Sechster Prozesstag um tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Zeuge vorläufig festgenommen - Anwalt beantragt Ablösung des Staatsanwalts

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Die Anwälte der Angeklagten berieten sich am ersten Verhandlungstag noch einmal vor Beginn des Berufungsprozesses.
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Traunstein/Rosenheim - Fast drei Jahre ist es her, dass bei einem Unfall in der Miesbacher Straße zwei junge Frauen getötet wurden. Drei Männer mussten sich vor Gericht verantworten, alle drei wurden verurteilt. Zwei von ihnen gingen in Berufung. Am Donnerstag wird der Berufungsprozess fortgesetzt.

Update, 18.00 Uhr: Mutmaßliches Rennen auf dem Brückenberg Teil des Gutachtens

Die von Thalhammer berechnete Lücke basiere natürlich auf einer Annahme, gibt dieser vor Gericht zu Protokoll. Thalhammer berechnet nun auf die Nachfragen der Verteidiger und der Nebenklagevertreter etliche Szenarien, wie sich die Situation kurz vor dem Zusammenstoß zugetragen haben könnte.

Der nächste Themenkomplex des Gutachters betrifft den Kreisverkehr in Geiselhöring, durch den der angeklagte hintere BMW-Fahrer gedriftet sein soll. Zu diesem Sachverhalt gibt es laut Gutachter nicht viel mehr zu sagen, als dass man dort mit einer Geschwindigkeit von 56 km/h ins driften komme.

Der nächste Sachverhalt betrifft das mutmaßliche Rennen des vorderen BMW-Fahrers auf dem Rosenheimer Brückenberg. Das Gutachten sollte herausbekommen, ob es überhaupt möglich ist, was die Polizeibeamten, die den Angeklagten damals verfolgten, vor Gericht ausgesagt haben. Laut Thalhammers Berechnungen könne die Geschwindigkeit des Angeklagten bei zwischen 57 und 65 km/h gelegen haben. Das geschilderte Quietschen der Reifen lasse sich mathematisch schlecht beweisen. Die Angabe, man sei 30 bis 40 km/h gefahren, sei technisch jedoch auch möglich. Rechtsanwalt von Koskull will wissen, ob Thalhammer die Schilderungen für plausibel halte, was dieser indirekt bejaht. „Es ist technisch möglich." 

Der Prozess wird bis zum 12. November unterbrochen

Update, 16.40 Uhr: Gutachten: Lücke zwischen den BMW war sechs bis 25 Meter groß

Zum Ende des Verhandlungstages trägt der Sachverständige Andreas Thalhammer sein unfallanalytisches Gutachten vor.

„Ein Gutachten kann nur so gut sein, wie die Grundlagen sind“, schickt Thalhammer seinen Angaben vorweg. Die technischen Untersuchungen des Gutachters beziehen sich nur auf den Golf und den Nissan der Samerbergerinnen, nicht auf die BMW. Zur damaligen Zeit sei noch nicht die Rede von einem Rennen und die BMW nicht Auftrag für seine Untersuchungen gewesen, so Thalhammer.

Laut seinen Berechnungen sei der Golf beim Zusammenstoß mit 88 bis 94 km/h, und der Micra mit 54 bis 61 km/h unterwegs gewesen. „Das ist eine Menge Holz. In so einem Bereich stellt sich die Frage nach der Überlebenswahrscheinlichkeit eigentlich nicht mehr“, sagt der Sachverständige.

Laut Gutachten habe die Fahrerin des Micras erst etwa zwei Sekunden vor der Kollision sehen können, dass sich der Golf auf ihrer Fahrspur befand. „Rein durch eine Vollbremsung des Golf-Fahrers wäre die Kollision höchstwahrscheinlich vermeidbar gewesen“, sagt Thalhammer, da er das entgegenkommende Auto eher sehen habe müssen. Die Mädchen hätten laut Gutachter nicht mehr rechtzeitig bremsen können. 

Wie groß war die Lücke?

„Ein Parameter im Zusammenhang mit dem BMW ist sehr wichtig“, so Thalhammer, „nämlich der, der Kommunikation. Keiner weiß, was der andere vor hat.“ Dann gebe es verschiedene mögliche Verhaltensweisen der Fahrer. Sein persönlicher Favorit der Berechnungshypothese sei „alles so lassen, wie es ist.“ Sehr schwer sei für die Fahrer jedoch in so einer Situation, Abstände abzuschätzen. Laut Thalhammers Berechnungen könnte der Abstand zwischen den beiden BMW irgendwo zwischen sechs und 25 Metern gewesen sein.

