Proteste gegen Solar-Kürzungen

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Die Region mit den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land ist die erfolgreichste Solar-Region in Deutschland - hier eine Anlage in Söllhuben. Jetzt befürchten die Solar-Freunde einen Einbruch aufgrund von Kürzungen, die die Bundesregierung beschlossen hat.

Rosenheim/Landkreis - Die Bundesregierung hat beschlossen, die Vergütung für die Einspeisung von Strom aus Fotovoltaikanlagen zu kürzen. Der Solarverein Ro Solar protestiert dagegen, wie andere Solar-Initiativen auch.

Im Landkreis gibt es schon eine ganze Reihe von Gemeinden, die mehr als 100 Prozent ihres Haushaltsverbrauchs solar erzeugen. Den Fortgang dieser Erfolgsgeschichte sieht der Verein jetzt gefährdet.

Rosenheim/Landkreis - Die Region mit den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land ist die erfolgreichste Solar-Region in Deutschland. Vom Watzmann bis zum Wendelstein sind rund 7800 Solarkraftwerke am Netz, mit einer Leistung von mehr als 120 Megawatt. Das Handwerk konnte dadurch in den letzten Jahren einen Umsatz von mehr als 420 Millionen Euro erzielen. Darauf weist Peter Rubeck hin, Sprecher des Forums Ökologie, einem losen Zusammenschluss der Solar-Initiativen der Landkreise Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land.

Viele Gemeinden schon bei über 100 Prozent

Nach Angaben des Vereins Ro Solar erzeugen bereits elf Gemeinden im Landkreis Rosenheim mehr als 100 Prozent ihres Haushaltsverbrauches durch erneuerbare Energien wie Solar-, Wasser- oder Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse oder Geothermie. Herausragend ist dabei das Ergebnis der Gemeinde Stephanskirchen mit 650 Prozent. Dieses wird maßgeblich beeinflusst durch die von der Firma Hamberger installierte Biogasanlage.

Aber auch bei anderen Gemeinden ist der Anteil erneuerbarer Energien beachtlich. In der Gemeinde Samerberg sind es beispielsweise 177 Prozent, in Bruckmühl 175. Diese Gemeinden haben zwar einen hohen Wasserkraftanteil und von daher gegenüber anderen Gemeinden einen Vorsprung. Es führen aber auch andere Faktoren zu der günstigen Bilanz. "Gut geeignete Dächer, aufgeschlossene Bürger, vielleicht ein meinungsbildender Fotovoltaik-Pionier", meint Rudolf Kutka, Sprecher von Ro Solar. Auch Schechen mit 168 Prozent, Soyen mit 167, Pfaffing mit 159, Schonstett und Feldkirchen-Westerham mit jeweils 153 Prozent können auf eine gute Bilanz bei der erneuerbaren Energie verweisen.

Weitere Gemeinden im Landkreis Rosenheim stehen kurz davor, die 100-Prozent-Grenze zu überschreiten. Der Verein wird diese anlässlich seiner Veranstaltung "Sonniges Rosenheimer Land" am 20. März im Kultur- und Kongresszentrum Rosenheim auszeichnen.

Dabei beleuchten die Referenten auch die von der Bundesregierung beschlossenen Verschlechterungen für Fotovoltaikanlagen (PV). Wer eine solche betreibt, erhält für den Strom, der ins Netz wandert, eine Einspeisevergütung, die nun reduziert werden soll. Die Bundesregierung hat am 3. März beschlossen, die Einspeisevergütung bei Dachflächen um 16 Prozent und bei Freiflächen um 15 Prozent zu kürzen. Dies läuft laut Ro Solar auf eine Zurücksetzung der Vergütung um bis zu 42 Prozent innerhalb von zwei Jahren hinaus. Mehrere Bundesländer wollen gegen den Beschluss Widerstand leisten, auch Bayern.

Hersteller und Montageunternehmen befürchten für den Fall, dass der Bundestag den Kürzungen zustimmt, eine erhebliche Einschränkung der Attraktivität bei Investitionen in PV-Anlagen und damit einen massiven Auftragseinbruch.

Rudolf Kutka gibt den Umsatz der Branche für 2009 in der Stadt und im Landkreis Rosenheim aufgrund des letztjährigen Zuwachses mit über 58 Millionen Euro an und warnt: "Würde in Zukunft auch nur ein Teil davon wegbrechen, wäre dies für die regionale Kaufkraft und die Steuereinnahmen ein nicht unerheblicher Rückschlag." Der noch relativ junge Wirtschaftszweig könne schwankende Geschäftsverläufe derzeit noch wenig verkraften.

Die Handwerker in der Region hätten in den letzten Jahren in ihre Betriebe kräftig investiert und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das Forum Ökologie befürchtet nun vor allem für die kleinen und mittelständischen Betriebe Auftragsrückgänge. Schon jetzt zeichne sich ab, dass aufgrund der Verunsicherungen Aufträge storniert werden, die fest bei den Betrieben eingeplant waren. Letztendlich führe dies zu einem Verlust von Arbeitsplätzen.

Befürworter der Kürzungen weisen hingegen auf den ernormen Preisverfall bei Fotovoltaikanlagen hin. Sinn des Erneuerbare-Energien-Gesetzes könne nicht sein, dass sich die Anlagenbetreiber eine "goldene Nase verdienen". Kutka räumt ein, dass die Preise für PV-Module im vergangenen Jahr massiv zurückgegangen sind. Ein kurzfristiger Preisrückgang dürfe aber nicht verallgemeinert werden: "Wir hatten in dem zurückliegenden Fünfjahreszeitraum auch Jahre, in denen die Preise wegen der erheblich angewachsenen Nachfrage gestiegen sind."

Oberbayerisches Volksblatt

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