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Leiche in Karton verpackt

Auf Wunsch Männer kastriert: Angeklagter Oberbayer (66) will aussagen

Prozess gegen 66-Jährigen nach Todesfall
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Der wegen Mordes durch Unterlassen angeklagte Mann steht vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. Der 66-Jährige aus Oberbayern hat mehrere Männer auf deren eigenen Wunsch hin kastriert.

München – Mehrere Männer suchen im Internet nach jemandem, der ihnen die Hoden entfernt. Bei einem Oberbayer werden sie fündig. Der Elektriker setzt das Skalpell an, mit teils fatalen Folgen. Nach einem Todesfall steht er nun vor Gericht.

Update, 12.56 Uhr - Tod nach Kastration: Angeklagter will aussagen

Mit einer intensiven Befragung zu seinem Lebenslauf und den finanziellen Verhältnissen hat am Donnerstag in München der Prozess gegen einen 66-Jährigen begonnen, der mehrere Männer auf deren eigenen Wunsch hin kastriert haben soll. Einer von ihnen starb der Anklage zufolge kurz nach dem Eingriff. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Elektromeister deshalb nicht nur schwere und gefährliche Körperverletzung, sondern auch Mord durch Unterlassen vor.

Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, dass dieser auch zur Sache aussagen werde. Zugleich ließ der Anwalt anklingen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Kastration und dem Tod des Mannes infrage gestellt werde.

Der aus Baden-Württemberg gebürtige, aber zuletzt im oberbayerischen Markt Schwaben lebende Angeklagte soll zunächst aus Geldnot über Internetforen sadistische Sexualpraktiken angeboten haben. Sein Repertoire erweiterte der Elektromeister laut Anklage aber schon bald um Kastrationen. Dabei hatte er - anders als er es den Betroffenen vorgaukelte - keinerlei medizinische Ausbildung, wie er am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht München II zugab. Ein Urteil soll voraussichtlich Ende November fallen.

Erstmeldung

Nachdem er mehrere Männer auf deren eigenen Wunsch hin kastriert hatte, steht von Donnerstag (9.30 Uhr) an ein 66-Jähriger aus Oberbayern vor Gericht. Weil einer der Männer nach dem Eingriff in seiner Obhut starb, muss er sich vor dem Landgericht München II nicht nur wegen Körperverletzung, sondern unter anderem auch wegen Mordes durch Unterlassen verantworten.

Den Geschädigten gegenüber hatte sich der Elektriker meist als Rettungsassistent, aber auch als Crew-Mitglied eines Rettungshubschraubers oder als Mitglied von Krankenhauspersonal ausgegeben. Der Angeklagte hatte zunächst aus Geldnot im Internet sadistische Sexualpraktiken angeboten.

Keine Hilfe geholt: „Patient“ stirbt nach Kastration

Im Juli 2018 sagte er einem Forums-Nutzer zu, ihm den Wunsch nach einer Entfernung seiner Hoden zu erfüllen. Es blieb nicht die einzige „Operation“ dieser Art: Die Staatsanwaltschaft führt acht Männer auf, die sich bis März 2020 bereitwillig beim Angeklagten unters Skalpell legten, zumeist in dessen Wohnung.

Bei einem davon blieb es nicht bei einer Durchtrennung des Samenstranges oder einer Entfernung der Hoden, sondern es kam zu einer Penis-Teilamputation, was einen Klinikaufenthalt zur Folge hatte. Bei einem anderen verschlechterte sich der Gesundheitszustand nach dem Eingriff im März 2020 derart, dass er laut Staatsanwaltschaft wenige Tage darauf in der Obhut des Angeklagten starb, ohne dass dieser Hilfe geholt hätte.

Leiche in Karton verpackt

Die Leiche soll der 66-Jährige in einem Karton verpackt haben. Sie wurde rund drei Wochen später bei einer Durchsuchung gefunden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten nun vor, keinen Arzt hinzugezogen zu haben, um nicht aufzufliegen, und sich zudem seine Nebenerwerbsquelle zu erhalten. Er habe also habgierig und um eine andere Straftat zu verdecken gehandelt - was beides als Mordmerkmal gilt.

Ein Urteil soll voraussichtlich nach neun Verhandlungstagen Ende November fallen.

mh/dpa

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