Polizei-Bilanz: Wir sind sicher wie nie

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Rosenheim/Landkreis - Wir in Oberbayern haben's schon gut. Sind wir nicht nur eine wirtschaftsstarke Region, auch was die Kriminalität betrifft könnten sich andere Regionen eine Scheibe von uns abschneiden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Zusammenstellung aller bekannt gewordenen strafrechtlichen Sachverhalte (Verstöße gegen das Strafgesetzbuch und strafrechtliche Nebengesetze ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte). Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd umfasst die neun Landkreise Rosenheim, Miesbach, Berchtesgadener Land, Traunstein, Altötting, Mühldorf, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, sowie die Kreisfreie Stadt Rosenheim. Es werden in dieser Region etwa 1,25 Mio. Einwohner polizeilich betreut.

Gesamtentwicklung:

Im Jahr 2009 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 56.750 Straftaten statistisch erfasst. Strafbare Versuche zählten dabei wie vollendete Handlungen. Im Vergleich zu 2008 beträgt der Rückgang 380 Delikte oder - 0,7 %.

Vergleicht man die Entwicklung der letzten sechs Jahre, so ist eine rückläufige Tendenz der Gesamtstraftaten seit 2004 zu erkennen. Im Sechsjahresvergleich war 2009 das geringste Straftatenaufkommen zu verzeichnen. Gegenüber 2004 mit 67.546 Straftaten ist 2009 ein um 10.796 Fälle oder 16 % rückläufiger Straftatenstand erreicht worden.

Polizeipräsident Franz Mayer resümiert: „Mit dem Ergebnis für das Jahr 2009 sind wir insgesamt sehr zufrieden. Die Fallzahlen sind in allen wesentlichen Bereichen zurückgegangen. Die Sicherheitslage konnte trotz der durch die Polizeiorganisationsreform zusätzlich notwendig gewordener Kraftanstrengungen verbessert werden.“

Kriminalitätsstruktur

Der jährliche Vergleich der Straftatenanteile an der Gesamtkriminalität stellt sich für das Jahr 2009 wie folgt dar:

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Gegenüber dem Vorjahr haben sich nur minimale Veränderungen in den Deliktsgruppen ergeben.

Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote lag mit 64,2 % leicht über dem Vorjahr (63,9%). Damit liegt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auch um 0,3% über dem Landesdurchschnitt. Von insgesamt 56.750 Straftaten wurden 36.445 Fälle aufgeklärt und dabei 28.809 Tatverdächtige ermittelt.

Häufigkeitszahl

Die Kriminalitätsbelastung (=Häufigkeitszahl) bezeichnet die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner. Deren Aussagekraft wird dadurch beeinträchtigt, dass nur die amtlich gemeldeten Einwohner zur Berechnung herangezogen werden können, also nicht z.B. Touristen, Durchreisende, Personen mit ausländischem Wohnsitz oder Ausländer, die sich illegal aufhalten.

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd lag die Häufigkeitszahl 2009 bei 4.600 Straftaten pro 100.000 Einwohner, was einen leichten Rückgang zum Vorjahr bedeutet. (2008: 4.624).

Die Belastung liegt damit auch um 473 Straftaten unter dem Landesdurchschnitt Bayern mit 5.073. Dabei ist anzumerken, dass Bayern die niedrigste Belastungszahl aller deutschen Bundesländer aufweist.

Tatverdächtigenstruktur

 Zu den 36.445 polizeilich geklärten Straftaten wurden 28.809 Tatverdächtige ermittelt. Darunter befanden sich 8.381 nichtdeutsche Personen.

Der Anteil der Nichtdeutschen an allen Tatverdächtigen war mit 29,1 % wieder niedriger als im Jahr zuvor (30,6 %). Im Sechsjahresvergleich sank dieser Anteil kontinuierlich von 35,7 % auf 29,1 %. Zieht man die spezifischen Verstöße gegen das Ausländer- und Asylverfahrensgesetz ab, die i.d.R. nur durch Nichtdeutsche begangen werden können, so blieb der Ausländeranteil an allen Tatverdächtigen seit 2004 mit etwa 20 % weitgehend konstant.

