Vertrag ist wirksam sagte Landgericht Traunstein

Urteil im Prozess um 25.000 Euro teures Schamanen-Ritual am OLG München

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Der Vertrag über die Durchführung eines schamanischen Heilrituals beschäftigt am Dienstag das Oberlandesgericht München. Das Landgericht Traunstein wies in erster Instanz die Klage zurück.

München/Traunstein - Was darf Spiritualität kosten? Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München forderte eine Frau 12.500 Euro von einer angeblichen Schamanin zurück. Es war die Anzahlung für ein insgesamt 25.000 Euro teures Schamanen-Ritual, um die Kundin von einer angeblichen Besessenheit zu befreien.

Update, 18.20 Uhr: Urteil gefallen

Vor dem Oberlandesgericht München gab die Schamanin am Dienstag, 10. Dezember, nach. Sie stimmte einem Vergleich zu, dem nach sie 7.500 Euro an ihre Kundin zurückzahlt, berichtet bild.de


Die Schmanin, welche laut bild.de in Eggstätt eine Praxis zusammen mit einem Physiotherapeuten betreibt, darf jedoch 5.000 Euro behalten. In erster Instanz wurde die Klage am Landgericht Traunstein noch zurückgewiesen.

Erstmeldung:

Die beiden Frauen hatten einen Vertrag darüber geschlossen, die Kundin sagte aber kurzfristig ab, erschien nicht zum vereinbarten Ritual und forderte die 12.500-Euro-Anzahlung zurück. Sie wirft der Schamanin vor, ihr vorgemacht zu haben, sie sei besessen. Die Kundin spricht von "arglistiger Täuschung"


Die Beklagte weist das zurück und will das Geld behalten. Sie behauptet, sie sei in Europa und international eine anerkannte Schamanin. Das Ritual sei als religiöse Zeremonie zu verstehen, bei welcher ein Heilungsritual erfolgt. Die Schamanen seien hierbei Vermittler zwischen den Menschen und der Geisterwelt. 

Das Landgericht Traunstein hatte die Klage in erster Instanz abgewiesen. Den Vertrag habe die Kundin aus freien Stücken geschlossen und er sei auch wirksam. Jetzt versucht die Klägerin, ihre Anzahlung über das Oberlandesgericht zurückzubekommen.

"Es war wie Hypnose": Urteil gegen "Wahrsagerin" in Laufen

Der Prozess am Dienstag ist nicht der einzige mit einem mystischen Hintergrund in der Region. Eine Wahrsagerin sprach Frauen an, sagte ihnen eine schlimme Zukunft voraus und wollte Geld, um den "Fluch" wieder von ihnen zu nehmen: Eine 37-Jährige wurde deswegen im Mai 2019 vom Amtsgericht Laufen verurteilt. "Die hatte es wirklich drauf. Sie sagte, ich werde krank, ohne Mann und Kinder. Es war, als hätte sie mich unter Hypnose gesetzt." So eins der Opfer vor Gericht. 

Die angeklagte Wienerin war vor Gericht voll geständig, bereute die Taten und zahlte den Opfern vor den Augen von Richter Thomas Hippler das Geld zurück: "Sonst hätten wir eine Haftstrafe ohne Bewährung verhängt", so Hippler - denn die Angeklagte ist einschlägig vorbestraft. Wegen Betrugs wurde sie schon zwei Mal in München und einmal in Stuttgart verurteilt. Der Richter sprach von einer "uralten Betrugsmasche, die schon im Mittelalter praktiziert wurde".

mh mit Material der dpa

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