Rechtsanwalt Baron von Koskull will vom Sachverständigen wissen, ob die Aussagen seines Kolbermoorer Mandanten für den Gutachter glaubhaft erscheinen. „Sie sind technisch möglich“, so Thalhammer.

Update, 14.59 Uhr: Rechtsanwalt: „Das ist ein Sturm im Wasserglas“

Vorsitzender Dr. Jürgen Zenkel verliest die Entscheidung über den Antrag auf Ablösung des Staatsanwaltes. Demnach werde dem Antrag keine Folge gegeben, da keine ersichtlichen Gründe gegen die Objektivität des Staatsanwalts vorliegen. 

Daraufhin beantragt der Staatsanwalt die Beschlagnahmung der Mobiltelefone der Angeklagten, da er vermute, dass diese in Kontakt zu dem vorläufig festgenommenen Zeugen stehen. 

„Das ist ein Sturm im Wasserglas“, sagt Rechtsanwalt von Koskull zu diesem Antrag. „Auch wenn ein Gespräch auf der Party stattgefunden habe, gibt das keinerlei Aufschluss darüber, ob bei dem Unfall ein Rennen gefahren wurde oder nicht.“ Über den Antrag wird noch beraten. 

Nun wird ein weiterer Zeuge gehört, der ebenfalls Gast auf der Geburtstagsfeier war. Dort soll er das Gespräch der zwei vorigen Zeugen mitbekommen haben. „Bei dem Gespräch ging es zunächst um ihr gemeinsames Hobby, das Surfen. Wie dann das Thema Unfall entstanden ist, weiß ich nicht mehr. Er hat dann irgendwann gesagt, dass er mal bei dem Vater des Angeklagten Kolbermoorers gearbeitet hat“, so der Zeuge. 

Dann habe der Mann noch davon berichtet, dass die Angeklagten „autodammisch“ seien. „Er hat dann von einem Überholvorgang gesprochen und dass die BMW-Insassen häufig in einem Raum im Betrieb des Vaters des Angeklagten zusammensteckten.“ 

Dr. Zenkel will wissen, ob sich der Zeuge daran erinnere, ob sein Bekannter von Absprachen berichtet habe. „Dass sie da in dem Kammerl zusammengesessen sind, das hat er schon gesagt. Er hat aber nichts davon gesagt, dass sie sich abgesprochen haben.“ Von neuen Handys der Angeklagten habe er nichts gehört und sich persönlich aus dem Gespräch weitestgehend herausgehalten. 

„Ich will auch noch angeben, dass mich der Zeuge kontaktiert und mich gefragt hat, ob ich ihn irgendwie hingehängt habe, weil er von Rechtsanwalt Schluttenhofer zu einer Aussage geladen worden sei.“ Er selber habe keine Veranlassung gesehen, der Staatsanwaltschaft von dem Gespräch auf der Feier zu berichten. „Aus meiner Sicht waren die Aussagen rein spekulativ, ob man das den Angeklagten zutrauen kann oder nicht. Es sind hier keine Aussagen getroffen worden, die nicht schon aus den Medien bekannt gewesen seien“, so der Zeuge.

Update, 13.29 Uhr: 

Nach der Mittagspause trägt Rechtsanwalt Michel seinen Antrag auf Ablösung des Staatsanwalts vor. Michel begründet den Antrag damit, dass er der Auffassung sei, die Mitwirkung des Staatsanwalts verstoße gegen den Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit, da dieser ohne Wahrung der Objektivität agiere. Die sechste Strafkammer berät nun über den Antrag. Die Sitzung wird bis zu einer Entscheidung unterbrochen.

Update, 11.55 Uhr: Zeuge vorläufig festgenommen

Die Ereignisse überschlagen sich: Die Staatsanwaltschaft veranlasste wegen des Verdachts der Falschaussage die sofortige vorläufige Festnahme des Zeugen. Noch vor dem Gerichtssaal nahmen ihn die Justizbeamten in Empfang. 

Gleich danach beantragt Rechtsanwalt Michel, der den Angeklagten aus Riedering vertritt, die Hauptverhandlung auszusetzen und den Staatsanwalt abzulösen. Darüber muss das Gericht zunächst beraten. 

Die Verhandlung wird nun bis 13 Uhr unterbrochen. Nach der Pause soll das unfallanalytische Gutachten des Sachverständigen Andreas Thalhammer vorgetragen werden. Er soll die entscheidende Frage beantworten, wie groß der Abstand der beiden überholten BMW zum Zeitpunkt des Unfalls war. Thalhammer konnte bei den Prozessen in erster Instanz keine exakte Angabe zum Abstand der BMW - mangels geeigneter Daten - machen.

