"Dahoam" - das Mikroabenteuer eines Chiemgauer Paragliders

Wie Florian Schroll aus Seeon dank seines Kindheitstraums dem Alltag entgleitet

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Florian Schroll teilt seine Liebe zur Heimat und Natur und entführt Erlebnissuchende aus dem Alltag.

Seeon-Seebruck - Florian Schroll aus Seeon-Seebruck ist ein sogenannter Mikro-Abenteurer. Er fliegt mit seinem Gleitschirm von einem Abenteuer zum nächsten. So oft wie es geht ist der Sportler in der Region zwischen Alpen und Chiemsee unterwegs. Ein Porträt:

Wer erinnert sich nicht gern daran, wie man in seiner Kindheit oft kleine Abenteuer durchlebt hat und die gesammelten Eindrücke zu etwas Großem und Wunderbarem gedeihen ließ. Die erste Fahrrad-Tour in einen unbekannten Ortsteil, den ersten Sprung vom 5-Meter-Brett im Freibad oder das erste Mal Zelten im Garten eines Freundes, dabei den Sternenhimmel betrachten und die nächtliche Geräuschkulisse auskundschaften. 

Im Erwachsenendasein und Berufsleben angekommen, scheinen ähnliche Erlebnisse oft zu schwinden und werden oftmals nicht wirklich wahrgenommen. Dabei ist es ebenso möglich dem täglichen Ablauf zu entfliehen und kurze, intensive und spontane Abenteuer erneut zu erleben. Diese Erlebnisse werden heutzutage als Mikroabenteuer bezeichnet. 

Einer dieser Mikroabenteurer ist der Seeoner Florian Schroll, der mit seinem Gleitschirm, auch Paraglider genannt, von einem zum nächsten Abenteuer fliegt. Dabei erinnert er sich an seine Kindheit zurück: „Als kleiner Schuljunge habe ich viel Zeit am Zaun des Flughafens München-Riem den Flugzeugen beim Starten und Landen zugesehen. Das hat meine Fantasie beflügelt und ich träumte vom Fliegen. Heute erlebe ich dieses wohlbesonnene Gefühl dank meinem Hobby Paragliding wieder.“ 

So ist der Sportler oft am Himmel zwischen unseren Alpen und dem Chiemsee zu sehen, wo er die kurze und intensive Zeit in der Luft nutzt, um einen anderen Blick auf das Leben zu bekommen. Zu Beginn erlebte er die kleinen Ausbrüche für sich, mittleierweile bietet der ausgebildete Pilot dieses Mikroerlebnis auch Interessierten an. Doch wegen der Pandemie setzte er seine Tandem-Passagier- Flüge aus. Somit rückte sein Kindheitstraum in den Vordergrund, wie Schroll betont: „Ich habe den Leerlauf genutzt, um mir einen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Den Flug aus den bayerischen Alpen bis nach Hause vor die eigene Haustür in Seeon." 

Abenteurer Florian Schroll über den Dächern von Prien.

Am 7. Mai plante der Profi den knapp 40 km weiten Flug und studierte einen Tag zuvor die Wetter und Windverhältnisse. Am Vormittag des nächsten Tages ging es voll ausgerüstet auf dem Hochries los. „Es war ein sonniger Tag und vom Hochries aus flog ich ostwärts über die sattgrünen Hofalmen in Richtung Frasdorf. Bei der Autobahn A8 musste ich feststellen, dass ich viel an Höhe verloren habe und ich hatte das Gefühl, dass es nur bis Prien reichen sollte.“ erzählt Schroll. 

Er hielt nun Ausschau nach dahingleitende Vögel, um daraus ein Zeichen für eine Zelle mit guter Thermik zu erkennen. Statt Vögel nahm der Chiemgauer einen durch Aufwind emporsteigenden Güllegeruch in der Luft wahr. Sein Gleitschirm schoss ihn wieder in die Höhe. „Ich war wieder im Rennen und konnte den wunderbaren Ausblick über den Dächern von Prien und dem prachtvollen Herrenchiemsee gewinnen. Zudem die blau schimmernde Eggstätter-Hemhofer Seenplatte, umhüllt vom bunten Grün der Wälder und Wiesen. Dank der beeindruckenden Höhe war nun der Flug nach Gstadt möglich, so weit wie nie zuvor.“

Finally@home - von der Hochries bis nach Seeon

Hierbei betont Schroll, dass diese Distanz für viele Paraglider kein Kunststück sei. Insbesondere bei jenen, die eine „Höher, Schneller, Weiter“-Kultur pflegen und diese wie im Wettbewerb ausleben. Dem Trend entkoppelt sich der erlebnissuchende Flieger und widmet seine Zeit die Heimat zu genießen und somit auch Neues zu entdecken. 

„Ab Gstadt konnte ich schon einen tollen Blick in die Gemeinde Seeon-Seebruck erhaschen. Jedoch galt es ab dem Punkt mit defensiver Flugtaktik jede kleine Thermik zu nutzen.“ erinnert sich Schroll. Denn bis kurz vor Seebruck kämpfte der Seeoner mit einer Arbeitshöhe von 300 Metern über dem Grund. Erst ein aufkreuzenden Gras-Silagehäcksler konnte ihm dieser wieder Aufschub verleihen, sodass sich der Flieger auf knapp 2000 Meter Höhe katapultieren lies. 

Nun hieß es nur noch vor die Haustür zu kommen, wie Schroll sich erinnert: „Ich flog nun weiter über Truchtlaching in Richtung Seeon und war wie gefesselt. Rechts von mir die aus dem Chiemsee wild schlängelnde Alz und links die Ruhe des Seeoner Sees.“ Doch die Ruhe hielt kurz, denn sein Steigmesser meldete sich mit einem Dauerton. Es ging 5m/s abwärts und alles sah danach aus, dass der Seeoner sein Erlebnis kurz vor dem Ziel beenden muss. Doch dann kam eine letzte Thermikblase, welche ihn über die restlichen Kilometer rettete. 

Florian Schroll hat es geschafft, er landet vor seiner Haustür in Seeon und dank seines Jubelschreis „DAHOAM“ hat es die ganze Nachbarschaft auch mitbekommen. Florian Schroll nutzte die Gunst der Stunde und verwirklichte seinen kleinen Traum. Sein Mikroerlebnis katapultierte ihn in ein zweistündiges Abenteuer. Bald könnte er dieses Wieder-Kind- Sein Gefühl mit anderen Alltags-Ausbrechern teilen dürfen. 

Dr. Dominik Zgela

Quelle: chiemgau24.de

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