Von allen ermittelten Tatverdächtigen waren 7.462 jünger als 21 Jahre, d.h. etwa jeder vierte Tatverdächtige (25,9 %) war ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Damit ging deren Anteil erstmals nach mehrjährigem Anstieg zurück (2008: 26,8 %). Im Sechsjahresvergleich liegt die Beteiligung der unter 21-Jährigen an Straftaten leicht über dem Wert von 2004 (24,6 %).

Vergleicht man die Werte 2009 mit dem Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an der Wohnbevölkerung im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd (21,7 %), so kann man eine Überrepräsentation dieser Altersgruppe bei den Tatverdächtigen erkennen. Insbesondere Jugendliche und Heranwachsende (14-21 Jahre) mit einem Anteil von 8,2 % an der Wohnbevölkerung stellen mit 21,8 % einen überproportionalen Anteil an den Tatverdächtigen.

Die Überrepräsentation dieser Altersgruppe resultiert großteils aus ihrer sehr hohen Beteiligung bei den Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten. Regionale Verteilung der Straftaten

Die nachstehende Grafik zeigt die Straftatenverteilung in Prozent auf die Stadt Rosenheim und die neun Landkreise:

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Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Landesvergleich:

 

Region Straftaten 2009 Veränderungen ggü. Vorjahr Aufklärung in %
absolut In % 2008 2009
PP Oberbayern Süd 56.750 -380 -0,7 % 63,9 64,2
Bayern 635.074 -16.362 -2,5 % 64,7 63,9

Ausgewählte Deliktsbereiche:

Gewaltkriminalität

Bei der Gewaltkriminalität (u.a. Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme) war 2009 wie bereits im Jahr zuvor eine leichte Abnahme um 30 Fälle oder 1,9 % auf 1.556 Delikte zu verzeichnen.

Parallel zum Bayerntrend wurden fast die Hälfte aller Körperverletzungen unter Alkoholeinfluss begangen. Je höher die Alkoholisierung, desto niedriger ist oft die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung.

Die gefährlichen und schweren Körperverletzungen sowie die Körperverletzungen mit Todesfolge nehmen im Deliktsbereich Gewaltkriminalität den Hauptanteil von 83,5 % ein, Raubdelikte 9,1 %, Vergewaltigungen 4,8 % und Mord und Totschlag 2,5 %. Im Jahr 2009 konnte bei den Gewaltstraftaten wie in den Jahren zuvor erneut eine sehr hohe Aufklärungsquote von 84 % erzielt und damit im Vergleich zum Vorjahr sogar noch leicht gesteigert werden.

Straßenkriminalität

Dieser Deliktsbereich umfasst alle Straftaten, die zu öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen einen speziellen Bezug haben wie z.B. Handtaschenraub, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Diebstähle in/aus Kiosken, Schaufenstern und Vitrinen; Fahrraddiebstähle; Automatenaufbrüche, Diebstähle rund um das Kfz usw.

Diese Delikte gingen 2009 um 1,4 % oder 166 Fälle auf 11.946 Straftaten zurück. Die Aufklärungsquoten bei diesen verschiedenen Deliktsfeldern sind dabei sehr unterschiedlich: während diese Quote z.B. bei Fahrraddiebstählen aufgrund der oftmals geringen Ermittlungsansätze bei lediglich 14 % liegt, steigt sie mit zunehmender Qualität der Delikte.

Bei Raubdelikten lag 2009 die Aufklärungsquote z.B. bei 72,5 %. Jugendliche und Heranwachsende stellen mit 39 % den Großteil der Tatverdächtigen. Neun von zehn Tatverdächtigen sind männlich. Bei über 50% der Fälle handelt es sich um Diebstahlsdelikte.

Sexualdelikte

Die Zahl der angezeigten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verringerte sich 2009 deutlich um 79 Fälle auf 546 Delikte. Dies bedeutet einen Rückgang um 12,6 %, womit sich der erfreuliche Trend vom Vorjahr fortsetzte. 83,3 % der Fälle konnten geklärt werden. In den Deliktsbereich fallen z.B. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, exhibitionistische Handlungen und Verbreitung pornographischer Schriften.