Update, 11.52 Uhr: Nebenklagevertreter und Staatsanwaltschaft gehen von Falschaussage aus

Alles wartet gespannt auf den nächsten Zeugen: Er ist derjenige, der die mögliche Absprache im Betrieb des Vaters mitbekommen haben soll. Der Vorsitzende Richter Dr. Zenkel ermahnt den 51-jährigen Zeugen vor seiner Aussage: „Keine Spielereien und keine Sperenzchen, bleiben Sie bitte bei der Wahrheit.“

Den angeklagten BMW-Fahrer aus Kolbermoor kenne er aus der Arbeit. Er habe im Betrieb bei dessen Vater als Nebenjobler gearbeitet. Der Zeuge wirkt sehr verunsichert. Mit dem Angeklagten Kolbermoorer habe er in der Arbeit nie gesprochen. Eine Aussage, die Richter Dr. Zenkel laut werden lässt: „Sie erzählen mir, dass Sie längere Zeit dort gearbeitet haben und nie mit ihm gesprochen haben?“ „Nur Servus und Wiederschauen, mehr nicht“, sagt der Zeuge.

Nun soll er erzählen, was er dem vorigen Zeugen auf der Geburtstagsfeier erzählt haben soll. „Wir haben darüber gesprochen, was in den Medien von dem Unfall berichtet wurde. Ich kann nicht sagen, was die Angeklagten im Kämmerchen an der Arbeitsstelle gesprochen haben. Ich habe ja gearbeitet.“ Er habe nicht gesagt, dass sich die Angeklagten über den Unfall unterhalten haben. Der Vorsitzende konfrontiert den Zeugen jetzt mit weiteren Aussagen, die er seinem Bekannten gegenüber auf der Geburtstagsfeier gesagt haben soll. So etwa die Aussage, dass er sehr betroffen darüber gewesen sei, dass die Angeschuldigten sich über den Unfall nicht erschüttert gezeigt hätten. „Das habe ich nicht gesagt.“ Er habe nur mitbekommen, dass sich die Angeklagten nach der Beschlagnahmung neue Handys angeschafft hätten.

Die Staatsanwaltschaft will wissen, wie sich der Zeuge erklären könne, dass sein Bekannter gerade ausgesagt hat, dass er ihm gegenüber sehr detaillierte Aussagen über seine Beobachtungen auf der Party gemacht habe.

Der Zeuge kann das nicht beantworten. „Ich bin schon davon ausgegangen, dass Sie hier eine Falschaussage machen werden“, so der Staatsanwalt. 

„Gespräche habe ich nicht mitbekommen, nur dass sie sich in dem Kammerl getroffen haben“, sagt der Zeuge. Es sei nur seine persönliche Meinung gewesen, dass sich die Angeklagten möglicherweise abgesprochen hätten, er habe aber keine expliziten Absprachen gehört. Er habe seinem Bekannten keine Details erzählt, wie der Unfall abgelaufen sei. Sein Bekannter habe ihn angeschrien, dass er sich bei dem Rechtsanwalt der Nebenkläger melden soll.

Nun nimmt Nebenklagevertreter Schluttenhofer den Zeugen ins Verhör: „Sie haben mir am Telefon mitgeteilt, dass sie auf der Geburtstagsfeier derjenige waren, der sich mit seinem Bekannten über den Unfall unterhalten hat. Außerdem haben Sie zu mir gesagt 'Herr Schluttenhofer, ich wollte Sie schon öfter ansprechen und mich mit Ihnen unterhalten'.“ „Das habe ich gesagt?“, entgegnet der Zeuge. „Ich kann mich daran nicht erinnern.“ Schluttenhofer will noch wissen, ob der Zeuge ihm gegenüber am Telefon vor einigen Tagen nicht gesagt habe, ob er seine Aussage ganz alleine vor dem Richter machen könne.“ Das sei möglich, so der Zeuge. Er sehe einfach zu viel Fern. „Sie haben mich am Telefon so unter Druck gesetzt“, sagt der Zeuge zum Nebenklagevertreter.

„Der Zeuge sagt hier die Unwahrheit“, bekundet Schluttenhofer. Der Vater einer der verstorbenen Mädchen will wissen, warum der Zeuge nicht vereidigt werde. „Weil kein Vereidigungsantrag gestellt wurde und weil das Gericht sowieso schon sehr große Zweifel an der Aussage des Angeklagten hat“, so der Vorsitzende.

