstag (6. Januar) wollen die 75 koptischen Familien in München Weihnachten feiern. “Eigentlich treffen sich an diesem Tag alle Mitglieder in der Kirche, um nach dem Gottesdienst gemeinsam zu essen, zu trinken und zu feiern“, sagt Pater Deuscoros. Doch in diesem Jahr hat die Gemeinde die Feierlichkeiten abgesagt. Lediglich der Gottesdienst soll wie gewohnt stattfinden. “Wir halten es für besser, wenn die Familien den Abend zu Hause verbringen“. Zum eigenen Schutz und aus Respekt vor den Anschlagsopfern, wie Pater Deuscoros betont.

Zwei Familien der Münchner Gemeinde hätten Angehörige in Alexandria, die aber nicht unter den Opfern seien. Von den bundesweit rund 6000 koptischen Christen leben etwa 400 in Bayern. Das größte Gotteshaus, die St. Mina-Kirche in München, gibt es seit 50 Jahren. Sie ist in einer ehemaligen katholischen Kirche untergebracht.

Für die Sicherheit der Gemeindemitglieder soll an deren Heiligem Abend die Polizei sorgen. “Unsere Polizei wird verstärkt präsent sein“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) laut Mitteilung vom Dienstag in München. Vor den Weihnachtsfeiern der orthodoxen Christen werde die Polizei die koptische Kirche in München besonders im Blick haben. Pater Deuscoros rechnet damit, dass Polizisten während des Gottesdienstes den Eingang kontrollieren und vor der Kirche die Straße gesperrt wird.

“Die Bedrohungslage in Deutschland ist neu für uns“, sagt der Priester aus dem nordägyptischen Assuan. Dennoch gibt sich Pater Deuscoros kämpferisch. Das Weihnachtsfest wolle sich die Gemeinde nicht vermiesen lassen, die Kirchentüren stünden weiterhin für jeden offen. “Wir sind zwar traurig, doch Angst vor Terroristen haben wir nicht“, sagt der Ägypter, der auch eine kleine Gemeinde in Nürnberg betreut.

Deutschland sei für viele eine zweite Heimat geworden. “Hier sind wir frei.“ Darum sei auch den Gottesdiensten in den Tagen nach dem Anschlag niemand ferngeblieben. Stattdessen will die St. Mina-Gemeinde den Opfern in Ägypten helfen. “Wir arbeiten daran, schwer verletzte Kinder nach Deutschland zu holen und sie hier behandeln zu lassen.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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