Diebstahlskriminalität

Die angezeigten Diebstahlsdelikte gingen im Jahr 2009 um 4,5 % zurück. Mit 17.181 Delikten wurden um 807 weniger als im Vorjahr registriert. Damit wurde der niedrigste Wert seit sechs Jahren erreicht. Die Aufklärungsquote konnte mit 37% leicht gesteigert werden. Obwohl die Zahl der angezeigten Diebstähle seit Jahren rückläufig ist, nimmt dieser Deliktsbereich noch immer den größten Anteil an den Gesamtstraftaten ein.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Bei Vermögens- und Fälschungsdelikten ging die Zahl um 201 Fälle oder 2,2 % auf 9.042 zurück. Die Aufklärungsquote lag bei 82,2 % was einen geringfügigen Rückgang zu 2008 bedeutet. Unter die Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen Straftaten wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen, Fälschungen von Zahlungskarten und Schecks.

Stark zugenommen haben in den letzten Jahren Betrugsstraftaten, die über das Internet angebahnt oder abgewickelt werden.

Rauschgiftkriminalität

Die zum Phänomenbereich Rauschgiftkriminalität zählenden Delikte waren 2009 wie bereits im Jahr zuvor rückläufig. Wurden im Jahr 2008 noch 3.337 Rauschgiftdelikte registriert, waren es 2009 nur noch 3.175. Dies bedeutet einen Rückgang um 4,9 %.

Die Aufklärungsquote lag bei 97 %. Bei Jugendlichen (14-18 Jahre) war ein deutlicher Anstieg, bei Heranwachsenden (18-21 Jahre) dagegen ein erheblicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Diese Altersgruppen konsumierten fast ausschließlich Cannabisprodukte.

Die Zahl der Drogentoten stieg im Jahr 2009 um 5 Opfer auf 21 an.

Auswahl bedeutender Ereignisse aus dem Jahr 2009 im Zusammenhang mit der Kriminalstatistik:

Leichenfund nach Mord, 17. Januar, Neuötting:Der seit 08.12.08 vermisste Edi Brozmann aus Altötting wird mit einem Flussstein beschwert tot in Inn bei Neuötting gefunden. Er war erstochen worden. Drei Tatverdächtige festgenommen.

Mordversuch, 08. Februar, Holzkirchen: 24-jähriger Mann verwüstet die Wohnung seiner Freundin und legt eine Stromfalle, in dem er eine Türklinke mit einem Stromkabel verbindet. Die später nach Hause kommende 25-jährige Frau greift glücklicher Weise nicht an die Klinke.

Mordversuch, 03. März, Miesbach: 62-jährige Frau wird auf offener Straße von zwei vorerst unbekannten Männern unvermittelt überfallen. Die Täter traktieren ihr Opfer massiv, auch mit Fußtritten gegen den Kopf. Als Beute nehmen sie den Rucksack der Frau mit. Zwei 16- und 20-jährige Männer werden als Tatverdächtige ermittelt. Es ergehen Haftbefehle.

Brandstiftung, 04. April, Schongau:Brandstiftung in den Geschäftsräumen der Agentur für Arbeit. Mehrere 100.000 Euro Schaden. Der Täter dringt unbemerkt ein und zündelt. Der Brand schwelt erst über Stunden, bis er ausbricht. Wochen später wird der mutmaßliche Brandstifter, ein 46-Jähriger, bei einem anderen Einbruch festgenommen

Brandstiftung, 17. Juni, Traunreut:Großbrand in Musiklokal, keine Verletzten, mehrere 100.000 Euro Schaden, Zwei Monate später werden zwei Tatverdächtige festgenommen. Geiselnahme, 20. Juni, Chieming: Einem Spezialeinsatzkommando der Polizei gelingt es, einen 56-jährigen US-Amerikaner aus einem privaten Wohnanwesen zu befreien. Der Mann war Tage zuvor in Speyer entführt und im Keller des Hause festgehalten worden. Insgesamt werden fünf Tatverdächtige im Alter zwischen 60 und 79 Jahren festgenommen. Hintergrund waren angebliche Geldforderungen.