Update, 10.53 Uhr: Belastungszeuge sagt aus

Der erste Zeuge des Tages sagt nun aus. Der 51-Jährige ist ein indirekter Zeuge. Er könne zum Unfall selber nichts sagen, sondern nur zu möglichen Absprachen der Angeklagten.

Zeuge hört auf Geburtstagsfeier von möglichen Absprachen

Er sei auf einer Geburtstagsfeier von einem sehr guten Freund eingeladen gewesen. „Wir waren eine Männerrunde von knapp 15 Männern und haben im Garten meines Kumpels gefeiert.“ Dort habe er nach über zwei Jahren einen alten Bekannten wieder getroffen. Der Mann habe ihm dann von seinen gesundheitlichen Problemen erzählt und warum er nicht mehr im Betrieb des Vaters des angeklagten Kolbermoorers arbeiten habe könne. 

Der Bekannte habe ihm dann weiter mitgeteilt, dass einer der BMW-Fahrer der Sohn seines Chefs gewesen sei. „Er hat mir dann erzählt, dass er ein Gespräch der Angeklagten ein paar Tage nach dem Unfall im Betrieb des Vaters des Angeklagten mitbekommen habe und dass sie sich darüber aufgeregt hätten, dass die Polizei ihre Handys beschlagnahmt hat. Außerdem hat er mir noch gesagt, dass sich die Beteiligten abgesprochen hätten. Er fand auch erschreckend, dass die Beteiligten keinerlei Betroffenheit von dem Unfall gezeigt hätten“, so der Zeuge. Namen und Anzahl, wie viele Leute an dem Gespräch beteiligt gewesen seien, habe er keine erwähnt.

Angeklagte sollen von Provokation gesprochen haben

„Er hat erzählt, dass sie runtergebremst haben, dass sie den Golf-Fahrer provoziert und die Lücke geschlossen haben.“ Der Zeuge habe das Gefühl gehabt, dass sein Bekannter ein Stück weit erleichtert gewesen sei, dass er sich nun mitteilen könne. Ob er seinem Bekannten geglaubt habe, will Richter Dr. Zenkel vom Zeugen wissen. 

„Ja, ich habe ihm sehr wohl geglaubt. Ich habe ihn immer als bodenständigen Burschen kennengelernt. Er hat auf mich jetzt keinen unvernünftigen Eindruck gemacht. Das Gespräch an dem Abend hat mich persönlich belastet. Ich bin seit vielen Jahren zufriedener Kunde im Betrieb des Vaters des Angeklagten und setze damit auch Freundschaften aufs Spiel. Bei Zweifeln an der Aussage meines Bekannten hätte ich nicht den Kontakt zum Rechtsanwalt der Nebenkläger gesucht.“ 

Auf die Frage zu einer möglichen Alkoholisierung seines Bekannten sagt der Zeuge, dass dieser auf gar keinen Fall betrunken gewesen sei. „Er ist dann auch mit dem Auto nachhause gefahren.“ Verteidiger von Koskull will vom Zeugen wissen, ob sein Bekannter berichtet habe, dass die Angeklagten davon gesprochen hätten, sich für eine in der Zukunft liegende Vernehmung abzusprechen oder ob sie von einer Absprache vor der ersten Polizeilichen Vernehmung sprachen. Der entgegnet, dass der Bekannte das nicht genau erläutert habe.

Update, 9.36 Uhr: Weitere Zeugen sollen die Angeklagten entlasten können

Am sechsten Prozesstag werden vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts Traunstein unter Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel zwei Zeugen gehört und das Gutachten des Sachverständigen vorgetragen. 

Außerdem wird auf die persönlichen Verhältnisse der Angeklagten eingegangen. Zudem will das Gericht über die Beweisanträge von Rechtsanwalt JUDr. Michel - der den angeklagten Riederinger vertritt - vom vergangenen Verhandlungstag entscheiden. 

Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull, der den angeklagten BMW-Fahrer aus Kolbermoor vertritt, beantragt zu Beginn des Verhandlungstages ein verkehrspsychologisches Gutachten, das belegen soll, dass der Angeklagte beim Überholvorgang des Golf-Fahrers richtig gehandelt habe und er keine Möglichkeit gehabt haben soll, auf die Fahrweise des Golf-Fahrers irgend einen Einfluss zu nehmen. 

Das unfallanalytische Gutachten, das heute vorgetragen werden soll, kläre laut Koskull nicht die verkehrspsychologischen Aspekte. Für die Beurteilung der Frage, ob ein Fahrfehler vorgelegen habe, bedürfe es der Begutachtung eines Fachpsychologen. „Das beantragte Gutachten wird ergeben, dass für den Angeklagten keine Handlungsalternative gegeben war, als konstant weiter zu fahren.“, so der Anwalt. 

Ein weiterer Antrag Koskulls bezieht sich auf mögliche Absprachen zwischen den BMW-Insassen. Er beantragt die Vernehmung weiterer Zeugen. Einer davon hat die Beifahrer der Angeklagten gegen vier Uhr Früh nach dem Unfall von der Vernehmung bei der Polizei Rosenheim abgeholt. Der Mann könne bezeugen, dass die Angeklagten und ihre Beifahrer gesagt hätten, sie haben bei der Polizei genau das ausgesagt, wie es gewesen ist. Außerdem sollen weitere Männer bezeugen können, dass es keine Absprachen vor der ersten polizeilichen Vernehmung gegeben habe.

Vorbericht: 6. Verhandlungstag um tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße

Am Donnerstag, den 10. Oktober begann der Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. In voraussichtlich sieben Verhandlungstagen wird der Fall am Landgericht Traunstein neu verhandelt. Nach ihren jeweiligen Verurteilungen haben sowohl der Angeklagte aus Kolbermoor, als auch sein Mitangeklagter aus Riedering Berufung eingelegt.

Im Berufungsprozess werden drei Verfahren verbunden: Die beiden gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Unfall auf der Miesbacher Straße und ein weiteres Verfahren: Der Angeklagte aus Kolbermoor wurde am 3. Dezember 2018 wegen der Teilnahme an einem verbotenen Autorennen vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Er soll das Rennen nur kurze Zeit nach dem schlimmen Unfall gefahren haben. Auch gegen dieses Urteil hat der Angeklagte Rechtsmittel eingelegt

Angeklagte brechen ihr Schweigen

Nachdem sich beide Männer bei den ersten Prozessen vor Gericht nicht geäußert hatten, brachen sie am ersten Verhandlungstag des Berufungsprozesses vor der sechsten Strafkammer ihr Schweigen. Der zweite Verhandlungstag war geprägt von den Aussagen der wichtigsten Zeugen: Gehört wurden der mittlerweile 26-jährige Golf-Fahrer, der mit den Mädchen vom Samerberg kollidierte, seine Beifahrerin und die Beifahrer der Angeklagten. Am dritten Verhandlungstag sagten  hauptsächlich Polizisten aus. Es ging im Wesentlichen um die Frage, ob ein Rennen gefahren wurde oder nicht. Am vierten Prozesstag sagten die Ersthelfer aus und ein Beweisantrag der Nebenklagevertreter sorgte für Überraschung. An Verhandlungstag fünf ging es unter anderem um ein Rennen, das der angeklagte BMW-Fahrer aus Kolbermoor nach dem Unfall in Rosenheim gefahren haben soll.

Insgesamt 31 Zeugen sollen bei dem Berufungsprozess gehört werden. Das Urteil wird für Dienstag, 12. November, erwartet.

Schuldspruch vor dem Amtsgericht Rosenheim 

Das Amtsgericht Rosenheim sprach beide Fahrer bei der ersten Verhandlung der fahrlässigen Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässigen Körperverletzung schuldig. Der BMW-Fahrer aus Riedering wurde im März 2019 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt, der Fahrer aus Kolbermoor im Mai 2018 zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung. Der Autofahrer aus Ulm wurde zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Diese ist inzwischen rechtskräftig. Er wird in diesem Prozess jedoch voraussichtlich wieder als Zeuge aussagen müssen.

Bei dem Unfall am 20. November 2016 auf der Miesbacher Straße in Rosenheim wurden z wei junge Frauen tödlich verletzt. Die 15-jährige Ramona D. und die 21-jährige Melanie R. stammten beide vom Samerberg. Ramonas Schwester Lena überlebte den Crash schwerst verletzt.

Die Unfallstelle auf der Miesbacher Straße in Rosenheim. Die weißen Kreuzen haben Unbekannte aufgestellt. Sie sollen die Unschuldigkeit der Opfer erinnern.

Die beiden BMW-Fahrer, gegen die jetzt neu verhandelt wird, sollen den Golf damals absichtlich beim Einscheren nach einem Überholvorgang behindert und so den Horror-Unfall mitverursacht haben. 

**chiemgau24.de berichtet vom Prozess am Dienstag**

jb

Quelle: chiemgau24.de

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