Kokain-Lieferungen abgefangen, 19. Juli, Bad Aibling: Eine Streife der Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim entdeckt bei einer Routinekontrolle auf der Autobahn im Fahrzeug eines Albaners 1,5 Kilogramm Kokain. Die Drogen waren hinter der Innenverkleidung des italienischen Fahrzeugs versteckt. Der 25-Jährige wurde festgenommen.

Mordversuch an Jugendlicher, 21. Juli, Töging: Ein 16-jähriges Mädchen wird auf dem Nachhauseweg vom Rad in ein Maisfeld gezerrt. Nach einem Vergewaltigungsversuch sticht der Täter über 20 mal mit einem Messer auf das Mädchen ein und übergießt es mit einer brennbaren Flüssigkeit, bevor er flieht. Noch im Rahmen der Sofortfahndung kann ein 40-jähriger Tatverdächtiger festgenommen werden.

15 Kilogramm Kokain sichergestellt, 26. Juli, Irschenberg: Erneut spektakulärer Coup der Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim. Die Beamten entdecken in einem britischen Mietfahrzeug 29 Pakete mit insgesamt 15 Kilogramm Kokain hinter der Seitenverkleidung. Der 63-jährige griechische Fahrer wird festgenommen.

Wohnhausexplosion, 05. August, Inzell: Ein Einfamilienhaus wird bei einer ungeheuerlichen Explosion praktisch dem Erdboden gleichgemacht. Acht Nachbarhäuser werden beschädigt. Das Bewohnerehepaar stirbt in den Trümmern. Den Ermittlungen nach wurde die Explosion bewusst ausgelöst. Das Ehepaar hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Ein Fremdverschulden wurde ausgeschlossen.

Zwei Männer durch Messerstiche getötet, 09. August, Tacherting: Nach einem eingegangenen Notruf findet eine Polizeistreife zwei blutüberströmte Leichen im Unterholz. Die 37- und 44-jährigen Männer wiesen eine große Anzahl von Messerstichen auf. Im Rahmen der Großfahndung werden noch am selben Tag drei einheimische Tatverdächtige im Alter von 21 bis 23 Jahren festgenommen.

Größte Heroinsicherstellung seit Jahren, 12. August, Rosenheim:Beamten der Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim gelingt auf der Autobahn erneut ein spektakulärer Schlag gegen den organisierten Drogenhandel. An einem bulgarischen Skoda stoßen die Fahnder auf eine präparierte Stoßstange. Darin versteckt waren 125 Päckchen mit 63 Kilogramm Heroin. Der 22-jährige Bulgare am Steuer des Schmugglerfahrzeuges wird festgenommen.

Kokain im Fahrzeughimmel, 02. September, Rosenheim: Wiederum Beamte der Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim wurden auf der Autobahn fündig. Hinter der Verkleidung des Schiebedaches eines italienischen Mercedes entdecken sie 2,4 Kilogramm Kokain. Der 49-jährige Fahrer aus Modena wird festgenommen.

Gewalttätige Jugendliche verletzen Spaziergänger, 11. Oktober, Schongau: Mit einem abgebrochenen Besenstiel schlägt ein 15-jähriger grundlos auf den Passanten ein, dieser wehrt sich und treibt den Angreifer samt dessen vier Kumpanen in die Flucht. Der Mann wird schwer am Auge verletzt. Die Jugendlichen werden ermittelt.

Brand an Grundschule, 02. November, Saaldorf-Surheim: Zu einem schadensträchtigen Brand kommt es im Verbindungsbau zwischen Klassentrakt und Turnhalle. Verletzt wird niemand. Als Verursacher wird ein strafunmündiges Kind ermittelt. Es hatte unvorsichtig gezündelt.

Drogenkurier mit 72 Kg Kokain festgenommen, 15. November, Rosenheim: Die Serie bedeutender Rauschgiftaufgriffe durch die Polizeiinspektion Fahndung Rosenheim reißt nicht ab. Bei der Kontrolle eines italienischen Renaults stoßen die Beamten in nachträglich eingebauten Hohlräumen auf 59 Päckchen mit insgesamt 72 Kg Kokain. Der 50-jährige Neapolitaner am Steuer des Fahrzeugs geht in Haft.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

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